BLKÖ:Seidel, Ludwig Wilhelm

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Seidl, Joseph Anton
Band: 34 (1877), ab Seite: 1. (Quelle)
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Seidel, Ludwig Wilhelm (Buchhändler, geb. zu Weimar 18. Juni 1802). Der jüngste Sohn des Rentamtmannes Philipp Seidel, dessen vertrauter Verkehr mit Göthe erst in neuerer Zeit durch das interessante Schriftchen: „Göthe und Philipp Seidel“ Breitkopf und Härtel in Leipzig 1871), Abdruck aus der Wochenschrift „Im neuen Reich“ 1871, durch Dr. C. A. H. [2] Burkhardt bekannt gemacht wurde. Ludwig Wilhelm besuchte bis zur obersten Classe das Gymnasium seiner Vaterstadt und entschied sich, durch den Tod seines Vaters veranlaßt, für den Buchhandel. In Leipzig seine Lehrjahre bei Friedrich Fleischer beginnend, durch Militärpflicht in seinen Geburtsort zurückberufen, vollendete er dieselben in der Hoffmann’schen Buchhandlung. Im Jahre 1826 übernahm er eine Stelle in der Buchhandlung Ponthieu und Comp. in Paris und kam im folgenden Jahre in das Haus von Karl Gerold in Wien. Im Jahre 1833 kaufte er die Haller’sche Buchhandlung in Brünn, ehemals eine Filialhandlung von Trattner in Wien. Das Geschäft nahm einen blühenden Aufschwung, so daß es als die erste Sortimentshandlung Mährens bezeichnet wurde. In dieser Zeit trat Wilhelm Braumüller als stiller Gesellschafter ein. Im Jahre 1836 kauften Beide die Buchhandlung der Witwe Mösle in Wien, welche aus vorzüglichen rechts- und staatswissenschaftlichen Verlagsartikeln bestand. In der damaligen Zeit, wo es sehr schwer hielt, eine Buchhandlungsgerechtigkeit zu erlangen und Seidel noch als Inhaber der Buchhandlung in Brünn erschien, konnte er nur als stiller Gesellschafter der neuen Firma: „J. G. Ritter von Mösle sel. Witwe u. Braumüller“ eintreten. Erst im Jahre 1841 wurde die Firma Braumüller u. Seidel protokollirt und nun gewann das Geschäft eine immer größere Ausdehnung und bald war es den schon lange bestehenden Wiener Buchhandlungen Gerold, Schalbacher, Schaumburg in Sortiment und Verlag ebenbürtig. Das Jahr 1848 führte die Trennung der neunjährigen Verbindung herbei und Seidel trat aus. Der vorhandene Verlag wurde getheilt, das Sortimentsgeschäft verblieb in dem bisherigen Locale (Graben, Ecke des Sparcassegebäudes), während Seidel ein neues (Graben, vis-à-vis dem Trattnerhof) eröffnete. Aus dem bisherigen gemeinschaftlichen Verlage gingen mehrere wichtige staats- und rechtswissenschaftliche Werke auf die Firma Seidel über, so z. B. des Grafen Barth von Barthenheim staatswissenschaftlicher Cyklus über Oesterreichs Handel und Gewerbewesen, Schul- und Studienwesen, geistliche Angelegenheiten und landwirthschaftliche Cultur; Dr. Franz Fischer’s „Lehre von der Nichtigkeit der Civilurtheile“; Hauer’s „Darstellung des Unterthanwesens in Niederösterreich“; die jetzt schon so seltene, wenngleich nur mehr historisch-wichtige „Sammlung der politischen und Justizgesetze unter den Kaisern Franz I. und Ferdinand I. von den Jahren 1792–1846“ von J. Kropatschek, in 72 Bänden, und die nicht minder wichtige „Alphabetisch-chronologische Uebersicht der k. k. Gesetze vom Jahre 1740 bis 1842“ von Kürsinger, in 13 