BLKÖ:Lo Presti, Nikolaus Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Lopez, Katharina
Band: 16 (1867), ab Seite: 34. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Lo Presti, Nikolaus Freiherr|16|34|}}

Lo Presti, Nikolaus Freiherr (k. k. Lieutenant, geb. 1762, gest. den Heldentod in Uj-Palanka 28. Juni 1788). Entstammt einer alten ursprünglich italienischen Adelsfamilie, über welche Näheres weiter unten zu Ende der Quellen [S. 35] berichtet wird. Nikolaus ist ein Sohn des Freiherrn Franz aus dessen Ehe mit Julie Gräfin Eßterházy. Baron Nikolaus trat mit jungen Jahren in die kaiserlich österreichische Armee und war, als er durch die heldenmüthige Vertheidigung und den Opfertod bei Uj-Palanka seinen Namen verewigt, Lieutenant in dem im Jahre 1744 durch den Marchese Clerici errichteten Linien-Infanterie-Regiment Belgiojoso, nachmals Bellegarde, heute Erzherzog Albrecht Nr. 44. Das Folgende ist der mit genauer Schilderung der Oertlichkeit aus amtlichen Quellen geschöpfte Sachverhalt der Begebenheit. Im Feldzuge des Jahres 1788 gegen die Türken war die große Donauinsel Ostrava, zwischen den Mündungen des Morova- und des Karoschflußes, von Oesterreichern besetzt. Auch das Schloß Rama auf serbischem Boden, gegenüber von Uj-Palanka nächst der untern Spitze der genannten Insel, vom Feinde so zu sagen übersehen; wurde durch österreichische Truppen genommen. Das Gebirge, welches zwischen dem Mlauna- und Beckflusse zum rechten Donauufer herabzieht, drängt sich unterhalb der Ostrovainsel so gegen den Strom, daß es diesen einen Halbkreis zu beschreiben zwingt. An der äußersten Spitze des Erdreiches steht das thurmähnliche vierseitige Schloß; nächst diesem das Dorf Rama. Der Vortheil der Gegend für denjenigen, welcher einen Uebergang vom linken auf das rechte Ufer zur Absicht hat, war in frühen Zeiten schon gekannt. Der Strom ist hier nur 1000 Schritte breit und eine Insel vor Uj-Palanka bot Raum für eine Schanze, zur Versicherung des Ueberganges. Man zögerte nicht, um diese Lage zu benützen und setzte die Insel vor Uj-Palanka in Vertheidigungsstand. Das Schloß Rama mochte wohl dann aus dem einfachen Grunde, um dem dießseitigen ein jenseitiges Werk entgegenzustellen, entstanden sein. Erscheint es einerseits unbegreiflich, warum die Türken den Punct bei Ausbruch des letzten Krieges ohne Verbesserung seines Umfanges, sogar ohne Besatzung ließen, um so zweckmäßiger war der Entschluß, ihn mit österreichischen Truppen zu behaupten. In Verbindung mit der Inselschanze auf dem linken Ufer sperrte er den Strom und bildete einen Damm gegen Unternehmungen der Kriegsfahrzeuge, mit welchen die Türken zahlreich ausgerüstet waren. Erst als Rama von Oesterreichern besetzt wurde, erkannte der Feind den Werth des Punctes und wollte um jeden Preis seinen Besitz erringen. Die Vertheidigung des Schlosses war dem Lieutenant Nikolaus Baron Lo Presti mit 23 Mann des Infanterie-Regiments Belgiojoso [35] anvertraut. 4000 Türken mit 3 Kanonen näherten sich in der Nacht zum 28. Juni ruhig dem Schlosse und mit Anbruch des Tages, nach drei Uhr Früh überfielen sie es plötzlich. Mit Besonnenheit ordnete Lieutenant Lo Presti im engen verrammelten Raum die Anstalten zur Vertheidigung, sich bis auf den letzten Mann zu schlagen entschlossen. Zwei Stunden schon hatte die kleine ruhmwürdige Schaar überlegenen Stürmen und dem fortwährenden Feuer der feindlichen Geschütze kaltblütig getrotzt; zwei Stunden hindurch beschoß man aus der Schanze von Uj-Palanka vergeblich die türkischen Schaaren um Rama. Da entschloß man sich, der kleinen Besatzung Unterstützung zu senden; vier Compagnien sollten übergeschifft werden, um die Bedrängten zu entsetzen. Aber ein Sturm schlug so heftige Wellen im Strome, daß die Ueberschiffung unausführbar war. Indessen erneuerte der Feind mit immer verstärkter Wuth seine Stürme. Sie scheiterten jedoch insgesammt vor den Anstrengungen der Vertheidiger. Nachdem der Feind in diesen Stürmen in blinder Wuth bereits Hunderte geopfert, jetzt erst gerieth er auf den Gedanken, das Schloß zu beschießen. Die Türken führten nun ihre Geschütze vor das Thor und zersplitterten es; als sie in der Umfassung Mauerbögen, welche mit Erde verschüttet waren, entdeckten, durchbrachen sie diese, und über Leichen hinweg – dreihundert lagen schon vor dem Schlosse – bahnten sie sich in der dritten Stunde des Angriffs, nach 6 Uhr, endlich zwei Lücken in das Innere desselben. Dieß alles sah man von Uj-Palanka und mehr nicht. Nur wenige Schüsse waren noch hörbar, das Schloß selbst deckten Flammen und Rauch und aus der Gegend waren die Türken entschwunden. Eine Patrouille, die man gleich hierauf nach Rama entsendete, fand die mit vielen Wunden bedeckten verstümmelten Leichname von 18 Vertheidigern. Von dem Lieutenant Lo Presti und von den Uebrigen fand sich keine Spur. Erst am folgenden Tage (29.) sah man auf den Feldern zerstreute Gliedmaßen von zweien und unter dem Schutte des Schlosses zog man endlich auch den Körper des heldenmüthigen Officiers und jene der drei übrigen vermißten Vertheidiger hervor. Lo Presti’s Leichnam, mit acht Wunden bedeckt, schiffte man auf den Boden des Vaterlandes, dem er so rühmlich gedient, nach Uj-Palanka herüber. Feierlich begleiteten ihn dort alle Kriegsgefährten zu Grabe. Sein Ruhm lebt noch und verpflanzt sich von Geschlecht auf Geschlecht. Wer bei Uj-Palanka die jenseitigen Trümmer des Schlosses betrachtet, dem zeigt man heute noch den anspruchlosen Stein auf dem Grabe, welches die Gebeine des Helden von Rama bedeckt.

(Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrgang 1810, Nr. 83–87. – Der Kamerad (Wiener Soldatenblatt, 4°.) 1863, Nr. 102; „Oesterreichische Thermopylen“ [aus den Papieren eines verabschiedeten Lanzknechts (Friedrich Fürst Schwarzenberg)]. – Ischler Fremden-Salon (Bade-Blatt) 1856, Nr. 41: „Oesterreichische Thermopylen“. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) Jahrg. 1809, S. 179. – Oesterreichische militärische Zeitschrift (Wien, 8°.) Jahrgang 1825, Bd. II, S. 234 u. f. [Lo Presti wird hier irrig Joseph statt Nikolaus genannt].