BLKÖ:Kollonitz, Sigismund Graf von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 363. (Quelle)
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Kollonitz, Sigismund Graf von (erster Erzbischof von Wien, geb. 30. Mai 1676, gest. zu Wien 12. April 1751). Jüngster Sohn des Grafen Johann Sigismund aus dessen Ehe mit Regina Elisabeth Freiin von Speidl. Graf Sigismund beendete die Gymnasialclassen zu Neuhaus in Böhmen als Zögling [364] des dortigen Seminars und kam dann, für die geistliche Laufbahn bestimmt, nach Rom, wo er die philosophischen und theologischen Studien hörte und aus letzteren auch die Doctorwürde erhielt. Nach seiner Rückkehr aus Rom wurde er in Wien im Jahre 1699 zum Priester geweiht, bald darauf Domherr zu Gran, Titularbischof von Skutari und 1708 Bischof von Waitzen, wo noch überall die Spuren des türkischen Joches sichtbar und tiefe Wunden zu heilen waren. Der Graf stiftete daselbst vorerst ein Piaristen-Collegium, ein Seminar für die geistliche Jugend, vermehrte die Zahl der Domherren und verbesserte ihre Einkünfte. Im Jahre 1716 berief ihn Kaiser Karl VI. auf den Bischofsitz nach Wien. Als aber dieses Bisthum im Jahre 1722 zum Erzbisthum erhoben wurde, erhielt K., der Erste, das erzbischöfliche Pallium, welchem im Jahre 1727 von Seite des Papstes Benedict XIII. die Verleihung der Cardinalswürde folgte. Bald darauf wurde K. Oberinquisitor in Sicilien und 1738 Protector von Deutschland. Erzbischof K. war sorgfältig bemüht, die gelockerte Kirchenzucht in seiner Diöcese aufrecht zu erhalten und manche dieselbe gefährdenden Mißbräuche und Unfüge abzuschaffen. Zwei Reisen, eine im Jahre 1730, die zweite im Jahre 1740, nach Rom, hatte er im religiösen Eifer, die Apostelgräber zu besuchen und der Papstwahl beizuwohnen, unternommen, und war sorgfältig, soviel es in seinen Kräften lag, bemüht, die Einigkeit der Kirche aufrecht zu erhalten. Die Kirche zu Ober-St. Veit nächst Wien hat er erbauen lassen; in Wien erhob er die Piaristen, für die er auch auf seiner Herrschaft Freyberg bei Gleißdorf in Steiermark ein Collegium gestiftet, zu einer Pfarre. Den Armen that er viel Gutes und widmete ihnen auch seinen eigenen Garten. Wenn es aber in mehreren Biographien heißt: „daß er zu Erben seines ansehnlichen Vermögens die Waisen der Stadt Wien einsetzte“, so ist das Phrase, die sich durch das Folgende von selbst widerlegt. Der Graf war der Letzte seines Geschlechtes und dieses damit dem Erlöschen nahe. Da wurde ihm durch besondere kaiserliche Gnade vom 12. Juni 1728 auch die Erlaubniß zu Theil, den Sohn der Halbschwester seines Vaters, einer verheiratheten Baronin Zay, Ladislaus Baron Zay von Zajesda, adoptiren zu dürfen, und zwar unter der Bedingung, daß er seinen früheren Namen Zay ganz ablege und nunmehr den neuen seines Adoptivvaters ausschließlich annehme. Diesen Adoptivsohn, der überdieß mit seiner eigenen Muhme Maria Eleonora Gräfin Kollonitz sich vermält hat, setzte der Erzbischof zum Universalerben aller seiner Herrschaften und seines Vermögens ein. Im Jahre 1749, am 22. October, beging K. sein 50jähriges Priesterjubiläum, welches Ihre Majestäten mit ihrer Gegenwart verherrlichten. Zwei Jahre später starb er im Alter von 75 Jahren, indem er bis einen Tag vor seinem Tode die h. priesterlichen Handlungen. die er nie auszuüben unterließ, verrichtete.

Austria. Oesterreichischer Universal-Kalender (Wien, Klang, gr. 8°.) XII. Jahrg. (1851), S. 73. – Die Bischöfe und Erzbischöfe von Wien, aus den Manuscripten des sel. verstorbenen P. Xystus Schier (Gratz 1786, Kaspar Zaunrieth, 8°.) S. 109–118. – Ehrentempel der katholischen Geistlichen (Wien 1845, Jacob Dirnböck, 8°.) S. 168. – Realis, Curiositäten- und Memorabilien-Lexikon von Wien. Herausgegeben von Anton Köhler (Wien 1846, Lex. 8°.) Bd. II, S. 110. – Porträt. J. von Bruggen sc. (Fol. Mezzo), schönes und seltenes Blatt.