BLKÖ:Schwarzenberg, Friedrich Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 33 (1877), ab Seite: 58. (Quelle)
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Schwarzenberg, Friedrich Fürst (der verabschiedete Lanzknecht, geb. zu Wien 30. September 1800, gest. ebenda 6. März 1870). Der älteste Sohn des Feldmarschalls und Siegers von Leipzig Karl Philipp Fürst Sch., aus dessen Ehe mit Maria Anna, geborene Gräfin von Hohenfeld, verwitweten Fürstin Eßterházy. Fürst Friedrich, der diesen Namen zur Erinnerung an seinen 1795 bei Mannheim gefallenen, gleichnamigen Oheim [S. 20, Nr. 25] erhielt, ist eine der interessantesten und leider oft genug falsch beurtheilten Gestalten dieses edlen Geschlechtes, der in dem geistvollen Verfasser der „Licht- und Schattenbilder aus dem Soldatenleben und der Gesellschaft“ einen ebenso warmen als unbefangenen Biographen gefunden hat. Der Prinz erhielt eine militärische Erziehung, und sein erster Erzieher, ein früherer Wallonen-Officier, [59] hieß Monsieur La Grange. Ueberdieß empfing der Fürst, da der ganze Hausstand seines Vaters meistentheils aus alten Wallonen, wie Latour-Dragonern, zusammengesetzt war, frühzeitig ausgeprägt soldatische Eindrücke, wozu noch in die Zeit seines beginnenden Denkens, 1808–1815 die größten militärischen Ereignisse der Jahre 1809, und der Befreiungskriege, 1813–1815, fielen, welche den kriegerischen Sinn des Jünglings nur noch mehr hoben und erstarkten. Der Fürst war kaum 12 Jahre alt, als er bereits den damals, 1812, im Lager bei Slonie befindlichen Vater bat, ihn zu sich in’s Feld zu rufen. Aber in Anbetracht seiner zu großen Jugend und der noch fehlenden Ausbildung beschied der Vater die Bitte des Sohnes abschlägig. Wechselvoll genug verlebte der Fürst seine Jugend, bald mit seinen Eltern auf der Herrschaft Worlik, einer alten Hussitenburg, bald wieder bei der von mütterlicher Seite verwandten Fürstin Grasilkovich in Ungarn, dann, während der Vater als Botschafter in St. Petersburg weilte, in Wien und als der Vater als Botschafter nach Paris ging, ebenda, wo er sich auch auf jenem Balle befand, auf welchem seine Tante, die Fürstin Pauline, ein so gräßliches Ende fand. Nach dieser ziemlich geräuschvollen und unruhigen Epoche trat eine friedlichere Zeit ein. Während der Vater das Commando der kaiserlich-österreichischen Truppen in Polen übernommen hatte, kehrte Prinz Friedrich mit der Mutter und seinen Geschwistern nach Böhmen zurück, und in dieser Zeit des Friedens und geistigen Sammlung waren es vornehmlich geschichtliche Studien, in diesen vorzugsweise jene über das Mittelalter, welche den jungen Prinzen anzogen, nebenbei aber bereitete er sich zum Eintritte in die militärische Laufbahn vor. Im Jahre 1815 kam der Fürst in das Bombardier-Corps, die damalige Musterschule militärischer Ausbildung, in welcher er vorzugsweise in militärischen Disciplinen als: Mathematik, Waffenlehre, Terrainlehre, Militärstyl und Situationszeichnen unterwiesen wurde. Im Herbst 1816 fand nun seine Aufnahme als Privat-Cadet im Uhlanen-Regiment, das seines Vaters Namen führte, Statt. Er machte im Regimente innerhalb zwei Jahren die unteren Chargen durch und wurde 1818 Lieutenant in demselben. Was ihm sein Vater anläßlich seiner Beförderung zum Officier schrieb, vergleiche in den Quellen. Der Feldmarschall hatte seinen Sohn während der Cadetenzeit der besonderen Aufsichtnahme des Grafen Clam-Martinitz [Bd. II, S. 379], der früher sein Adjutant gewesen und später als kaiserlicher General-Adjutant in der Armee in großem Ansehen stand, empfohlen, und der Graf Clam nahm die ihm übertragene Aufgabe sehr ernst, hielt seinen Schützling sehr streng, beschäftigte ihn mit militärischen Ausarbeitungen und der Lectüre guter Fachwerke und strafte den jungen Cadeten, wenn dieser es an ordentlichem Eifer und Sorgfalt in den Arbeiten fehlen ließ, unnachsichtlich mit Hausarrest, und der Fürst Friedrich selbst bezeichnete jene Zeit seines Lebens als eine vorzügliche Schule, in welcher er Ordnungssinn gelernt und aller Oberflächlichkeit im Leben entsagt habe. Im Jahre 1819 berief ihn sein damals bereits kranker Vater zu sich nach Prag, von dort kam der nunmehr neunzehnjährige Prinz als Ordonnanzofficier zu dem damals in Ungarn commandirenden Erzherzog Ferdinand d’Este. Als Mitte October des folgenden Jahres der Feldmarschall starb, wurde Prinz Friedrich beauftragt, die von dem russischen [60] Monarchen empfangenen Ordens-Decorationen des Vaters dem Kaiser zurückzubringen. „Ich kann Ihren Schmerz fassen, Fürst“, rief der Kaiser ihm zu, „Sie haben Ihren Vater verloren. Durch seinen Tod erleide auch ich einen unersetzlichen Verlust, denn ich verliere in ihm einen Freund, einen geliebten Waffenbruder.“ Im Frühjahre 1821 erfolgte der Ausbruch der Revolution in Neapel, welche österreichischerseits sofort eine Expedition zur Folge hatte. Der Fürst, der dieselbe mitzumachen bat, wurde als Oberlieutenant in das 3. Huszaren-Regiment Erzherzog Ferdinand eingetheilt, rückte mit der ersten Majors-Division desselben über den Po, wurde in Florenz Ordonnanzofficier bei Feldmarschall Baron Stutterheim und wohnte in dieser Eigenschaft dem Gefechte bei St. Germano bei, wofür er später mit dem Ritterkreuze des sicil. St. Georgs-Ordens ausgezeichnet wurde. Im Herbst des folgenden Jahres kam er als Capitänlieutenant in das ungarische Infanterie-Regiment Baron Duka Nr. 39, aus welchem er bereits im Sommer 1824 als Escadrons-Commandant zu dem in Sárospatak in Ungarn stationirten 10. Huszaren-Regiment König Wilhelm von Preußen befördert wurde. Daselbst erlebte er, wie der Fürst oft selbst sagte, seine glücklichsten vier Lebensjahre; aus dieser Zeit datirt seine besondere Vorliebe für das Land Ungarn und seine Bewohner. Auch die Huszarentruppe, welche er im fünften Theile seines „Wanderbuches“ (S. 239 bis 247) so meisterhaft schildert, hatte der Fürst damals so lieb gewonnen. Mit wahrem