BLKÖ:Leiningen-Westerburg, August Georg Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Leinburg, Gottfried
Band: 14 (1865), ab Seite: 326. (Quelle)
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August Georg zu Leiningen-Westerburg-Neuleiningen in der Wikipedia
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Leiningen-Westerburg, August Georg Graf (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Grünstadt im bayerischen Rheinkreise 19. Februar 1770, gest. zu Wien 9. October 1849). Ein Sohn des Grafen Karl Gustav (gest. 1798) aus dessen Ehe mit Philippine Augusta Gräfin Salm-Horstmar (gest. 1792). Graf August Georg, der einem alten Geschlechte [siehe S. 328 die Quellen] entstammt, welches dem Hause Oesterreich manchen ausgezeichneten Krieger gegeben, ist ein Bruder des Grafen Christian Ludwig [s. d. S. 331]. Der, Graf diente in seiner Jugend zuerst im holländischen Heere, in welchem er in den Jahren 1785–1787 Oberlieutenant war, und in den Jahren 1789–1791 im französischen als Lieutenant. Die Revolution veranlagte ihn, aus der Armee zu treten, und er nahm nun Dienste in der österreichischen Armee, in welcher er als Cadet bei Le Loup-Jägern eintrat. Nach wenigen Monaten schon, im November 1792, wurde L. Fähnrich bei Clerfayt-Infanterie Nr. 9 und im Jahre 1797 Lieutenant bei Callenberg-Infanterie Nr. 54. Bei der Uebergabe von Namur im Jahre 1792 wurde er Kriegsgefangener und als Geißel nach Paris geführt, wo er sich aber selbst ranzionirte. In’s Regiment zurückgekehrt, machte er mit demselben die Feldzüge gegen Frankreich bis zum Luneviller [327] Frieden mit. Im Jahre 1805 war er bereits Hauptmann. Als solcher zeichnete er sich vor Ulm, am 15. October, durch seltene Bravour aus. Die Franzosen hatten bereits das Frauenthor gestürmt und die Infanterie-Regimenter Erzherzog Karl und Rainer wurden zu eiligem Rückzuge gezwungen. Eben als der Feind durch das Thor eindrang, stellte sich Leiningen, ohne dazu beordert zu sein, mit seiner Compagnie den Vordringenden entgegen und hielt sie nicht nur in ihrem siegreichen Vorrücken auf, sondern besetzte dasselbe Thor, das der Feind kurz zuvor gestürmt, nahm ihm 3 Kanonen ab und den feindlichen Bataillonschef mit 15 Officieren und 300 Mann gefangen. Einem weiteren Vordringen des Feindes wurde durch diese schöne Waffenthat Einhalt gethan und dadurch einerseits die Stadt vor Plünderung bewahrt, andererseits aber die Garnison in die Lage gesetzt, jene Voranstalten zu treffen, welche alle weiteren Angriffe des Feindes unmöglich machten, bis die Capitulation dem Kampfe ein Ende machte. Unmittelbar nach dieser That wurde Graf L. zum Major befördert und überdieß dafür in der 71. Promotion (April 1806) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Den Feldzug des Jahres 1809 machte L. als Oberstlieutenant und Grenadier-Bataillonscommandant mit. In der Schlacht bei Wagram wiesen seine Grenadiere, vereint mit jenen von Georgi und Portner den von Bessières mit zwölf Reiter-Regimentern unternommenen Angriff entschlossen zurück. Im Treffen bei Znaim (10. Juli 1809) führte Graf L. eine so schöne Waffenthat aus, daß sie ein österreichischer Künstler, Fritz L’Allemand [s. S. 13 d. Bds.], durch ein treffliches, im Jahre 1845 gemaltes Bild verherrlicht hat. Die Franzosen waren in gedrängten Colonnen, während ein heftiger Platzregen fiel und jedes Feuern unmöglich wurde, auf der Heerstraße aufgestellt. Diesen Moment benützte der Graf und führte seine Grenadiere, erst im Doppelschritte, dann im vollen Laufe gegen den bereits vor der Stadt stehenden Feind, den er bis über die Brücke von Neuschellersdorf zurücktrieb, und dabei zwei Generale und mehrere Officiere gefangen nahm. Aber hier wieder, wie bei anderen Gelegenheiten zeigte es sich, wie es im Kriege gefährlich ist, sich von der Begeisterung blindlings hinreißen zu lassen. Als die anderen Truppen die vordringenden Grenadiere sahen, hielt es sie nicht länger und Alles, selbst die Reserve nebst zwei Geschützen, rückte, ohne Befehl erhalten zu haben, vor, um an der Verfolgung Theil zu nehmen. Da brachen mit einem Male über ein paar Hundert feindliche Kürassiere aus einer Seitenstraße hervor und warfen sich, da keine Reserve mehr vorhanden war, in die linke Flanke der vorgedrungenen siegenden Colonnen und schnitten sie in der Mitte ab. Schon sind mehrere Grenadiere gefallen, nun erobert der Feind die genommenen Geschütze zurück und befreit die Gefangenen. Die ganze Sachlage kehrt sich um, aus den Verfolgern werden Verfolgte, die kaum das Stadtthor erreichen, wo rasch der Schlagbaum niedergelassen und dadurch der Feind so lange aufgehalten wird, bis Major Salis mit dem 5. Bataillon der Wiener Freiwilligen aus der Stadt heranrückt und ihn auf derselben Straße zurückwirft. In den Kämpfen der Jahre 1813 und 1814 war Graf L. bereits Oberst des Infanterie-Regiments Erzherzog Rainer. Nachdem die Verbündeten den Rhein überschritten hatten, erhielt der Graf von dem Fürsten Alois Liechtenstein den [328] Auftrag, das Fort Joux einzuschließen. Dieses Fort, mit ausreichender Besatzung und 16 Kanonen versehen und geschützt, auf einem schroffen Felsen gelegen, sperrte die Straße von Neufchatel nach Portalier. Nach vierzehntägiger Einschließung gewährte der Graf am 15. Jänner 1814 der Besatzung freien Abzug, weil durch den Besitz der Veste dem Blockadecorps von Besançon die gerade Verbindung mit der Schweiz eröffnet wurde. Nun schloß der Graf das Fort St. André ein, welches am 21. Februar capitulirte, und zuletzt im März Pierre Chatel. Nach dem Pariser Frieden blieb der Graf bei der Occupations-Armee in Frankreich. Im Jahre 1822 zum General-Major befördert, kam er als Brigadier nach Görz und erhielt 1830 das Brigadecommando in Mainz, nachdem er das Jahr zuvor zum Inhaber des 31. Infanterie-Regiments ernannt worden war. Im Jahre 1832 zum Feldmarschall-Lieutenant ernannt, erhielt er das Militärcommando zu Gratz, dann zu Laibach und Innsbruck, bis er im Februar 1839 als Vice-Gouverneur nach Mainz beordert wurde. Zuletzt ernannte ihn der Kaiser zum Oberlieutenant in der Arcierengarde, als welcher er im Alter von 79 Jahren, nachdem er 58 Jahre in kaiserlichen Diensten gestanden, sein ruhmvolles Leben beschloß. Die Tapferkeit, ja die Bravour L.’s war seiner Zeit sprichwörtlich in der Armee, auch galt er als einer der trefflichsten Schützen in derselben. Der Graf war mit einem Fräulein Charlotte Sophie von Scholz (geb. 1789) vermält, aus welcher Ehe jedoch keine Kinder hervorgingen.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 782 und 1745.