BLKÖ:Klimo, Georg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Klimes, F. K.
Band: 12 (1864), ab Seite: 99. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 124517625, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Klimo, Georg|12|99|}}

Klimo, Georg (Bischof von Fünfkirchen, geb. im Neutraer Comitate Ungarns um 1710, gest. zu Fünfkirchen 2. Mai 1777). Sohn armer Landleute, der bereits in früher Jugend eine besondere Lernbegierde an den Tag legte und sich, so arm er war, nach Tyrnau begab, wo er die dortige Akademie besuchte. Nach beendeten Humanitätsclassen begann er das Studium der Theologie und trat nach dessen Vollendung in die Seelsorge. Zuerst war er Caplan zu Vagujhely, später nahm ihn der Generalvicar des Graner Erzsprengels Franz Freiherr von Klobusiczky als Secretär zu sich, ihn zur Besorgung der Diöcesangeschäfte verwendend. Nun wurde er stufenweise Domherr an der Collegiatkirche zu Preßburg, bald darauf bei dem Graner Erzcapitel, wo ihn der damalige Primas von Ungarn Emerich Graf Eßterházy [Bd. IV, S. 97] an seine Seite berief; dann Abt zur h. Jungfrau vom Graner Schlosse, Erzdechant des Sasvárer Bezirkes, welcher Würde bald die eines Weihbischofs von Novi und – obwohl K. noch nicht volle dreißig Jahre zählte – die Zutheilung zu dem königl. ungarischen Statthalterei-Rathe folgte. Der ebenso fromme als in Geschäften erfahrene Priester zog bald die Aufmerksamkeit der großen Maria Theresia auf sich, die ihn 1747 als Referenten bei der ungarischen Hofkanzlei nach Wien berief. Vier Jahre versah er mit Umsicht und Eifer seine Stelle, als er in Anerkennung seiner Verdienste von der Kaiserin bei Gelegenheit des 1751 zu Preßburg abgehaltenen Landtages zum Bischof von Fünfkirchen ernannt wurde. Auf diesem Posten entwickelte K. eine herrliche Thätigkeit nach allen Seiten, als Kirchenfürst, Gelehrter und Staatsmann. Seit dem Jahre 1214 – in welchem Jahre Calanus der Letzte das Pallium trug – hatte kein Fünfkirchner Bischof mehr das Pallium getragen. K. hat dasselbe für sich und seine Nachfolger von Papst Benedict XIV. wieder erwirkt, und wurde mittelst Breve vom 19. August 1754 den Bischöfen von Fünfkirchen die Vortragung des Kreuzes bei öffentlichen Feierlichkeiten bewilligt. Im Jahre 1755 wurde ihm von der Kaiserin die Administration des Veröczer Comitates übertragen. In dieser Stellung und später bei ausgebrochenen Streitigkeiten zum königl. Commissär ernannt, wirkte er oft und mit Erfolg als Vermittler und handhabte mit Geist und Gerechtigkeit die zahlreichen Geschäfte; auch entsprach er später dem Wunsche der Kaiserin und begab sich von Neuem zur Statthalterei nach Preßburg, um die verwickelten und wichtigen Geschäfte daselbst zu ordnen und zu Ende zu bringen. In seiner Diöcese aber baute er Gotteshäuser, stattete sie mit kostbaren Kirchengeräthen aus, stiftete in Fünfkirchen ein Nonnenkloster nebst einer Mädchenschule und dotirte das daselbst befindliche Seminar des jüngeren Clerus. Er erweiterte und verschönerte den Wohnsitz der Bischöfe und die Gebäude auf den bischöflichen Gütern; er unterstützte freigebig die Studirenden und noch reichlicher die Gelehrten, theilte – um den Sinn für Wissenschaftlichkeit unter seinem Clerus zu wecken – viele [100] und oft kostbare Bücher und Werke unter demselben aus, errichtete – der erste in Ungarn – mit großem Aufwande eine herrliche öffentliche Bibliothek neben seiner Residenz in einem eigens zu diesem Zwecke erbauten Hause, stattete sie nebst zahlreichen Werken aus allen Zweigen der Literatur auch mit vielen in der vaticanischen Bibliothek zu Rom copirten und anderen wichtigen Manuscripten, mit einer auserlesenen Sammlung alter Münzen und anderer Sehenswürdigkeiten aus, stiftete einen Bibliothekar und Bibliotheksdiener dazu und baute auch noch eine Sternwarte daran, die er mit dem Nöthigen versehen ließ. Ueberdieß war seine Residenz nicht sowohl der gastliche Aufenthalt für Fremde und Einheimische, als vielmehr das Speisehaus der Armen. Seine Bescheidenheit spiegelte sich aber am besten in der Thatsache ab, daß er, nachdem es vielen Zuredens bedurfte, sich malen zu lassen, und er den dringenden Bitten endlich nachgegeben, das fertige Bild verbarg, so daß es nicht aufgefunden werden konnte. Nachdem K. 26 Jahre als Oberhirt seiner Gemeinde segensreich gewirkt, starb er im Alter von 67 Jahren und ruht in der Corpus Christi-Capelle seiner Kathedrale zu Fünfkirchen beigesetzt.

Ungarischer Plutarch oder Nachrichten von dem Leben merkwürdiger Personen des Königreichs Ungarn und der dazu gehörigen Provinzen. Aus authentischen Quellen geschöpft ... von Carl Vincenz Kölesy und Jakob Melzer (Pesth 1815, Jos. Eggenberger, 8°.) Bd. I, S. 257. – Hormayr’s Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XV. Jahrg. (1824), Nr. 152 u. 153, S. 822 [im Artikel: „Denkmahle der Wohlthätigkeit des ungarischen Clerus“. Von Dr. L. Hohenegger]. – Annalen der bildenden Künste für die österreichischen Staaten, herausg. von Rud. Fueßli (Wien 1801, Schaumburg). Theil II, S. 38 Anmerkg. – Memoria Basilicae Strigoniensis, p. 168. – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Moriz Ráth, 8°.) Bd. VI, S. 273.