Leidwesen trennte sich der Fürst von seinen Huszaren, als er im Frühjahre 1828 zum Major im Chevauxleger-Regimente Prinz Hohenzollern befördert wurde und nun das nächst Zollkiew gelegene Judennest Mazierow in Galizien bezog. Das müßige Garnisonsleben im Frieden sagte dem jungen thatendurstigen Stabsofficier wenig zu. Da kam im Jahre 1830 die Expedition der Franzosen gegen Algier unter Commando des Marschalls Grafen Bourmont zu Stande. Den Winter zuvor hatte er bei seinem Bruder Karl, dem er früher schon seine Majoratsrechte und die Leitung der Familienrechte übertragen halte, in Prag zugebracht, in dieser Zeit auch das Malteser-Ritterkreuz empfangen und trug sich ernstlich mit dem Gedanken, auch die Ordensgelübde abzulegen. Die französische Expedition kam dem Fürsten gerade recht, er erbat einen längeren Urlaub und die Erlaubniß, sich dem französischen, nach Algier abgehenden Armee-Corps anschließen zu dürfen. Am 17. Juni 1830 betrat er, auf der Rhede Sidi Ferugh, afrikanischen Boden. Theils im Gefolge des Marschalls Bourmont, theils als Freiwilliger bei einer französischen Batterie machte er die Gefechte von Staouli, Sidi Kalif und die Belagerung von Sultan Kalassi, dann die Expedition von Belida am Kleinen Atlas mit, wobei er eine solche Bravour zeigte, daß General Bourmont, Augenzeuge seiner Tapferkeit, ihm auf dem Schlachtfelde das Ehrenlegionskreuz seines Adjutanten Trélan mit den ehrenden Worten: „Gardez la, elle vous revient, car vous êtes un de ceux, qui l’ont le mieux vengé!“ anheftete. Während seines Aufenthaltes in Afrika fand auch das Zusammentreffen des Fürsten mit dem berühmten oder besser berüchtigten Dey von Algier, Hussein Pascha, Statt, welches Oberst Bondilat in seinen Erinnerungen aus Algier (deutsch von M. F. Thielen 1837) schilderte. In den letzten Sommermonaten des Jahres 1830 schied der Fürst aus den Reihen der [61] französischen Waffengefährten und kehrte nach längerem Aufenthalte zu Toulon, Marseille, Paris, wo indessen die Juli-Revolution Statt gefunden und auf dem Königsthron die Bourbons von den Orleans abgelöst wurden, und nach einer Reise nach England 1832 in die Heimat zurück. Nun trat er – seine Gesundheit hatte durch die Strapazen des Feldzuges und Klima’s gelitten – mit Oberstlieutenants-Charakter aus der activen Dienstleistung. Die nun folgende Muße – durch eine längere, schwere Krankheit beeinträchtigt – benützte der Fürst zu einer Zusammenstellung seiner letzten Erlebnisse und Reiseeindrücke, welche er unter dem Titel „Rückblicke“ (die bibliographischen Titel seiner zum großen Theile nie in den Handel gekommenen und sehr seltenen Werke folgen weiter unten) veröffentlichte. Alsdann unternahm er eine längere Reise durch Deutschland, darauf nach Griechenland und Constantinopel, einen Theil Kleinasiens und der europäischen Türkei, von wo er über Bukarest, Siebenbürgen und Pest im Winter 1835/36 nach Wien zurückkehrte. Das Ergebniß dieser längeren Tour waren Studien über das türkische Heereswesen und die topographischen Verhältnisse der Balkangegenden und europäischen Türkei. Nach seiner Heimkehr widmete er sich literarischer Arbeit die immer gleichsam die Ernte, der auf seinen Reisen empfangenen Eindrücke und gemachten Beobachtungen waren. Auch beschäftigte er sich in dieser Zeit in Gemeinschaft mit seinen Brüdern Karl und Edmund und der Mutter Fürstin Maria Anna mit der Ausführung des Gedankens, das Andenken des Vaters durch Aufstellung eines Denkmals auf dem Leipziger Schlachtfelde zu ehren. Nachdem dieß bewerkstelligt war, bereiste er von Neuem Deutschland, besuchte Helgoland, die Küste von Schweden und Norwegen und genoß nach seiner Heimkehr nur kurze Zeit der Ruhe, denn der in Spanien ausgebrochene Kampf zog ihn, der in seiner Unruhe immer ein Ziel vor den Augen haben wollte, dahin. Gleich bei Ausbruch des Kampfes hatten die Schaaren unter Zumalacaregui und Cabrera seine Theilnahme erregt und als er von der Hinrichtung der Mutter des Letzteren Kenntniß erhielt, da litt es ihn nicht länger daheim. Um für das unterdrückte Interesse der Legitimität zu kämpfen, begab er sich im Frühjahr 1838 unter mancherlei Beschwerden und Abenteuern zu Don Carlos, der ihn nach sehr freundlicher Aufnahme bei seinem Generalstabe als Oberst anstellte und dem General Marotto zutheilte. In dieser Stellung machte der Fürst die Vorrückung gegen Estella und Balmaseda, dann mehrere Streifzüge in den Bergen und Thälern von Navarra mit, begleitete eine Expedition Caro Merini’s über den Ebro und lernte das herrliche Spanien mit seiner eigenthümlichen Kriegführung und seinen vielen hochinteressanten Gestalten nun aus eigener Anschauung kennen. Aber an dem ewigen Hader der verschiedenen Parteigruppen im Hauptquartier des Don Carlos, hatte der Fürst sich bald satt gehört, und, nach einem mißlungenen Versuche zu Cabrera zu gelangen, der ihn zu längerem Aufenthalt in Katalonien und Arragon aufhielt, nach einer unfreiwilligen Internirung durch die Franzosen zu Bordeaux, begab er sich, nach abverlangtem Ehrenworte, nicht wieder nach Spanien zurückzukehren, nach Paris und als er von da nach Wien kam, hörte er bereits von Marotto’s Abfall und Verrath, von der Auflösung des navaresischen Heeres und von dem [62] Uebertritte des Don Carlos auf französischen Boden. So war sein indessen in Wien angelangtes, durch den karlistischen Abgesandten Grafen Alcudia ihm übergegebenes Ernennungspatent zum Brigadier gegenstandslos geworden. In dieser Zeit hatte sich der Fürst in der Nähe von Preßburg ein Landgut, Marienthal, gekauft. Dasselbe, vormals ein Paulinerkloster, dann unter Kaiser Joseph II. aufgehoben, war ein vielbesuchter Wallfahrtsort geblieben, unter der Cameral-Administration aber in völligen Ruin gerathen und nun von dem Fürsten Friedrich erworben worden, der es, so weit es thunlich war, restauriren ließ. Hieher zog sich nun der Fürst immer wieder, wenn er nach seinen mannigfaltigen Ausflügen und Wanderungen ruhebedürftig war, zurück. Die daselbst verlebte Zeit wechselte unter Lectüre, begonnenen[WS 1] Arbeiten und Jagd im eigenen Forst oder in jenem des Nachbars oder in jenem seines Freundes, des Fürsten Gustav Lamberg, in den Gebirgen Oberösterreichs. Im Jahre 1842 begleitete der Fürst den Erzherzog Ferdinand in das preußische Lager bei Liegnitz. 