BLKÖ:Lamberg, Joseph Dominik Graf

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 14 (1865), ab Seite: 41. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Joseph Dominikus von Lamberg in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118713175, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Lamberg, Joseph Dominik Graf|14|41|}}

Lamberg, Joseph Dominik Graf (Cardinal und Fürstbischof von Passau, geb. zu Steier in Oberösterreich 8. Juli 1680, gest. zu Passau 30. August 1761). Ein Sohn des Grafen, nachmaligen Fürsten Franz Joseph L. [s. d. S. 28, Nr. 8] aus dessen Ehe mit Anna Maria Gräfin Trautmannsdorf . Beendete die Gymnasialstudien bei den Jesuiten zu Linz, machte dann Reisen durch Frankreich und Deutschland und verweilte darauf längere Zeit an den Rechtsschulen zu Besançon und zu Siena in Hetrurien. Nun begab er sich nach Rom, wo er im Clementinischen Collegium die theologischen Studien vollendete. Im Jahre 1700 ernannte ihm Papst Clemens XI. zu seinem Hausprälaten. Nachdem sein Oheim, der Passauer Bischof Johann Philipp [s. d. S. 31, Nr. 23], für ihn eine Dompfründe erlangt, begab er sich im Jahre 1703 nach Passau, wo er bischöflicher Official, Generalvicar, später Weihbischof und Präsident des Consistoriums in Oesterreich u. d. Enns wurde. Am 4. October 1704 erhielt er die Priesterweihe, am 19. October wurde er schon zum Dompropst gewählt, bald darauf zum Generalvicar von ganz Steiermark ernannt, am 28. Juli 1706 mit der Dompfründe zu Salzburg versehen und am 8. April 1712 zum Bischof von Seckau mit fürstlichem Titel erhoben. Auf diesem Posten erfreute er sich in solchem Maße der allgemeinen Achtung, daß schon damals, als sein Oheim (1712) starb, ihm einige Stimmen für die bischöfliche Würde zufielen. Jedoch erst nach des Bischofs Rabatta Tode (1723) wurde seine Wahl nach hartnäckigem Kampfe des österreichisch-bayerischen Hofes für ihre Candidaten durchgesetzt. Papst Innocenz XIII. gestattete ihm nun, [42] seine Salzburger Dompfründe beizubehalten, aber das Bisthum Seckau mußte er niederlegen. Seinen Regierungsantritt bezeichnete L. durch manche tüchtige Maßregel, so durch ein scharfes Verbot der Verleihungen amtlicher Stellen aus Begünstigung oder gegen Geldgeschenke; er untersagte den Besitz mehrerer Meßpfründen, ordnete die Besetzung der Pfarrerstellen durch tüchtige Geistliche an. Unter seiner Regierung fand die Abtretung von 15 Meilen seines Kirchsprengels dießseits der Donau – ungeachtet heftigen Widerspruches des Capitels – Statt. Zur Entschädigung wurde aber das Bisthum Passau der Oberherrlichkeit des Erzbisthums Salzburg entrückt, unmittelbar unter den päpstlichen Hof gestellt, jedem künftigen Bischofe Pallium und Kreuz – welche beide bereits Joseph Dominik erhielt – zugesagt und noch einige andere Zugeständnisse eingeräumt. Aber seitdem war der Friede zwischen Bischof und Capitel gestört und wurde erst nach wiederholten päpstlichen Bestätigungen der neuen Verfügungen, und Aufforderung zum Gehorsam zurückzukehren, wieder hergestellt. Für das Bisthum kaufte er aus eigenem Vermögen die Herrschaft Neuburg am Inn und Wörnstein, auch zahlte er auf Anregung des Papstes Benedict XIII. 58.000 und mehr Gulden zum Baue ungarischer Festungen. Ferner begründete er im Jahre 1732 aus eigenen Mitteln zwei Domvicarien und machte 1736 eine Stiftung für vier Adelige zu Linz. Am 10. April 1738 erhielt er über Antrag des Kaisers Karl VI. den Cardinalshut; wohnte im Jahre 1740 der mehrmonatlichen Papstwahl, aus welcher Benedict XIV. hervorging, bei und kehrte dann nach Deutschland zurück. Nach des Kaisers Karl VI. Tode trafen bei Ausbruch des Krieges zwischen Bayern und Oesterreich auch seinen Sprengel die traurigen Folgen des Kampfes, denen theils zu begegnen, theils sie nach Kräften zu lindern, sein emsigstes Streben war. Auch war es ihm gegönnt, am 4. October 1753 sein 50jähriges Priesterjubelfest feierlich zu begehen, welches er noch acht Jahre überlebte. Als Greis von 81 Jahren, im 58. Jahre seines Priesterthums, starb er und wurde in die große Fürstengruft zu Passau beigesetzt.

Buchinger (Joh. Nep.), Geschichte des Fürstenthums Passau nach archival. Quellen ... (Landshut 1817, gr. 8°.) Theil II, S. 439 bis 448. – Pyramis colossica, honoris Lambergaei etc. etc. Domino Josepho Dominico episcopo et principi Pataviensi ex comitibus de Lamberg etc. erecta, adornata et dedicata. Ab Andrea Schindler Consiliario ecclesiastico et pro tempore Parocho in Röhrnbach (Passavii 1723). – Gedicht und Glückwunsch von Johann Georg Seidenbusch, Dechant und Pfarrherr zu Aufhausen (Regensburg 1723) [auch auf Joseph Dominik Grafen Lamberg]. – Lenz (J.), Historisch-topographische Beschreibung der Kreishauptstadt Passau und ihrer Umgebungen (Passau 1819, Pustet, 8°.) Bd. I, S. 268–270. – Hansizius (Marcus), Germania Sacra Pars II, p. 816–834. – Porträt. Johann Heinrich Störcklin sculp. Aug. V. (kl. Fol.). Unter dem Medaillon-Bildniß auf einem Bande, das seinen Wappenschild umschlingt, die Distichen: Sic oculos, sic ora, genas, ars stringit in aere; | Ast animus nulla stringier arte potest. | Quem neque Romano-Germanus coeperat orbis; | Unica, quae caperet, Roma, sat ampla fuit?