BLKÖ:Kolowrat-Krakowsky-Brzeznitz, Johann N. Karl Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 12 (1864), ab Seite: 382. (Quelle)
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34. Johann N. Karl Graf K. Kr. Brzeznitz (geb. 12. September 1794). Ein Sohn des Grafen Joseph Maria aus dessen erster Ehe mit Maria Walpurga Gräfin Clam. Der Graf war nach beendeten Rechtsstudien in den Staatsdienst getreten, welchen er aber nach dem 1824 erfolgten Tode seines Vaters verließ, um die Verwaltung der ererbten Güter selbst zu übernehmen. Nun hat sich der Graf durch sein humanes Wirken, welches die Bürden des Landmanns erleichterte, Schulen für die Jugend gründete und überhaupt Alles that, um einerseits den Wohlstand der Landleute zu steigern, andererseits ihre geistliche und sittliche Ausbildung zu fördern, bald die Liebe und das Vertrauen der Bevölkerung erworben. Von 1834–1837 bereiste er den Continent und besuchte Deutschland, Holland, England und Frankreich. Nach seiner Rückkehr setzte er seine humanistischen Bestrebungen fort, insbesondere unterstützte er die Matice česka mit ansehnlichen Geldmitteln. Im Jahre 1848 bewaffnete er selbst die ganze Nationalgarde des Brzeznitzer Bezirkes, deren Commandant er war; auch spendete er sonst ansehnliche Summen für die neue Garde. An der Einberufung des Slaven-Congresses im Frühjahre 1848 nach Prag, wie an der Ausführung dieses Gedankens hatte der Graf auch seinen Antheil und wurde in Anerkennung dieses dem Slaventhume geleisteten Vorschubes bald darauf zum Ausschuß des Prager National-Convents gewählt. Auf dem Slaven-Congresse zu Prag war er Ausschuß der čechisch-slavischen Section. Im Jahre 1849 wurde er noch in das Comité der Prager Slovanská lípa gewählt. Als später, 1850 und 1851, die Entlastung des Grund und Bodens zur Ausführung kam, ließ K. seinen früheren Untergebenen gegenüber mehr die Milde als das Recht walten, ließ vielen ihre Schulden und Rückstände ganz nach und that überhaupt Alles, um den Bauern den Uebergang in das neue Verhältniß der noch ungewohnten Freiheit, das im Anbeginne für dieselben oft mehr drückend als angenehm war, möglichst zu erleichtern. Im Jahre 1851 wurde der Graf zum Präses des Pilsner landwirthschaftlichen Vereins gewählt, und als sich der Verein zur Hebung der nationalen Bühne in Böhmen bildete, schenkte ihm der Graf die ansehnliche Summe von 4000 fl. Der Graf ist unvermält und der Letzte des Brzeznitzer Zweiges der Linie Kolowrat-Krakowsky, welche zugleich– die einzige – den freiherrlichen Titel von Ugezd führt. [Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský a konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, 12°.) Bd. II, S. 181.] –