1843 wohnte er den Manövern in Verona bei und um diese Zeit erschien sein Wanderbuch des „verabschiedeten Lanzknechts“ [ob Lanzknecht oder Landsknecht richtiger ist, möge dahingestellt sein, der Fürst selbst schrieb Lanzknecht und dann ist wohl Lanzknecht das Richtige], womit der Fürst eine Stelle in der deutschen Literatur einnimmt, wenn er auch in den deutschen Literaturgeschichten fehlt und Heinrich Kurz in der seinigen von dem Fürsten nichts weiter zu melden weiß, als „daß er sein Wanderbuch des verabschiedeten Lanzknechts nicht kenne“. Und doch wanderte aber dieses anfangs nur für Freunde als Manuscript gedruckte Wanderbuch aus einem Ende Deutschlands zum anderen, ja selbst in die weitere Fremde, ward überall mit hohem Interesse gelesen und erwarb dem geistvollen Autor die wärmsten Sympathien. Das nächste Ereigniß, das den Fürsten aus seiner ländlichen Ruhe herauslockte, waren die Ereignisse, welche sich im Jahre 1846 in Galizien abspielten, wo damals sein früherer Gönner, der Erzherzog Ferdinand von Este als General-Gouverneur sich befand. Auf die Kunde der ausgebrochenen Bewegung, eilte der Fürst im Februar genannten Jahres nach Galizien. In Krakau hörte er von Benedek’s glücklichem Gefechte bei Gdów und fand „den Falken an der Weichsel“ in Bochnia, den Erzherzog aber auf dem Wege nach Tarnov, dem er sich anschloß, nun zwei Monate in seiner nächsten Umgebung blieb und Augenzeuge war der Verwüstungen, welche die erbitterten Bauern überall, wo sie hingekommen, angerichtet hatten. Für seine freiwillige und eifrige Verwendung in Galizien erhielt der Fürst seine Eintheilung als überzähliger Oberst zu Kaiser-Huszaren, trat aber nicht ein, sondern zog sich mit dem Range eines Obersten in der Armee nach Beendigung der Wirrniß wieder zurück. Im Herbst 1846 unternahm der Fürst eine Reise nach der Schweiz, u. z. in die Urcantone, wo sich eben der Sonderbund der katholischen Cantone gegen die Uebergriffe der radicalen Schweiz vorbereitete. Er studirte mit Interesse die dortigen Verhältnisse. Er nahm nun, um sich der Worte seines Biographen zu bedienen, „seinem ritterlichen Sinne gemäß: den Schwächeren beizustehen“, das historisch wohlerworbene Recht gegen die so beliebte moderne Vergewaltigung – die Tyrannei des Liberalismus, – zu vertheidigen, Theil an mehreren Berathungen des Sonderbundes. [63] Und das ist nun jener Punct im Leben, der dem Fürsten von so vielen Seiten erübelt, dessentwegen er so heftig angegriffen und schonungslos verurtheilt wurde. Und doch hatte der Fürst nur gethan, was seine eigenen Gegner thaten, er war seiner eigenen Ueberzeugung gefolgt, die freilich gerade die entgegengesetzte seiner Angreifer war. Dabei sah der Fürst die Ereignisse, die sich im Herzen der Schweiz abspielten, noch von einem höheren politischen Gesichtspuncte an. Er fühlte und wußte es ganz gut, daß am Vierwaldstättersee und am St. Gotthard auch die Sache Oesterreichs mitbekämpft und vertheidigt wurde und wenn die Diplomaten der conservativen Mächte diesen Vorposten so ohne Vertheidigung ließen, war es seiner Ansicht nach nicht nur ein politischer, sondern auch ein strategischer Fehler“. Im Verlaufe des Jahres 1847, nach abwechselndem Aufenthalte in Luzern, Wien und Mailand, erhielt er im Herbst genannten Jahres ein Einladungsschreiben der katholischen Stände der Schweiz zu ihrem Kriegsrathe. Erzherzog Johann schlug in einem Briefe an Fürst Metternich ddo. Gastein, 24. Juli genannten Jahres, vor allem Anderen den Fürsten Friedrich Schwarzenberg zum Commandanten der Sonderbundstruppen vor, da „dessen ritterlicher Sinn bekannt, den man gewohnt sei, überall zu sehen, wo geschossen wird“. Bei den durch den Staatskanzler mit dem Fürsten eröffneten Verhandlungen zeigte Letzterer im Anbeginn sich nicht abgeneigt zur Annahme des Commando’s, aber die Bedingungen, die er stellte, stießen auf Widerstand, kurz der ganze Vorschlag scheiterte und so begab sich denn der Fürst zurück in die Schweiz, um als Freiwilliger zu kämpfen. Am 17. November 1847 machte er die Expedition gegen Airolo mit und stand dem Erbauer der Gotthardsstraße und der Aarbrücke in Bern und dem Urheber der Reuß-Regulirung, Emanuel Müller, der auf dem Gotthard das Commando führte, treu zur Seite. Als Adjutant des Generals Salis Soglio kämpfte er wieder am 23. November bei Gislikon. Aber was nützten alle Kämpfe gegenüber einer an Geschützen weit überlegenen feindlichen Uebermacht. Schmerzlich enttäuscht verließ der Fürst die Schweiz und erreichte nicht ohne Gefahr Mailand, wohin ihm bald seine Waffenfreunde, General Salis und Oberst Elger, gefolgt waren. In Mailand zeigten sich bereits die Vorboten des nahenden Gewitters. Die Revolution organisirte sich. Anfangs Jänner hatte der Fürst in der Lombarden-Hauptstadt noch den sogenannten „Tabakkrawall“ erlebt, dann begab er sich, am 9. Jänner 1848, mit vertraulichen Aufträgen des Grafen Ficquelmont nach Wien. Umsonst warnte und mahnte er dort vor der zum Ausbruche schon vollreifen Revolution. Man hörte auf nichts und hielt Alles für eitle Schwarzseherei. Die Märztage gaben dem Fürsten-Staatskanzler an des Lanzknechts Stelle die Antwort. Diesen beschäftigte im Augenblick, mehr als alle Politik, der Tod seiner Mutter, die am 2. April, „80 Jahre alt“, gestorben war. Dann begab er sich sofort nach Tirol, wo er sich dem dortigen Landes-Vertheidigungs-Ausschusse zur Verfügung stellte. Erzherzog Johann und sein alter Freund Roßbach nahmen ihn freudig auf. Mit dem Stutzen in der Hand, als ein einfacher Landesschütze, marschirte nun der Fürst, unter