BLKÖ:Klobucharich, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 108. (Quelle)
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Klobucharich, Karl (croatischer Deputirter im ungarischen Landtage 1844, geb. in Croatien um das Jahr 1810). Entstammt einer croatischen, im Jahre 1797 geadelten Familie. K. war mit Metell Ozegovich Deputirter auf dem ungarischen Landtage 1844 und seit vielen Jahren allen Landesdeputationen zugetheilt. Für dieses Lexikon gewinnt er weniger durch sein persönliches Wirken als durch den Umstand Interesse, daß an ihm die Ungarn zuerst kund gaben, wie sie die nationale Gleichberechtigung verstanden wissen wollten. Der Landtagsbeschluß vom 20. Juni 1844 gebot den croatischen Deputirten ungarisch zu sprechen. Dagegen erhoben die Croaten Einsprache und da sich darüber Streitigkeiten entspannen, bestimmte die Regierung, daß, so lange der Landtag nichts weiteres entscheide, die croatischen Deputirten in der lateinischen Sprache an den Debatten Theil zu nehmen nicht gehindert werden können. Endlich kam diese Frage in der Landtagssitzung vom 1. December zur Behandlung. Nachdem der Personal (soviel als Präsident) die Nationalitätsfrage als den merkwürdigsten Gegenstand, über den heute zu verhandeln sei, bezeichnet, der Nationalitätenidee eine begeisterte Lobrede gehalten hatte, sprach er aus, daß der Beschluß vom 20. Juni in seinen Augen ein ungesetzlicher sei und ertheilt den Rath, den Streit auf gesetzlichem Wege zu schlichten, jedenfalls aber die croatischen Deputirten vorerst sprechen zu lassen. Nach dem Ende dieser Rede erscholl von den Tischen der Deputirten ein beinahe einstimmiges maradjon, was so viel bedeutete, die Antwortadresse bleibe so wie sie ist. Nun ergriff der croatische Deputirte Klobucharich das Wort. Er begann in lateinischer Sprache. Kaum hatte er ein paar Sylben ausgesprochen, als die ungarischen Deputirten aufsprangen und ihm zuschrieen „ungarisch“. Klobucharich fuhr in lateinischer [109] Sprache fort. Nun begann ein Lärmen und Schreien von Seite der Ungarn, daß es dem Personal unmöglich ward die Ruhe herzustellen. Klobucharich fuhr in lateinischer Sprache fort. Der Tumult wurde größer. Der Personal ersuchte den Redner im Interesse der Ruhe innezuhalten, Klobucharich setzte seine Rede in lateinischer Sprache fort; die Emeute wuchs in besorgnißerregender Weise, und um einen gefährlichen Ausbruch der Leidenschaften zu verhüten, wurde die Sitzung aufgehoben. In der Circularsitzung des folgenden Tages kam die Sache in ganz eigenthümlicher Weise zum Austrag. Der ungarische Deputirte Klauzál beantragte: „Da es unter der Würde des Landtages sei, bis zur thätlichen Gewalt herabzusteigen und diese gegen die croatischen Deputirten zu gebrauchen, so möge sich der Landtag ihrem lateinischen Vortrage nicht widersetzen, nehme aber davon keine amtliche Notiz, betrachte ihre Reden als nicht gesprochen und verbiete deren Aufnahme in das Landtagsdiarium u. s. w.“ Dieser Antrag wurde ohne Debatte angenommen. Am folgenden Tage wurde dieser Beschluß in der Sitzung verhandelt; die croatischen Deputirten sprachen in der Debatte lateinisch und während sie sprachen, conversirten die ungarischen Deputirten. So hatte die Kühnheit, Energie und Ausdauer des Deputirten Klobucharich in einer sehr wichtigen Angelegenheit den Sieg erfochten, denn die angenommenen Motive Klauzál’s waren in der That denn doch nichts anderes als die factische Aufhebung des Beschlusses vom 20. Juni. Welchen Eindruck diese merkwürdigste, durch Klobucharich veranlaßte Episode des 1844er Landtages im Publicum hervorbrachte, berichtet ausführlich und in anziehender Weise der in den Quellen citirte Croquist.

(Hugo, Albert) Neue Croquis aus Ungarn (Leipzig 1844, O. Wigand, kl. 8°.) Bd. I, S. 115, 137; Bd. II, S. 110–138, – Nagy (Iván), Magyarország családai czimerekkel és nemzékrendi táblákkal, d. i. Die Familien Ungarns mit Wappen und Stammtafeln (Pesth 1860, Moriz Ráth, 8°.) Bd. VI, S. 274.