BLKÖ:Kner, Rudolph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 12 (1864), ab Seite: 143. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Rudolf Kner in der Wikipedia
GND-Eintrag: 116253592, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kner, Rudolph|12|143|}}

Kner, Rudolph (Ichthyolog, geb. zu Linz 24. August 1810). Der Sohn eines oberösterreichischen landständischen Beamten. Nachdem er die Gymnasien zu Linz und Kremsmünster besucht, ging er nach Wien, wo er den medicinischen Studien oblag, aus ihnen die Doctorwürde und bald darauf auch jene der Chirurgie erwarb, da er dem Wunsche seines Vaters gemäß sich der ärztlichen Praxis widmen sollte. Als ihm aber dann gleichzeitig die Stelle eines Secundararztes im allgemeinen Krankenhause und die eines beeideten Praktikanten im kais. Hof-Naturaliencabinete angeboten wurden, entschied er sich für letztere und blieb durch sechs Jahre in dieser Anstellung. Im Jahre 1841 wurde er zum Professor der Naturgeschichte und Landwirthschaftslehre an der Lemberger Hochschule, im Jahre 1849 zu jenem der Zoologie an der Hochschule in Wien ernannt, welche Stelle er noch zur Stunde bekleidet. K. hat sich auf naturwissenschaftlichem Gebiete, vornehmlich paläontologischen und ichthyologischen Studien zugewendet und nach beiden Richtungen mehrere theils selbstständige Werke, theils größere und kleinere, in gelehrten Sammelwerken abgedruckte Abhandlungen veröffentlicht. Seine selbstständigen [144] Werke sind: „Lehrbuch der Zoologie, zum Gebrauche für höhere Lehranstalten“, 2 Abtheilungen (Wien 1849, Seidel; zweite und umgeänderte Aufl. ebd. 1855, ebenda, gr. 8°.); in dritter Auflage erschien es unter dem Titel: „Compendium der Zoologie, für Hörer medicinisch-pharmazeutischer Studien“, mit 40 Holzschnitten Wien 1862, ebenda, gr. 8°.); – „Leitfaden zum Studium der Geologie mit Inbegriff der Paläontologie, Zum Gebrauche für Studirende an Ober-Gymnasien und technischen Lehranstalten. Mit vielen (eingedr.) Holzschnitten“ (Wien 1851, Seidel; 2. Aufl. ebd. 1855, gr. 8°.). Der größte Theil seiner paläontologischen und ichthyologischen Abhandlungen ist in den Denkschriften und Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie der Wissenschaften (mathem. naturwissenschaftliche Classe) und in Haidinger’s naturwissenschaftlichen Abhandlungen, viele davon in Separatabdrücken, erschienen. Die wichtigeren sind, und zwar in Haidinger’s naturwissenschaftlichen Abhandlungen: „Ueber die beiden Arten Cephalaspis Lloydii und Lewisii, Agas, und einige diesen zunächst stehenden Schalenreste“ (Bd. I); – „Versteinerungen des Kreidemergels von Lemberg und seiner Umgebung“, mit 5 Tafeln (Bd. III, 2. Abtheilung); – in den Denkschriften und Sitzungsberichten der kaiserl. Akademie (mathem. naturwissenschaftliche Classe): „Ueber die Verschiedenheit der Blinddärme bei den Salmonen“, mit 1 Taf. (S. B. Bd. VI, S. 240); – „Beiträge zur Kenntniß der Kreideversteinerungen von Ost-Galizien“ (S. B. Bd. VI, S. 555); – „Ueber die Magen und Blinddärme der Salmoniden“, mit 2 Taf. (S. B. Bd. VIII, S. 201); – „Die Panzerwelse des k. k. Hof-Naturaliencabinetes zu Wien“ (D. S. Bd. VI, Abthlg. 1, S. 65); – „Ueber die Hypostamiden oder die zweite Gruppe der Panzerfische“ (S. B. Bd. X, S. 279); – „Neue Beiträge zur Kenntniß der Kreideversteinerungen von Ost-Galizien“, mit 3 Taf. (D. S. Bd. III, fol.); – „Ueber einige Sexual-Unterschiede bei der Gattung Callichthys und die Schwimmblase bei Doras C. Val.“,mit 1 Taf. (S. B. Bd. XI, S. 138); – „Ichthyologische Beiträge“, I. mit 6 Taf. (S. B. Bd. XVII, S. 92); dieselben II. mit 9 Taf. (S. B. Bd. XXVI, S. 373); – „Ueber ein neues Genus aus der Familie der Welse, Siluroidei“, mit 2 Taf. (S. B. Bd. XVII, S. 313); – „Beiträge zur Familie der Characinen (D. S. Bd. XVII a, S. 137, und Bd. XVIII, Abthlg. 1, S. 9); – „Ueber Männchen und Weibchen von Euryphorus Nordmanni, M. Edw.