Commando des Hauptmanns Mörl über Botzen gegen Trient in das Chiusathal, wo er täglich mit den Insurgenten plänkelte. Wie er sich damals wohl befand, darüber gibt uns eine Tagebuchstelle im VI. Fascikel der „antediluvianischen Fidibusschnitzel“ [64] besten Aufschluß, sie lautet: „Gott sei Dank! grüne und weiße Cocarden! Landesschützen! – Männer! – Bürger! – Herzen gefunden“. – Nachdem durch Radetzky’s Siege Tirols weitere selbstständige Vertheidigung minder nothwendig geworden, begab sich Fürst Friedrich nach Mailand in’s Hauptquartier des Grafen Radetzky, der ihn seinem General-Adjutanten Feldmarschall-Lieutenant Schönhals zur Disposition stellte. In dessen Kanzlei fand des Lanzknechts schwungvolle Feder ein reiches und neues Feld der Thätigkeit. Für seine Verdienste in Tirol war dem Fürsten das Militär-Verdienstkreuz zuerkannt worden. Eine im Frühjahr 1849 bei der neuen Organisirung der in Ungarn occupirten Landestheile ihm zugedachte Stelle als Districts-Commissär mit Generalsrang lehnte der Fürst, dem diese Anomalie eines activen Civildienstes vor dem Feind ganz und gar nicht zusagte, entschieden ab, ließ sich aber im Sommerfeldzuge 1849 dem damaligen Armee-Ober-Commandanten Feldmarschall-Lieutenant Baron Haynau als Ordonnanz-Officier zutheilen und machte als solcher die Vorrückung in Ungarn, die Schlachten bei Raab, Komorn und das Gefecht bei Pußta Harkaly mit. Für seine vorzügliche Verwendung in letzterem Gefechte erhielt er den Orden der eisernen Krone 3. Classe. Im Herbst 1849 wurde er vorzugsweise wegen seiner genauen Kenntniß Tirols und der nahen Schweiz dem im Bregenz stehenden Hauptquartier des 4. Armee-Corps, welches des Fürsten jüngerer Bruder, Feldmarschall-Lieutenant Fürst Karl Schwarzenberg, befehligte, zugetheilt. Als dann der Letztere zum Civil- und Militär-Gouverneur in Mailand ernannt worden, begleitete er diesen, auf dessen Wunsch, mit kaiserlicher Genehmigung. Am 20. März 1851 erhielt Fürst Friedrich Sch. in Anerkennung seiner Leistungen vor dem Feinde und seiner sonstigen vielfachen und verdienstvollen Verwendung den Charakter eines General-Majors in der Armee. Anfangs der Fünfziger-Jahre – 1850 waren seine „antediluvianischen Fidibusschnitzel“ erschienen – begab sich der Fürst in sein ihm liebgewordenes Besitzthum Marienthal, wo er oft, selbst im Winter, wochenlang zubrachte, die Zeit unter Lectüre, literarischen Arbeiten und Jagd theilend, auch besuchte er manchmal das von seinem Vater, dem Feldmarschall, so geliebte Worlik, die Wintermonate verlebte er längere Zeit in Wien. Im Feldzuge 1857 hatte er wieder seine Dienste angeboten, aber die Campagne hatte eher geendet, als davon Gebrauch gemacht werden konnte. Seit dem Jahre 1866 war der „letzte Mönch von Marienthal“, wie er sich selbst nannte, bereits immer kränkelnd, aber obgleich gebrochen, und wenn unser Gewährsmann Bernhard von Meyer wahr berichtet, ungeladen, machte er noch am 20. October 1867 die feierliche Enthüllung des seinem Vater gesetzten Denkmals mit. Bernhard von Meyer in seinem (Wien und Pest) 1875 erschienenen Memoiren berichtet im I. Theile, S. 341 wörtlich: „Bei allen Ehren, die man an diesem Tage der fürstlichen Familie Schwarzenberg erwies, wurde der älteste Sohn des gefeierten Siegers über Napoleon I., der siebenzigjährige, gebrochene Greis, der Kämpfer für Wahrheit und Recht, der in weiten Kreisen bekannte geistreiche Schriftsteller, Fürst Friedrich Schwarzenberg, vollkommen vergessen. Ich besuchte ihn einige Tage nach der Feier; er saß im Lehnstuhl, gebeugt, wie ich ihn nie gesehen. „Sie begreifen, mein lieber Freund“, so redete er mich [65] an, „daß ich gebrochener, kranker Greis, der am Rande des Grabes steht, nicht mehr nach Ehre und Auszeichnung geize: aber so vergessen zu werden, als wäre ich der unwürdige Sohn eines gefeierten Vaters, das thut wehe, unendlich wehe“, und Thränen rollten über sein Gesicht. Nach längerem Leiden war der Fürst im Jahre 1870, siebenzigjährig gestorben. Ein edles, tapferes, warmes, für alles Höhere begeistertes Herz, hatte, wie sein Biograph berichtet, zu schlagen aufgehört. Sein Tod wurde von unzähligen Armen tief betrauert. Sein Wohlthätigkeitssinn war, wie die Wiener Abendpost (1870, Nr. 54) kurz meldet, unbegrenzt und hatte ihm die allgemeine Verehrung erworben. Der Fürst war unvermält geblieben. Als erstgebornem Sohne war ihm das (2.) Majorat zugefallen, aber schon 1820 hatte der Fürst seinem jüngeren, damals bereits vermälten Bruder, dem Fürsten Karl, die Verwaltung desselben übertragen. Ueber die letzten Stunden des Lanzknechts berichtet der schon erwähnte Bernhard von Meyer in seinen Aufzeichnungen. „Als der Fürst“, schreibt Meyer, „sein Ende herannahen fühlte, ließ er alle seine Beamten und Bediensteten an sein Sterbebett kommen, bat sie alle um Verzeihung, wenn, wie und wo er sie verletzt, gekränkt und beleidigt hätte.“ In Thränen aufgelöst standen sie umher: als ihr gütiger Herr mit dieser seiner mit schwacher Stimme vorgebrachten Abbitte zu Ende und Alle freundlich angeblickt hatte – da blitzte sein alter Humor noch einmal auf und er rief dann lauter: „Nun, meine Freunde, geht und grüßt mir noch den – Giskra! In diesen letzten Worten des von der Welt scheidenden Lanzknechts liegt sein ganzes politisches Glaubensbekenntniß. In Charakter und Anschauungen des Lanzknechts und Ritters und des ehemaligen Brünner Advocaten und späteren Ministers Giskra liegt der schroffe Gegensatz der den fast diabolischen Humor dieser letzten Worte eines Sterbenden erklärt. Und doch hatte damals noch nicht der Proceß Offenheim sich abgespielt. – Der Fürst wurde als General mit militärischen Ehren begraben, seine Leiche in der Familiengruft zu Worlik beigesetzt. Wir lassen nun zur Vervollständigung der vorstehenden Skizze eine Uebersicht der Schriften des Lanzknechts, seine treffende Charakteristik von Heinrich Laube und seinen Absagebrief an die Wahler folgen.

