BLKÖ:Knicanin, Stephan Petrovic

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Knezich, Karl
Band: 12 (1864), ab Seite: 151. (Quelle)
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Knicanin, Stephan Petrovic (Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Knic in Serbien im Jahre 1899, nach Anderen schon 1807, gest. zu Belgrad 26. Mai 1855). Ist der Sohn eines Kaufmanns aus dem serbischen Bezirke Gruza, dessen Bewohner ihrer Waffentüchtigkeit und ihres Muthes wegen berühmt sind. Auch Knicanin ward Kaufmann, gewann aber durch seine Entschlossenheit und Geschicklichkeit in den Waffenkünsten in der ganzen Umgegend bald einen mächtigen Einfluß. Das war es, was ihn dem Fürsten Milosch Obrenovic verdächtig machte. Milosch fürchtete in Knicanin den kühnen und populären Bürger. Leicht ward daher Knicanin bei Milosch verschwärzt, welcher ihn 1832 in Ketten werfen ließ; der Kerker sollte seinen Muth brechen. Nach 15 Tagen ward er zum Fürsten geführt, vor dem K. mit Freimuth seine Schuldlosigkeit darlegte. Milosch erkannte bald den Werth eines solchen Mannes, suchte ihn für sich zu gewinnen und nahm ihn in seine nächste Umgebung auf. 1835 beförderte er ihn zum Bezirkscapitän von Jasenitza und 1839 zum Kreischef von Semendria. Aber Milosch, der einst so tapfere Häuptling seiner Anhänger, war ein mißtrauischer Fürst geworden, der Willkür für Recht übte und den Haß seines Volkes auf sich lud. Alle und auch Knicanin sagten sich von ihm los und [152] wendeten sich dem noch jungen Sohne zu, auf den man gerne alle Hoffnungen einer besseren Zukunft übertrug. Aber auch den hatten selbstsüchtige Minister, die aus den Wirren des Landes nur persönliche Vortheile gewinnen wollten, um den Thron gebracht. Knicanin, der zu des Sohnes mächtigsten Stützen gezählt, wurde bald des besonderen Augenmerkes seiner politischen Gegner gewürdigt, die ihn, um ihn zu beseitigen, zuerst verdächtigten und dann seine Verbannung aus dem Lande bewirkten. Zwei Jahre, von 1840 bis 1842, brachte Knicanin in Widdin zu, wohin er sich geflüchtet hatte und wo er Schutz fand. Alexander Kara Georgowitsch war in der Zwischenzeit zur Regierung gelangt und dieser, der auf Knicanin ein großes Vertrauen setzte, berief ihn zurück, ernannte ihn zum Senator und zog ihn oft zu Rathe. Bei dem Ausbruche des Kampfes zwischen den österreichischen Serben und den Magyaren 1848 zog Knicanin, nachdem er seine Stelle als Senator niedergelegt, mit der Genehmigung des Fürsten und mit dem Range eines National-Obersten, an der Spitze einer Freischaar seinen Stammgenossen zu Hilfe, und focht tapfer für Oesterreich, das seinen Brüdern einst Schutz gegen türkische Barbarei gewährt hatte. In seinem Lager auf dem Titler Plateau behauptete er sich gegen die feindlichen Angriffe, namentlich am 23. November 1848. Bewunderungswürdig war die Energie und Umsicht, womit er den rohen Horden, die er herübergeführt hatte, Mannszucht und Gehorsam beizubringen wußte. Der Kaiser Franz Joseph belohnte Knicanin’s Anhänglichkeit und Muth durch Ertheilung des Maria Theresien-Ritterkreuzes und erhob ihn zum Commandeur des Leopold-Ordens. Auf Befehl seiner Regierung kehrte Knicanin im Februar 1849 mit seinen Serben in die Heimat zurück, wo er seit 1852 mit dem Range eines Obergenerals als Landeswojwode und Senator lebte und um die neuesten Verbesserungen im serbischen Kriegswesen sich große Verdienste erwarb. Den Einflüssen Rußlands unzugänglich, ein Feind des Magyarismus und der