“,mit 1 Taf. (S. B. Bd. XXXIV, S. 435 u. 437); – „Ueber Trachypterus altivelis und Chaetodon truncatus“, mit 2 Taf. (S. B. Bd. XXXIV, S. 437); – „Ueber einige noch unbeschriebene Fische“, mit 1 Taf. (S. B. Bd. XXXVIII, S. 761 und Bd. XXXIX, S. 531), behandelt die Gattungen Centropus staurophorus, Amphisile punctata, Hemirhamphus dispar und Astronestes barbatus; – „Zur Charakteristik und Systematik der Labroiden“. mit 2 Taf. (S. B. Bd. XL, S. 41); – „Ueber Belonesox belizanus, nov. gen. und spec. aus der Familie der Cyprinodonten“, mit 1 Taf. (S. B. Bd. XL, S. 419); – „Uebersicht der ichthyologischen Ausbeute während der Reise der Fregatte Novara“ (S. B. Bd. XL, S. 423); – „Ueber den Flossenbau der Fische“ (S. B. Bd. XLI, S. 807; Bd. LXII, S. 232 u. 759). In Gemeinschaft mit Steindachner arbeitete [145] er: „Neue Beiträge zur Kenntniß der fossilen Fische Oesterreichs“ (D. S. Bd. XXI). und die in den Abhandlungen der kön. bayerischen Akademie abgedruckten. aber auch besonders erschienenen: „Neuen Gattungen und Arten von Fischen aus Central-Amerika, gesammelt von Prof. Moriz Wagner, mit 6 Tafelabbildungen“ München 1864, 4°.); des in Gemeinschaft mit Heckel, dessen Nekrolog K. auch in der Wiener Zeitung mitgetheilt hat, bearbeiteten Werkes: „Die Süßwasserfische der österreichischen Monarchie“, wie der nach Heckel’s Tode von Kner beendeten und herausgegebenen „Neuen Beiträge zur Kenntniß der fossilen Fische Oesterreichs“ (D. S. Bd. XIX, Abthlg. 1) ist schon in der Biographie Heckel’s [Bd. VIII, S. 184] gedacht worden. Im Aprilheft 1847 der Zeitschrift der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien befinden sich seine „Winke für die Heilkunde bezüglich der Athmung und Athmungsorgane“ und seine Recensionen über medicinische und naturwissenschaftliche Werke sind in den medicinischen Jahrbüchern des österreichischen Kaiserstaates enthalten. Auf ichthyologischem Gebiete ist K. eine von Fachmännern anerkannte Autorität, seine Forschungen über die Familie der Siluroiden und Characinen, sowie seine Untersuchungen über den Flossenbau der Fische, bei denen er jedoch nicht bloß diesen im Auge hat, sondern auch mehrere andere Verhältnisse sorgfältig prüft, wie er überhaupt auf Verbesserung der Systematik in der Ichthyologie besonders Bedacht hat, werden von der Fachkritik als mustergiltig bezeichnet. K. ist Mitglied mehrerer gelehrten Gesellschaften, darunter seit 19. Juni 1849 correspondirendes, seit 1860 wirkliches Mitglied der kaiserl. Akademie der Wissenschaften und correspondirendes Mitglied der kön. bayerischen Akademie der Wissenschaften in München.

Bericht über die österreichische Literatur der Zoologie, Botanik und Paläontologie aus den Jahren 1850, 1851, 1852 und 1853 (Wien 1855, 8°.) S. 19 u. 242. – Wurzbach von Tannenberg (Constantin), Bibliographisch-statistische Uebersicht der Literatur des österreichischen Kaiserstaates (Wien, Staatsdruckerei, gr. 8°.) II. Bericht (1854), S. 302, Marginal 9490; S. 312, Marg. 9866; – III. Bericht (1855), S. 373, Marg. 11.698; S. 376, Marg. 11.778; S. 808, Marg. 26.555 u. f. – Wiener medicinische Wochenschrift (4°.) Jahrg. 1855, Nr. 10. – Allgemein deutsche naturhistor. Zeitung 1855, Nr. 11. – Porträte. 1) Unterschrift. Facsimile des Namens: Rud. Kner. Rud. Hoffmann 1859 (lith.), nach einer Photographie von C. v. Jagemann; Druck von J. Haller; Eigenthum und Verlag von Georg Andre Lenoir (Wien, Halb-Fol.); – 2) Facsimile der Unterschrift (wie bei Nr. 1). Dauthage 1860 (lith.), gedruckt bei Jos. Stoufs. Wien (Halb-Fol.) [wenn gleich beiden Bildern Aehnlichkeit mit dem Originale nicht ganz abgesprochen werden kann, so lassen sie doch manches zu wünschen übrig und ist der fast unfreundliche Charakter des Hoffmann’schen Bildes ebenso störend, als im Hinblick auf die freundlichen gemüthlichen Züge des Originals unwahr]; – 3) auch ist eine Lithographie von Meister Kriehuber vorhanden, welche auf Veranlassung von Kner’s Schülern zum Andenken an ihren Lehrer gefertigt wurde, aber nie in die Oeffentlichkeit kam, – Photographien sind vorhanden größere von Jagemann, kleinere von Harmsen.