Die Schriften des Lanzknechtes. Diese sind mit Ausnahme der ersten, die „Rückblicke“, sämmtlich als „Manuscript“ gedruckt und eigentlich nie in den Handel gekommen, also auch sehr selten. Sie enthalten in ihrer durch und durch eigenthümlichen Form die Erlebnisse seiner vielseitigen Wanderungen. Sie waren für die nächsten Freunde und in einer geringen Auflage gedruckt, entziehen sich also eigentlich jeder Kritik. Aber aus jedem Blatte spricht eine geniale Auffassung und die reizende Form der Darstellung trifft nicht Jeder, da der Verfasser ja selbst durch und durch ein Original war. Unter den aristokratischen Schriftstellern unserer Zeit steht Fürst Friedrich in vorderster Reihe. Männliche Ritterlichkeit, Gesinnungsadel, Geistesstolz sind die Elemente seiner meisterhaften Skizzen. Von Verachtung des Pöbels, wie man sie bei Anderen findet und duldet, ist hier auch nicht eine Spur anzutreffen, man sieht vielmehr darin, wie sein ritterlicher Geist Jedermann, der überhaupt auf Achtung Anspruch machen kann, stecke er nun in einem Handwerkerkittel oder in feinem Hofkleid, seine starke Hand bietet, in welcher der Muth und der Pulsschlag des Herzens pocht. Die Titel der Schriften sind: „Rückblicke aus Algier“ (Wien 1837, Schaumburg, gr. 8°.). Der Charakter dieses interessanten Buches, das nur Ergebnisse eigener Anschauungen und Erfahrungen bietet, ist ein vorherrschend[WS 2] militärischer. – „Fragmente aus dem Tagebuche meiner Reise in die Levante.“ 2 Bände (Wien [66] 1837, kl. 8°.), als Manuscript gedruckt, führt es uns Bilder vom Bord der Veloce, aus Athen, Syra, Bujukdere und Constantinopel mit lebendiger Geistesfrische entworfen vor, aus welchem scharfe Beobachtungsgabe und tiefes Gemüth sprechen. – „Aus dem Wanderbuche eines verabschiedeten Lanzknechtes.“ Als Manuscript gedruckt. 5 Theile (Wien 1844–1848, gedr. bei Franz Edler von Schmid, 8°.). I. Theil. Titelvignette: Lanzknecht schreibend (die Vignetten der 5 Theile sind von der Meisterhand J. Nep. Peter Geiger’s). Inhalt: 1) Fidibusschnitzel als Merkzeichen aus meinem Gedenkbuche – 2) Der schwere Gang – 3) Korporal Teufel – 4) Roßbusch – 5) Terzine – 6) Anastasie – 7) Eine Geistererscheinung. – II. Theil (1844). Titelvignette: Lanzknecht, nachdem er seinen Gegner getödtet, mit dem Tuche den blutigen Degen abwischend. Inhalt: Erinnerungen aus Algier – Nord und Süd (Trine. Tordesillas) – Zwei Duelle – Ein neues Lied nach alter Melodie auf den Sturm von Saida. – III. Theil (1845). Titelvignette: Lanzknecht auf einem bemoosten Stein sitzend, den Becher in der Rechten schwingend, den Krug in der Linken, neben sich die Trommel, darauf ein Laib Commisbrod. Inhalt: Crayonskizzen und Schattenbilder. Habakuk – Das Rendezvous – Die Katakomben – Das Kloster in M. – Die Vergiftung – Emma – Eine Irrfahrt – Hortense – Garde Consulaire – Ein Abend in den Tuilerien. Auf S. 209 eine Schlußvignette (zwei Französinen). – IV. Theil (1845). Titelvignette: Lanzknecht als Guerilla, mit keckaufgesetzter Boira (Guerillamütze), in beschnürter Pelzjacke, vor sich einen anderen von noch zwei Mann begleiteten Karlisten musternd. Inhalt: Fragmente aus dem Tagebuche eines Facciosos 1838. Der Separattitel dieses Aufsatzes hat eine besondere Vignette, worauf mit römischer Schrift Durango steht. Am Schluß des Aufsatzes, S. 133, eine den Fandango tanzende Spanierin – Fidibusschnitzel (Eine Morgenpromenade – Memento mori – Ein edler Mann – Aus dem Gebirge – Memorandum – Alte Lanzknechts-Sprüche) – Lanzknechts Leierkasten (Marschlied) – Die alte Kanone – Blutige Pfingsten – Leipziger Messe – Das Kreuzlein auf dem Leipziger Schlachtfelde – Zwei Jagdlieder – Gebet vor der Schlacht – Der treue Wachposten – Der Rekrut – An mein Schwert – Blaue und schwarze Augen – Liebe, Schwert und Kranz. Ueberdieß enthält dieser Theil noch auf S. 173, 177, 179 und 215[WS 3] Vignetten von Peter Geiger. – V. Theil. Als Supplement zum Wanderbuche (1848). Titelvignette: Ladender Infanterist, sitzender und schmauchender Huszar, hinter jenem in Pyramiden gestellte Gewehre, hinter diesem sein Rößlein. Inhalt: Westöstliche Wanderungen – Rückblick auf Spanien – Lager bei Liegnitz – Caroussel – Bücherschau – Oesterreichische Thermopylen – Militärische Skizzen und Aphorismen. Anhang. – Antideluvianische Fidibusschnitzel von 1842–1847. 1.–6. Fascikel. Als Manuscript für Freunde“ (Wien 1850, Leopold Grund). Diese sind dem Dr. Gustav Kühne gewidmet. Die auf dem Titelblatte jedes Fascikels befindliche Vignette [nicht von Geiger und schlecht gezeichnet] zeigt den in einer Laube sitzenden, die Pfeife schmauchenden Lanzknecht, ihm gegenüber einen jungen, die Cigarre rauchenden Mann (soll Dr. Gust. Kühne sein). 1. Fascikel. Inhalt: Vom Rauchen, dann folgen von S. 17 bis Schluß (177) Aphorismen, Tagebuchblätter, Paradoxen, Lesefrüchte, Anekdotisches[WS 4] u. s. w. – 2. Fascikel: Ein Contrabandist – Charitas – Ein braves Bauernweib – Ueber Dienerschaft – So stirbt ein Soldat – Betrachtungen im Bauernkittel – Ueber das Spiel – Deutsche Worte eines Oesterreichers – Ein Beitrag zur Geisterkunde – Don Diego’s letzte Augenblicke – Der Zweikampf – Wort und Waffe. Zwischen allen diesen, mit den angeführten Titeln versehenen Aufsätzen befinden sich Tagebuchblätter eingestreut. – 3. Fascikel: Militärische Aphorismen und Paradoxen – Ueber militärische Prüfungen – Polemik aus der Allgemeinen Zeitung – Nachlese aus alten Pergamenten – Beispiele unmilitärischer Zucht und Nichtzucht – Silhouetten aus dem Album der Jugendzeit – Pompeja – N*** Julczy – Justa – Zu Ende ein Blatt Druckfehler. – 4. Fascikel: Rundköpfe und Cavaliere – Prinz Rupert (geschrieben im März 1847) – Erste Belagerung Wiens durch Soliman – Einzelne Papierstreifen – Kriegsscenen – Erstürmung des Forts von Morello am 26. Jänner 1838, durch Don Pablo Alliot – Marquesa de Poroy et Dona Florencia – Die Brüder Fulgosio und O’Donnell – Aus den Niederlanden. Die Entsetzung der Festung Landrecy. Ein Kampf der Rothen mit den Weißen in La Penissiere. – 5. Fascikel: Vorrede zu [67] den Faseleien eines säcularisirten Klosterbruders. An I(da) H(ahn) H(ahn) – Privatbücherschau und Aphorismen – Ueber den Verlust des Adels durch Richterspruch – Gedankenspähne – Muth – Dumm – Liebe u. s. w. – Kleine Erinnerungen: Haspinger über das Jahr 1809 – Gedanken über das Lager in Italien, 1842 – Die Hand des Invaliden – Eine Winternacht in Galizien – H(ollinger’s) Kaffeehaus und Pfeifensammlung in Preßburg. – 6. Fascikel: Aus dem Tagebuche über die Ereignisse in Galizien, 1846 – Briefe eines Reisenden aus und über Galizien – Auszug aus einer galizischen Geschichte vom Jahre 1846 – Einige Commentarien zu dem in der Wiener Zeitung von 3. April (1846) mitgetheilten Aufsatze aus dem Courier du bas-RhinNoli tentare – Allgemeine Zeitung Nr. 98, 8. April 1847 – Der „verabschiedete Lanzknecht“ an den „verabschiedeten Hausknecht“ – Erinnerungen an den Sonderbundskrieg in der Schweiz. 1847 – Beilagen: Summarische Uebersicht der kriegerischen Ereignisse in der Schweiz – Einige Betrachtungen über Landsturm und Guerillakrieg – Ueber die Lebensbilder aus dem Befreiungskriege – Ignaz Graf Hardegg – Verzeichniß sämmtlicher Präsidenten des k. k. Hofkriegsrathes – Sündfluth naht – Wetterleuchten. – „Postdeluvianische Fidibusschnitzel“, Zwei Fascikel. Als Manuscript gedruckt bei Karl Gorischek in Wien, Eigenverlag des Deutschen Lanzknecht (Wien, 8°.). 1. Fascikel. Von 1849 bis 1854. Inhalt: Fidelitati – Ueber Distinctionszeichen der Civilbeamten und dem Aequipariren mit den Militärchargen – Lopez und seine Expedition gegen Cuba – Ein Brief über den Adel in Oesterreich – Domisticität – Lakay – Laufer – Hayduk – Jäger – Karl Fürst zu Schwarzenberg. – 2. Fascikel. Von 1855–1860. Inhalt: Die Ritter (Karl Graf Harrach, Franz Fürst Lobkowitz, Walther Graf Stadion) – Leopold Graf von Berchtold, der Menschenfreund – Betrachtungen aus dem gegenwärtigen Kriege – Auch ein Olivenblatt – Warum „Generalmajor“ und nicht lieber „Generalfeldwachtmeister“? – Einige Bemerkungen über den Aufsatz: „Die Gegensätze der Kriegführung in Italien und Ungarn“ – Feldmarschall Fürst Schwarzenberg; – Ueber den Gebrauch der Pike (Lanze) bei der Reiterei – Gedankenspähne – Ueber den Vollzug der Todesstrafe – Ueber neuere Verwendung deutscher Ritterburgen – Eine Blume der Erinnerung auf ein Grab (Alain Prinz Rohan) – Ein Nachtstück (geschrieben am Allerseelentage 1855). Unter den vielen Tagebuchblättern, die da zwischen den oben genannten Artikeln sich befinden, erscheinen wiederholt Glossen zur Allgemeinen Zeitung.
