BLKÖ:Lábor, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Labitzky, Joseph
Band: 13 (1865), ab Seite: 450. (Quelle)
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Lábor, Joseph (blinder Pianist, geb. zu Horczowicz in Böhmen im Jahre 1842). In Folge einer Blatternkrankheit von Kindesbeinen an blind, wurde bald die Musik seine einzige Trösterin, und wie er als Kind spielend mit ihr begann, soll sie dem Manne Licht und Stab für das Leben werden. L. kam in das Wiener Blinden-Erziehungs-Institut, wo er durch fünf Jahre Zögling desselben war, und von dem Institutslehrer M. Schlechter im Clavierspiel unterrichtet wurde. In den Concerten, in welchen er in Wien im Jahre 1863 zum [451] ersten Male öffentlich sich hören ließ, errang er die schönsten Erfolge. Später setzte er seinen Unterricht im Piano bei dem anerkannten Meister Pirkhert in Wien fort und nahm auch, da er ein seltenes Geschick für Composition besitzt, bei S. Sechter Unterricht in der Compositionslehre. L., der mit den nüchternen Lebenssorgen auf das Herbste zu kämpfen hatte, fand von hoher und höchster Seite mehrfache Unterstützung und hat von Sr. Majestät dem Kaiser ein dreijähriges Stipendium jährlicher 400 fl. zu seiner ferneren künstlerischen Ausbildung erhalten. Von Mutter und Schwester begleitet, hat er bereits mehrere Kunstausflüge, darunter nach Prag und Süddeutschland, unternommen und mit seinen Concerten, deren Programm ein durchaus classisches (Bach, Beethoven, Mendelssohn, Field u. dgl. m.) ist, überall reichen Beifall geerntet. Im Jahre 1863 begab er sich nach Hannover, und fand dort am königlichen Hofe solchen Anwerth, daß ihn der König lange nicht weiter ziehen ließ. Als nun L. im Frühlings 1865 bat, zur größeren Verbreitung seines Rufes nach England reisen zu dürfen, empfahl ihn der König auf das Ausgezeichneteste der Prinzessin von Wales und gab ihm, wie sich der König huldvoll ausdrückte, „noch Etwas auf die Reise mit, was ihm von Nutzen sein konnte“, nämlich die Ernennung zu seinem Kammerpianisten. Wenn es schon Staunen erweckt, wie L. als Blinder die großen Schwierigkeiten der Technik überwunden hat, so reißt um so mehr seine seelenvolle, aus dem Herzen stammende Vortragsweise die Zuhörer allgemein zur Bewunderung, und die feinschattirten Abstufungen der Tonstärke in seinem Spiele zeigen deutlich, wie sehr das Gehör des blinden Musikers geschärft und verfeinert ist. Von seinen Compositionen ist bisher nichts öffentlich bekannt geworden.

Wiener Zeitung 1863, Abendblatt Nr. 102, S. 406. – Presse (Wiener politisches Blatt) 1863, Nr. 123. – Fremden-Blatt (Wiener Journal, 4°.) 1863, Nr. 80; 1865, Nr. 76. – Bohemia (Prag, 4°.) 1864, Nr. 18. – Zellner’s Blätter für Theater, Musik u. s. w. (Wien, kl. Fol.) 1864, Nr. 31.