Bänden] von Malinkowski’s „Finanz-Verfassung Oesterreichs“; Maucher’s „Oesterreichisches Strafgesetz über Verbrechen; Dr. J. Müller’s „Oesterreichisches Medicinalwesen“; J. Tausch’s „Oesterreichisches Bergrecht“ und „Oesterreichisches Wechselrecht“; Wagner’s „Oesterreichisches Wechselrecht“; Winiwarter’s „Oesterreichisch-bürgerliches Recht“ u. dgl. m. Nun aber war die selbstständige Firma Seidel darauf bedacht, sich einen eigenen Verlag zu gründen, im Anbeginne sich weniger auf ein bestimmtes wissenschaftliches Gebiet beschränkend, als tüchtige Werke im Lehr- und Sprachenfache, dann auf medicinischem und technischem Gebiete verlegend, so daß wir neben dem „Oesterreichischen Schulboten“, seit 1851 [3] bis 1872, 21 Jahrgänge, und neben Schmarda’s „Praktische Meßkunst“, Herr’s „Höhere Mathematik“, Staudigl’s „Neuere Geometrie“, Hartner’s „Niedere Geognosie“, Dr. Kner’s „Zoologische Hand- und Lehrbücher“, die bedeutendsten medicinischen Schriften, wie Dr. Ceßner’s „Chirurgische Instrumenten- und Verbandlehre“; Scanzoni’s berühmtes Werk „Ueber die Geburtshilfe“, dieses und das vorige mit zahlreichen Holzschnitten ausgestattet; Skoda’s Abhandlung über Percussion und Auscultation u. s. w. gewahren. Nebenbei lief auch militärischer Verlag, bis dieser letztere die Oberhand gewann und nun die Buchhandlung Seidel und Comp. als Firma militärischen Verlages in Oesterreich die erste Stelle einnimmt. Sie hat die wissenschaftliche Richtung, welche die Militär-Literatur in Oesterreich und in den meisten Continentalstaaten seit den Sechziger-Jahren einschlug, erfaßt und erschienen – mit geringen Ausnahmen – die Producte derselben in ihrem Verlage. In der kurzen Frist von 15 Jahren weist der Seidel’sche militärische Verlag nahezu anderthalbhundert Werke, viele mit kostbaren Karten, Plänen und Illustrationen ausgestattet, aus dem Gebiete der Kriegswissenschaft und mit ihr verwandter Zweige mit Namen vom besten Klange, aus denen wir nur des General-Majors Graf Bylandt-Rheidt „Oesterreichische Feld- und Gebirgsgeschütze“, Cornova’s „Strategische Betrachtungen“, Diemmer’s „Grundzüge der Strategie“, Gust. Graf Geldern’s „Geschichte der Belagerungen von Belfort und Paris 1870/71“, W. Reinländer’s „Vorträge über Taktik“, Franz Freiherr v. Kuhn’s „Gebirgskrieg“, Obauer’s „Train-, Communications- und Verpflegswesen“, Roskiewicz’s „Terrain-Darstellung“, Waldstätten’s „Taktik-, Terrainlehre, Nachrichten- und Sicherheitsdienst“, Wenger’s und Geldern’s „Befestigungskunst“ unter vielen anderen namentlich anführen. Als militärische Buchhandlung genießt die Firma „Seidel u. Sohn“ einen europäischen Ruf, in der Wiener Weltausstellung des Jahres 1873 wurde sie mit der Medaille, ihr Chef Ludwig Wilhelm S. aber mit dem Ritterkreuze des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet. Seit 1857 sind sämmtliche Verlagsartikel in der eigenen Buchdruckerei, welche dieselbe Firma führt, gedruckt.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 5. – d’Elvert (Christian)dElvert (Christian)]], Geschichte des Buch- und Steindrucks, des Buchhandels, der Bücher-Censur u. s. w. in Mähren und Oestereichisch-Schlesien (Brünn 1854, Rohrer’s Erben, gr. 8°.) S. 104 und 109.