I. Quellen zur Biographie des Lanzknechtes. Bohemia (Pergers polit. und belletr. Blatt, 4°.) Jahrg. 1861, Beilage zu Nr. 89, S. 829: „Das Schreiben des Fürsten Friedrich Schwarzenberg“ [mit welchem er seine Wahl in den böhmischen Landtag ablehnt]. – Erinnerungen. Illustrirte Blätter für Ernst und Humor (Prag, 4°.) LXXXI. Bd. (1861), S. 239: „Fürst Friedrich von Schwarzenberg: Der Landsknecht“. [„Landsknecht ist hier und wird gewöhnlich mit ds geschrieben, der Fürst selbst schrieb meistens Lanzknecht“; was das Richtige ist, kann hier nicht untersucht werden.] – Europa. Herausgegeben von Gustav Kühne (Leipzig, schm. 4°.), 1859, Nr. 39: „Des Lanzknechts Jagdausflüge“. – Illustrirte Zeitung (Leipzig. J. J. Weber) Nr. 1306, 2. April 1870, S. 245: „Fürst Friedrich Schwarzenberg. – Libussa. Taschenbuch herausgegeben von Klar (Prag. 12°.), Jahrg. 1854, S. 431: „Fürst Friedrich von Schwarzenberg“. Von Paul Alois Moldavsky [hinter diesem Pseudonym Moldavsky soll sich der Name des Herausgebers Klar verbergen]. – Meyer (Bernhard Ritter v.). Erlebnisse des Bernhard Ritter von Meyer. Von ihm selbst verfaßt und abgeschlossen. Herausgegeben von dessen Sohn (Wien 1875, C. Sartori, 8°.) Bd. I, S. 340 u. f. – Morgenpost (Wiener polit. Blatt) 1870, Nr. 67, im Feuilleton: „Aus den Papieren des verabschiedeten Lanzknechtes“ [eine Zusammenstellung von Aussprüchen, Ansichten u. dgl. m. aus seinen Schriften, welche den Fürsten charakterisiren sollen]. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1870, Nr. 1996, im Feuilleton: „Zwei Todte“. Von Hieronymus Lorm [der andere Todte neben Fürst Sch. ist Montalembert]. – Neues Wiener Tagblatt 1870, Nr. 66: „Fürst Friedrich von Schwarzenberg“. – Oesterreichische Revue (Wien, gr. 8°.) 1866, Heft 41. – Oesterreich-ungarische Wehrzeitung (Wien, 4°.) 1870, Nr. 28: „Nekrolog“ Nr. 29, im Feuilleton: „Vom verabschiedeten Lanzknecht“ [berichtigt leider in burschikosem Tone manche Irrthümer, welche die Nekrologe des [68] Fürsten enthalten]. – Presse 1870, Nr. 74, im Feuilleton: „Der verabschiedete Lanzknecht“. Von Alfred Meißner. – Streffleur (Val.), Oesterreichische militärische Zeitschrift (Wien, gr. 8°.) IV. Jahrg. (1865), Bd. 4, S. 239. – Thürheim (Andreas Graf), Licht- und Schattenbilder aus dem Soldatenleben und der Gesellschaft. Tagebuch Fragmente und Rückblicke eines ehemaligen Militärs (Prag und Teplitz 1876, Dominicus, gr. 8°.), S. 248–272 [mit wohlthuender Pietät geschrieben, und durch die schlichte, wahre Darstellung ein treffliches Gegenstück zu anderen Nekrologen]. – Das Vaterland (Wiener polit. Parteiblatt, gr. Fol.) 1870, Nr. 66 und 67, im Feuilleton: „Fürst Friedrich von Schwarzenberg“. – Von Haus zu Haus (Prag, Kober, 4°.) 1861, Nr. 2, S. 20: „Friedrich Fürst von Schwarzenberg (der Lanzknecht)“. Von dem Herausgeber dieses Lexikons. [Der Verfasser schrieb diese und noch andere Beiträge für das illustrirte Blatt „Von Haus zu Haus“ zu dessen Gründung er den damals noch gut deutschen Kober angeregt. Leider wurde Kober dieser Sache später abtrünnig, es haben die Nationalen verstanden, ihn zu gewinnen, nachdem die Deutschen es unterlassen, diesen ungemein strebsamen Verleger für ihre Interessen zu erhalten, und das Blatt „Von Haus zu Haus“ hörte leider auf zu erscheinen.] – Wiener Sonntagsblatt, Beilage des „Ostens“ (4°.) 1870, Nr. 11.