revolutionären Ideen, im guten Einvernehmen mit den Türken, deren Oberlehenshoheit er anerkannte, war er die Hoffnung und festeste Stütze des politischen und militärischen Serbien. Leider erlag er, seit längerer Zeit kränkelnd, in der Vollkraft seines Lebens, erst 46, nach Anderen 48 Jahre alt, seinem Uebel. Seiner äußeren Erscheinung nach war K. eine höchst interessante Persönlichkeit. Von athletischen Formen, über sechs Schuh hoch, im reichen Nationalcostume – in welchem er auch abgebildet ist – imponirte er schon durch seine Gestalt, ungleich größeren Einfluß aber durch seine moralische Kraft übend, die ihren Stützpunct in vollendeter Biederkeit des Charakters trug. Knicanin, der, als er 1848 seinen in Ungarn hart bedrängten Landsleuten zu Hilfe eilte und seine Hilfstruppen anfänglich selbstständig befehligte, war bei der nothwendig gewordenen neuen Eintheilung der Südarmee förmlich in das Verhältniß eines k. k. General-Majors getreten, als welchem ihm auch alle entsprechenden Bezüge von der k. k. Regierung angewiesen worden sind. Außer seinen Freiwilligen – einer 1800 Mann starken, ihrer Erscheinung nach eben so originellen, wie durch ihre Tapferkeit mit Recht bewunderten Truppe – zählte seine Brigade noch 3 Bataillone Cajkisten, 2 Escadronen Banderial-Huszaren und eine sechspfündige Fußbatterie. Bald hatte sich K. das volle Vertrauen seiner [153] neuen – österreichischen – Collegen erworben und insbesondere hatte er die Zuneigung des Banus, seines Oberfeldherrn, gewonnen. Dieser hatte ihm, als die Südarmee die Offensive ergriff, zum Schutze des für das kaiserliche Heer so wichtigen Titler Districtes zurückgelassen. K. hatte damals, wie auch immer in der Folge, das auf ihn gesetzte Vertrauen gerechtfertigt. Seiner Witwe, als der eines Maria Theresien-Ordensritters, wurde auf kaiserlichen Befehl eine angemessene Pension, welche sie noch bezieht, angewiesen.

Oesterreichische illustrirte Zeitung, herausgegeben von Reyhongs (Wien, 4°.) IV. Jahrg. (1854), Nr. 152: „Der serbische General Stephan P. Knicsanin“ [mit Porträt im Holzschnitt]. – Die Jetztzeit. Redigirt von Dr. Meynert (Wien 1855, 8°.) Nr. 23, S. 367. – Groß-Becskereker Wochenblatt 1855, Nr. 23: „Den Manen Knicanin’s“. – Steger (Fr. Dr.), Ergänzungs-Conversations-Lexikon (Ergänzungsblätter) (Leipzig und Meißen 1850 u. f., gr. 8°.) Bd. V, S. 288. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1856, Staatsdruckerei, 4°.) S. 1726 u. 1753. – Militär-Zeitung, herausgegeben von J. Hirtenfeld (Wien, gr. 4°.) Jahrg. 1855, S. 396. – Nouvelle Biographie générale. ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et s., Didot, 8°.) Tome XXVII, p. 895. – L’Illustration (Paris, kl. Fol.) Nr. 629. – Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, kl. Fol.) 1848, S. 615. – Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Neues ungarisches Conversations-Lexikon (Pesth 1852, 8°.) Bd. V, S. 111. – Unsere Zeit. Jahrbuch zum Conversations-Lexikon (Leipzig 1857, F. A. Brockhaus, gr. 8°.) Bd. I, S. 479. – Neven. Zabavni i poučni list, d. i. Neven. Ein unterhaltendes und belehrendes Blatt (Agram) 1855, Nr. 24, S. 381. – Porträte, 1) Lithograph. von Kriehuber (Wien, Neumann, gr. Fol., auch in 4°.;; – 2) gemalt von Skallitzky, lith. von Haala (Wien, Bermann, kl. Fol.); – 3) mit der Unterschrift: Knicanin, Führer der Serben im ungarischen Kriege. P. Röhrich r. (C. W. Medau u. Comp. in Prag) [in ganzer Figur]; – 4) auch in Mignon-Format bei Ign. Krepp (in Wien).