BLKÖ:Clam-Martinitz, Karl Joseph Nepomuk

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 2 (1857), ab Seite: 379. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 104056398, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Clam-Martinitz, Karl Joseph Nepomuk|2|379|}}

Clam-Martinitz, Karl Joseph Nepomuk (Staatsmann und Feldmarschalllieutenant, geb. in Prag 23. Mai 1792, gest. zu Wien 29. Jänner 1840). Trat schon 1809 aus den Rechtsstudien in das Freicorps des Fürsten Kinsky ein. Der Brief, worin er diesen Schritt seinem Vater eröffnete, wurde seines patriotischen Inhaltes wegen in die Zeitungen aufgenommen. Er rückte bald vor, wurde dem FM. Fürsten Schwarzenberg in dem Feldzuge 1812–1814 zugetheilt, brachte die erste Siegesnachricht von Kulm dem Kaiser in das Hauptquartier nach Laun, begleitete später mit dem FML. Koller den Kaiser Napoleon nach der Insel Elba, wurde schon während des Wiener Congresses zu diplomatischen Verhandlungen gezogen und erwarb sich die Gunst der versammelten Monarchen. Als Major schrieb er auch ein Werk über die Dienstpflicht eines Officiers der Cavallerie. Er vermälte sich 1821 mit einer Tochter des Lords Guilford, und hatte, als Oberst eines [380] Kürassier-Reg., zu St. Georgen stationirt, einige wegen Rekrutirung dort entstandene Unruhen beizulegen. Als er 1824 mit einer diplomatischen Mission nach Petersburg geschickt wurde, begleitete er den ihm sehr gewogenen Kaiser Alexander auf der Reise durch einige russische Provinzen; 1826 brachte er dem Kaiser Nikolaus die Glückwünsche des österr. Hofes zu seiner Thronbesteigung, so wie auch früher dem Könige Ludwig von Baiern. Im Dec. 1830 zum Gen.-Major und Hofkriegsrath ernannt, erfüllte er bald darauf, in dem vielbewegten Jahre 1831, wichtige politische Sendungen nach Mailand, Olmütz u. a., und später besorgte er gleiche Aufträge am preußischen Hofe. Im J. 1835, gleich nach der Thronbesteigung des Kaisers Ferdinand ward er zu dessen General-Adjutanten und bald darauf zum Chef der Militärsection im Staatsrathe ernannt, ein Posten, der ihm wenn auch ohne diesen Titel, doch factisch die Macht eines Kriegsministers verlieh. Im J. 1837 zum FML. erhoben, blieb er in seiner früheren Bedienstung. Als Chef des Militärwesens nahm er wesentliche Verbesserungen in der Armee vor; er veranlaßte die elegantere und zweckmäßigere Uniformirung derselben, die Erhöhung der Gage der subalternen Officiere, die Aufhebung der Fähnrichschargen in der Infanterie und die Abschaffung der willkürlichen Anwendung der Stockstreiche. Er suchte durch alle möglichen Mittel die wissenschaftliche Bildung des Officiercorps zu steigern, und principiell an der Unantastbarkeit der Militärehre haltend, wendete er alles an, das Protectionswesen gegen adelige Militärs zu beschränken, nur dem Verdienste seine Rechte bewahrend. Als Schriftsteller hatte sich der Graf einen geachteten Namen erworben. In seinen Schriften bekundet er seltenen Scharfsinn und entwickelt mit wenigen Worten seinen Gegenstand klar u. gediegen. Seine schönsten Aufsätze fallen in die Epoche, als er Oberst und Commandant des Kürassier-Reg. Nr. 4 war. Auch als Obrigkeit beträchtlicher Güter verlor er den Wohlstand seiner Unterthanen nie aus den Augen und suchte diesen trotz seiner vielbeschäftigten Stellung durch strenge Ueberwachung jedes Beamtenunfugs zu steigern. Eine kurze Krankheit raffte den ausgezeichneten Mann in der Blüthe seines Alters dahin. Die Trauer um ihn war allgemein, sein Begräbniß höchst glänzend, 6 Erzherzoge, mehr als 70 Generale und eine unübersehbare Menge von Stabs- und Oberofficieren gab dem Verblichenen das letzte Geleit. Die allgemeine Zeitung in ihrer „Erinnerung an Graf Clam“ schreibt über ihn: „Graf C. war ein ausgezeichneter Diplomat, der auf der Basis einer ausgedehnten Geschichts-, Länder- und Weltkenntniß, die Interessen der Monarchie in ihren geheimsten Ursprüngen und Verzweigungen kennend und überblickend, seinen größten Ruhm darin suchte, die Armee dem Staate immer in ihrer würdevollsten Gestalt zu zeigen; – er war ein vortrefflicher Soldat, von Jugend auf glühend für diesen Stand, durch lange Dienstzeit und vielseitige Verwendung bewandert und erfahren in den kleinsten Details unserer Armee-Administration, begabt mit dem schärfsten und sichersten Urtheil über deren moralische Stützen und von inniger Liebe für seine Waffenbrüder beseelt; – er war ein edler Mensch, ein glücklicher Gatte und Vater, ein warmer, treuer Freund“. – Graf Heinrich Jaroslav (geb. 15. Juni 1826), sein Sohn, ist gegenwärtig das Haupt der Familie und befindet sich als Landes-Präsident für das Krakauer Verwaltungsgebiet derzeit (1857, Juni) zu Krakau.

Zeitung für den deutschen Adel 1840, Nr. 20, 21. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar 1842, Voigt, 8°.), XVIII. Jahrgang, 1840, {{Seite|}381} I. Thl. S. 153. – Beilage zur Leipziger allgem. Zeitung 1840, Nr. 42. – Allgem. Theaterzeitung von Ad. Bäuerle (Wien 1840) XXXIII. Jahrg. Nr. 33: „Nekrolog“ von Schulheim. – Beilage zur Allgemeinen Zeitung 1841, 15. Februar, Nr. 46. – Wiener Zuschauer 1841, vom 29. Jänner. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) IV. Bd. S. 223. – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1832, Brockhaus, 8°.) I. Bd. S. 446. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für gebildete Stände (Hildburghausen 1852, Bibl. Inst., Lex. 8°.) VII. Bd. 2. Abtheil. S. 794. – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de Mr. le Dr. Hoffer (Paris 1853) X. Bd. Sp. 645. – Porträt. Unterschrift: Carl Graf zu Clam-Martinitz, k. k. geh. Rath u. s. w. C. Nauman cop. I. Krepp sculps. Viennae.