II. Porträte. 1) Unterschrift: Friedrich Fürst von Schwarzenberg | k. k. General-Major | Beilage zu Kinderfreund’s „Oesterreichischer Signalen“. Von Katzler (lith.). Gedr. bei Jos. Stoufs, Wien (4°.) [ähnliches, aber geistlos aufgefaßtes Bildniß dieses interessanten Charakterkopfes]. – 2) Unterschrift: F. Schwarzenberg, General-Major | geboren zu Wien am 30. September 1800. | Beilage zu Klar’s Taschenbuch: Libussa. Haala pinx. 1853, Carl Mayer in Nürnberg sc. (8°.) [sehr ähnlich]. – 3) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges: Friedrich Fürst Schwarzenberg, General-Major, darunter Friedrich Fürst Schwarzenberg | k. k. General-Major etc. etc. Nach Fr. Schrotzberg, lith. von J. Melcher. Druck von Heller, (Fol.) – 4) Ohne Unterschrift. Prof. Ender pinx. Kriehuber del. 1833 (lith.). Gedr. bei Mansfeld u. Comp. (Fol.). Brustbild als Malteser-Ritter in jüngeren Jahren [kam nie in den Handel]. – 5) Ohne Unterschrift. Kriehuber 1846 (lith.). Gedr. bei J. Höfelich (Fol.), [in Huszaren-Oberst-Uniform sehr ähnlich und charakteristisch, kam nicht in den Handel]. – 6) Unterschrift: Fürst Friedrich Karl Schwarzenberg, „der Lanzknecht“, † am 6. März. (1870). Holzschnitt von A. N(eumann) in der Illustrirten Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) Nr. 1396, 2. April 1870 [in Civil, ganze Figur, sehr gut getroffen]. – 7) Es ist noch ein Porträt in Großfolio vorhanden, das den Fürsten in Karlistentracht und Mühe in ganzer Figur darstellt. Es ist lithographirt, kam nie in den Handel und ist sehr gut getroffen.
III. Brief des Fürsten Karl Philipp von Schwarzenberg, des Siegers bei Leipzig im Jahre 1813, an seinen Sohn Friedrich (den Lanzknecht), anläßlich seiner Beförderung zum Officier. Der so interessante Brief lautet: „Mein lieber Fritz! Der Kaiser hat Dich zum Officier ernannt und ich übergebe Dir das Abzeichen Deiner neuen Charge. Du bist hiermit der Vorgesetzte und Führer einer Abtheilung tapferer Männer, braver Uhlanen meines Regimentes, welche, wie Du, die Ehre haben, die grüne Czapka zu tragen. Vergiß nicht, daß selbst in dem ganzen zweiten Gliede kein Mann steht, der nicht an Verdienst Dir gleich, Mancher auch höher stünde. Deine Charge und deren Abzeichen sind nur eine à conto-Zahlung, welche Kaiser und Staat für Deine künftigen Verdienste und Leistungen voraus bezahlt. Lass’ Dir das Loos und die Ausbildung Deiner Untergebenen angelegen sein, und wenn Du erst Deine Obliegenheiten als Officier gewissenhaft erfüllt haben wirst, verdienst Du, nicht blos ein Vorgesetzter zu heißen, sondern auch einer zu sein. Das Gold, mit welchem man die Waffe der Officiere schmückt, muß ein echtes, edles Metall sein, damit dessen Werth nie und nirgends in Zweifel gezogen werden könne. Und nun, mein Sohn, gehe hin und thue deine Schuldigkeit und mache Freude Deinem Vater und Regiments-Inhaber.“ –
IV. Absageschreiben des Fürsten Friedrich Schwarzenberg an seine Wähler. Im März 1861 wurde der Fürst Friedrich in den böhmischen Landtag gewählt. Der Fürst, als ihm die Wahl bekannt gegeben wurde, richtete aus Marienthal, wo er damals lebte, am 2. April 1861 ein Schreiben an seine Wähler, worin er ihnen für das in ihn gesetzte Vertrauen dankt, dabei aber die Wahl ablehnt. Indem er zunächst seine angegriffene Gesundheit vorschützt, bemerkt er weiter: „Außerdem aber gestehe ich, daß bei gegenwärtigen Zeitläuften ich Jeden, der ein gewisses [69] Lebensalter überschritten hat, für nicht geeignet halte, die Hand an ein Werk zu legen, wo es darauf ankommt, in eine neue Zeit zu treten. Das Vorrecht des Alters war ehemals die Erfahrung. Diese aber nützt nichts in einer Zeit, welche auf ganz neuen, unversuchten Grundlagen vorzugehen strebt, und vor allem darauf ausgeht, der Vergangenheit jedes Recht zum Fortbestehen abzuleugnen. Es kömmt also darauf an, eine neue Zeit zu schaffen, und zum Schaffen ist das Alter nicht geeignet. In dem meinigen, wo man schon nach halben Jahrhunderten zählt – ist das Vergessen schwer – noch schwerer das Lernen. Ich kann und werde nicht vergessen, daß ich auf der Herrenbank des böhmischen Landtages berufen war, nach Pflicht und Gewissen meine Stimme für das Wohl und Weh das Vaterlandes zu erheben, und um so weniger lernen können, Interessen zu vertreten; ich werde nie vergessen, daß ich ein Landstand des Königreiches Böhmen war, und habe bis jetzt noch nicht gelernt, was ein Kronland eigentlich heißt, welches Wort ich trotz meiner halbjahrhundertlangen Lebenszeit nie gehört oder gelesen hatte; ich werde es nicht dahin bringen, die alten geographischen, politischen, finanziellen Bezeichnungen zu vergessen und die seit dem Antritte des Ministeriums des Freiherrn von Bach eingetretenen politischen Formen gründlich genug zu erlernen, um mich nicht mannigfaltigen Verstößen und Irrungen auszusetzen. Ich werde es nie dahin bringen, die Krone Böhmens nicht als ein kostbares heiliges Juwel, sondern nur[WS 5] als ein historisches, in einer Antiquitäten-Sammlung aufzubewahrendes Curiosum zu betrachten, und glaube daher mit meinen Ansichten, Gefühlen und Ueberzeugungen in den jetzigen Verhältnissen mir eine Stimme in der Berathung der Interessen meiner Herren Committenten nicht anmaßen zu dürfen. Da ich die Verwaltung meines Fideicommisses schon längst meinem Neffen und präsumtiven Erben übertragen habe, so glaube ich ihn um so geeigneter, dessen Interessen zu vertreten, als nach den neuen Grundlagen der Verfassung ja nur Interessen zu vertreten sind, und somit die früheren persönlichen Verpflichtungen und Berechtigungen, welche dem böhmischen Landstand als Persönlichkeit in Beziehung auf die böhmische Krone zustanden, von selbst wegfallen. Außerdem tritt bei mir noch ein Hinderniß ein, das meiner Ueberzeugung und meinem Gewissen nach mich unfähig macht, in der Vertretung Böhmens mich zu betheiligen. Es ist dieses meine durch lange Abwesenheit aus dem Vaterlande entstandene Ungeläufigkeit und unvollkommene Kenntniß der Nationalsprache. Dieser Umstand allein würde meinem Gewissen nach mich abhalten, eine Verpflichtung zu übernehmen, deren Gewicht ich zu hoch würdige, um hoffen zu können, auch mit dem größten Fleiße diesem Mangel genug abhelfen zu können. Wenn man die Mehrzahl seiner Landsleute nur unvollkommen versteht und nur gebrochen ihnen seine Gefühle mittheilen kann, ist man meiner Ansicht nach nicht befähigt, sich ihren Stellvertreter (Abgeordneten) zu nennen. Drum mag man den alten Mann auf den Ruinen sitzen und ruhen lassen! Mag es der Jugend gelingen, einen neuen Bau zu gründen, in welchem uns, deren Wiege zertrümmert ist, wenigstens die Hoffnung auf ein ruhiges, ungestörtes Grab im vaterländischen Boden bleibe.“
