BLKÖ:Leiningen-Westerburg, Christian Ludwig Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 14 (1865), ab Seite: 331. (Quelle)
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Christian Ludwig zu Leiningen-Westerburg-Neuleiningen in der Wikipedia
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Leiningen-Westerburg, Christian Ludwig Graf (k. k. Oberst und Ritter [332] des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Grünstadt im bayerischen Rheinkreise 6. April 1771, gest. zu Arad 20. Februar 1819). Ein Bruder des Grafen August Georg [s. d. S. 326]; trat im J. 1790 als Lieutenant in das Infanterie-Regiment Bender Nr. 41. Gleich seinem Bruder gab auch Graf Christian bei vielen Gelegenheiten Beweise seltener Unerschrockenheit und ausgezeichneter Tapferkeit. Bei der Belagerung von Mainz rettete er am 18. Juli 1793, als Oberlieutenant, ein Pulvermagazin vor sonst unvermeidlicher Explosion. Im Jahre 1796 bereits Hauptmann, fiel er, bei der Unternehmung auf Lauterbach, mit den Freiwilligen, die er über das Gebirge geführt, den Franzosen in den Rücken, erhielt aber bei dieser Gelegenheit eine schwere Wunde. Bei dem Angriffe auf Graubündten im Jahre 1799 nahm L. mit Hilfe einiger Landesschützen Tirols bei Altstädten dem Feinde 2 Kanonen, 5 Munitionskarren, viele Gewehre und Munition weg. Im Mai 1805 rückte er zum Major, im Februar 1809 zum Oberstlieutenant im Infanterie-Regimente Nr. 26 vor. Im letztgenannten Jahre traf Feldmarschall-Lieutenant Chasteler energische Anstalten, um Südtirol von den Franzosen zu räumen. Auf den 24. April war der Angriff Trients festgesetzt. Ueber die Aufstellung des Feindes wußte man nur Unsicheres. Es galt also durch eine Recognoscirung genauere Kenntniß zu erlangen. Oberstlieutenant Graf L. unterzog sich dieser Aufgabe. Er löste sie glücklich, indem er überdieß in mehreren hartnäckigen Gefechten die Franzosen schlug und diese schon am 22. April Trient räumten, so daß die Unseren zwei Tage früher, als ihr Angriff beschlossen worden, die Stadt besetzten. Von Trient aus schickte L. Streifparteien in die gegen Italien zu gelegenen Thäler und beunruhigte immer wieder die feindliche Stellung. So überfiel er am 3. Juni Bassano, konnte aber wegen zu geringer Stärke seiner Truppen die errungenen Vortheile nicht weiter verfolgen. Da brach der General Levin mit 1400 Mann Fußtruppen und 170 Reitern gegen Trient auf und verstärkte sich auf dem Zuge dahin bis zu 2000 Mann und 6 Kanonen. Leiningen wollte den Kampf vor Trient aufnehmen und sich erst, wenn er genöthigt werden sollte, in das Schloß werfen, um dort Verstärkungen zu erwarten. Nach einem heftigen Kampfe, der sich in der Fersina-Vorstadt entsponnen hatte, mußte sich doch Graf L. in’s Castell zurückziehen, um es, bis Entsatz herankam, zu behaupten. Kaum hatte sich die Nachricht von dem Vorrücken des Feindes gegen Trient in der Umgegend verbreitet, als 13 Compagnien Landesvertheidiger, die sich auf dem Marsche noch durch Zuzügler verstärkten, am 9. von Lavis aus, wo sie sich versammelt hatten, in drei Colonnen gegen Trient bewegten. Der Angriff dieser Colonnen, mit einem glücklichen Ausfalle Leiningen’s aus dem Castell, zwang die Franzosen sofort zum Rückzuge über Roveredo nach Ala. Ueberdieß hatten sie seit dem Ueberfalle von Bassano, also innerhalb von 6 Tagen, in beständigen Gefechten mit L. nahezu über die Hälfte an Todten, Verwundeten und Vermißten verloren. Noch vier Monate blieb Graf L. zu Südtirol und leistete daselbst zur Erhaltung des Landes so wesentliche Dienste, daß er mit Armeebefehl von 25. August 1809 mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet und noch im October d. J. zum Obersten befördert wurde. Im August 1811 trat Graf L. aus den Reihen [333] der kaiserlichen Armee und zog sich nach Arad in Ungarn zurück, wo ihn nach einigen Jahren im Alter von 57 Jahren der Tod dahinraffte. Der Graf war mit Seraphine Prinzessin Porcia (geb. 23. October 1788, gest. 5. December 1817) vermält, aus welcher Ehe ein Sohn Graf Christian Franz Seraph. Vincenz [s. d. S. 330] und eine Tochter Gräfin Seraphine (geb. 4. October 1810), Stiftsdame zu Innsbruck, abstammen.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 927, 1746.