V. Laube über den Lanzknecht. Laube als Jagd- und zum Theil Gesinnungsgenosse seit Jahren mit dem „Lanzknecht“ befreundet, war wohl zunächst zu einer Charakteristik des Fürsten berechtigt. Er gab sie auch bald nach dessen Tode. Sie lautet: „Es wird kaum außerhalb Oesterreich ein so eigener politischer Charakter entstehen und sich entwickeln können, wie ihn Fritz Schwarzenberg darstellt. Vielleicht noch in einem der alten Reichsländer am Rhein, in Westphalen, in Oberschwaben, und auch da nicht ganz, weil der Mittelpunct einer lebendigen, großen Monarchie und eines großen Heeres fehlt. Es ist, als ob sich von der Grafen- und Ritterbank des deutschen Reichstages ein Sproß fortgepflanzt hätte in dem heutigen, so grundverschiedenen Boden. Ritterthum, Standesfreiheit und am letzten Ende doch volle Menschlichkeit sind die Grundeigenschaften. Officielle Politiker wissen mit solch’ einem Manne absolut nichts anzufangen, und das Mildeste, was sie von ihm sagen, lautet: Der ist aber curios! In Wahrheit gibt es nichts Curioseres, als seine Gespräche und Debatten mit Felix Schwarzenberg, dem Hauptminister in Oesterreich zu Anfang der Fünfziger-Jahre, dem Cousin Fritz Schwarzenberg’s. Felix focht für nahe Ziele und kannte zur Erreichung derselben nur Ein Mittel: das Fechten. Jeder Knoten, gordisch oder österreichisch, sollte durchhauen werden; Fritz aber sucht lauter organische [70] Lösungen. So wurde der Weg des Einen zu kurz, der Weg des Anderen zu lang. Felix war immer unbekümmert um sein „zu kurz“, Fritz war immer bekümmert um sein „zu lang“ und bezeichnete seufzend sich selbst als einen Politiker für den Poeten. Er empfindet und weiß gründlich, daß seine alte Welt untergeht und daß[WS 6] ein Verbindungsfaden nach dem anderen zerrissen wird, schonungslos zerrissen wird. „Was bleibt mir übrig, als sterben“, sagt er seit Jahren wehmüthig, und er sagt es wahrhaftig. Man irrt sich übrigens ganz in diesem sterbenden Ritter, wenn man in ihm einen Gegensatz sieht zu liberalen Ideen. Er ist voll Liberalismus voll Menschenfreundlichkeit, nur in der Bildungsform weicht er ab von uns. Die Gliederung in Stände ist sein tiefes Bedürfniß, die Gliederung in Nationenkreise hat er als kaiserlicher Oesterreicher so tief in sich eingesogen, daß ihm sein neutralistischer Vetter Felix eine Ungeheuerlichkeit war, und ebensowenig gefällt ihm doch auch die neuerliche gewaltsame Loßreißung der österreichischen Nationen vom Mittelpuncte. Der gedankenarme und sterile Uebergang aus dem deutschen Kaiserthume in ein österreichisches Kaiserthum, der bloße Polizeistaat des Kaiser Franz, ist ihm die Quelle aller Verschwemmung und Auflösung. Weil er denn in die officielle Politik seines Vaterlandes – die Schwarzenberge stammen aus Franken und sind seit Jahrhunderten in Oesterreich einheimisch, vorzugsweise in Böhmen – nirgends paßte, so begnügte er sich mit einer losen Stellung in der Armee, welche ihm immer Gelegenheit bot, Blut und Leben einzusetzen bei schwerer Zeit, und suchte sich übrigens in Europa die Landschaften aus, in welchen für historisches Recht gefochten wurde. Da ging er hin und focht mit Völkerschaften, welche sich gegen das Neue wehrten. Er kam stets mit zerstörten Illusionen zurück, aber nie ohne reichliche Ausbeute für Kenntniß, Verstand und tiefere Einsicht. Das schrieb er nieder auf Papierschnitze!, die er selbst „Fidibus“ nennt und die er an Freunde vertheilt. Mitunter treffliche Gedanken gibt er da zum Verbrennen, und besonders über militärische Dinge ist er überaus lehrreich, da er gesund beobachtet und die historische Entwicklung des Krieges sorgfältig studirt hat. Für den Volkskrieg namentlich ist er eine Fundgrube an Hilfsmitteln, und wenn er seine Kriegsfahrten in Spanien unter den Karlisten beschreibt, da entwickelt er eine seltene Fähigkeit intimer Beobachtung und unverwüstlich guten Herzens. Dem Gegner versagt er nie ein Atom von Gerechtigkeit, und der Bauer, der Unterthan ist immer Gegenstand seiner zärtlichen Theilnahme. Die Naturgeschichte ist ihm die allein wahre Geschichte; daß die politische Geschichte sie so vielfach verleugnet, das ist seine Pein. Ein Mann von mittlerer Größe, mit liebevollen blauen Augen, geht er durch unsere Welt, wie ein fremder Zuschauer. Wie Einer aus anderem Kirchspiele hört er unsere Predigten an und schüttelt dazu achselzuckend das Haupt. Was sagen Sie dazu? – „Nichts. Ich bin eben aus einem anderen Kirchspiele!“ In jahrzehntelangem Verkehre mit einander haben wir dann oft unsere Glaubenssätze der verschiedenen Kirchspiele erörtert und sind dabei oft in den heftigsten Zank gerathen. Nie hat ihm die Güte versagt, die heftigsten Aeußerungen nicht übelzunehmen. „Verschiedene Kirchspiele, ja verschiedene Welten“, rief er lächelnd, wenn wir uns nach solchen Scenen wiedersahen. Ein starkes Gerechtigkeitsgefühl nöthigt ihn zur Nachsicht; er muß nämlich zugestehen, daß ein Staat seines Ideals jetzt unmöglich noch herzustellen ist. Alle Vorderglieder, alle Vorbedingungen sind verloren gegangen. Für den Dichter aber ist Fritz S. eine unerschöpfliche Quelle: er kennt alle Dinge bis an fernste Wurzeln, und ist im Stande, Alles naiv anzusehen, wie ein unverdorbenes Kind. Ein rührendes Kind ist er auch seinem Vater gegenüber, dem berühmten Feldmarschall der Alliirten, welcher die Kriegsvölker alle in der Schlacht bei Leipzig commandirte. Jedes Wort, das über ihn gesprochen, jede Zeile, die über ihn geschrieben worden, sammelt er getreulich auf und den kleinsten Tadel empfindet er bitterlich. Auch hierin zum Dulden bestimmt: denn das große Verdienst jenes commandirenden Feldmarschalls ist nie genügend gewürdigt worden. Jeder Alliirte drängte seine Leute und seine Verdienste vor und jeder sprach lauter und zuversichtlicher, als es dem österreichischen Naturell gegeben ist, von sich selbst zu sprechen. Ohne jenen commandirenden Schwarzenberg wäre es vielleicht nie zu einer alliirten Schlacht bei Leipzig gekommen; für diesen Zusammenhalt bedürfte es eines so mild diplomatischen, so entsagend nachgiebigen, so friedlich guten Kriegsmannes“. Eine Charakteristik, die gewiß Jeder zutreffend findet, der den Lanzknecht kannte.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: begonenen.
  2. Vorlage: vorherschend.
  3. Vorlage: 218.
  4. Vorlage: Anektodisches.
  5. Vorlage: nur.
  6. Vorlage: das