BLKÖ:Schwarzenberg, Karl Borromäus Philipp Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 33 (1877), ab Seite: 88. (Quelle)
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Schwarzenberg, Karl Borromäus Philipp Fürst (k. k. Feldzeugmeister und Ritter des goldenen Vließes, geb. in Wien 21. Jänner 1802, gest. zu Wien 25. Juni 1858). Ein Sohn des Feldmarschalls Karl Philipp von Sch., aus dessen Ehe mit Maria Anna geborenen Gräfin von Hohenfeld, verwitweten Fürstin Eßterházy. Nachdem der Fürst eine sorgfältige Erziehung erhalten, trat er Mitte Februar 1821, damals 19 Jahre alt, als Cadet in das k. k. Infanterie-Regiment Graf Colloredo-Mannsfeld Nr. 33, in welchem er stufenweise vorrückte, und dann am 17. April 1834, also bereits im Alter von 32 Jahren, Oberst und Commandant des Infanterie-Regiments Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 wurde. Die Uebernahme seines Regiments-Commando’s ist so interessant, daß sie der Vergessenheit entzogen zu werden verdient. Er ließ, als er das Commando antrat, seine Deutschmeister im Kasernenhofe versammeln und hielt an dieselben ungefähr folgende Anrede: „Meine lieben Kinder, ich bin nun Euer Oberst und werde Euch wie ein guter Vater behandeln. Ihr wisset, ich bin ein Wiener, Ihr seid ebenfalls Wiener, und so rechne ich denn doppelt darauf, daß Ihr mir schon, weil ich Euer Landsmann bin, Ehre und Freude bereiten werdet. Heute seid Ihr alle meine Gäste. Die Tische für Euch werden[WS 1] im Kasernenhofe gedeckt, wir wollen den heutigen Tag fröhlich begehen und ich werde das erste Glas auf das Wohl [89] meines Regimentes leeren und zwar an der Tafel die ich Euren wackeren Officieren gebe.“ Entzückt über die Huld ihres Obersten riefen die Soldaten: „Es lebe Fürst Schwarzenberg!“ Als die Tische im Kasernenhofe gedeckt waren und die Mannschaft sich um diese gereiht hatte, trat der Oberst auf den Gang seiner Wohnung, und betrachtete seine Hoch- und Deutschmeister bei der Mahlzeit. Er hatte ein volles Glas in der Hand und brachte folgenden Toast aus: „Auf das Wohl meines braven Regiments, das sich, so lange es besteht, stets durch Tapferkeit und Liebe zum Vaterlande auszeichnete! Es lebe mein braves Regiment! Die tapfern Hoch- und Deutschmeister!“ – Die Soldaten, erschienen von diesem Toaste wie inspirirt. Sie ergriffen ihre Gläser. – Sie waren von der Liebe ihres Obersten so gerührt, daß ihnen die Augen naß wurden. – „Es lebe Fürst Schwarzenberg!“ jubelten sie. „Fürst Karl Schwarzenberg!“ wiederholten sie. „Er lebe hoch! er lebe ewig hoch! Hoch Fürst Schwarzenberg!“ – Der Oberst dankte ihnen herzlich und verfügte sich hierauf in sein Zimmer, um an der Tafel, welche für seine Officiere bestimmt war, Theil zu nehmen. Allein das Regiment Hoch- und Deutschmeister wollte seinen Obersten noch einmal sehen, es wollte noch einmal auf sein Wohl trinken. Es rief nicht, es brüllte: „Es lebe Fürst Schwarzenberg!“ Der Fürst erschien wieder, dankte und zog sich zurück. Allein seine Braven fanden kein Ende. Immer wieder schrien sie: „Es lebe Fürst Schwarzenberg!“ so daß es endlich dem vortrefflichen Manne zu viel wurde. „Kinder!“ rief er ihnen zu: „Endlich haltet Ruhe! eßt, trinkt, seid heiter, stört aber weder mich noch Euere Officiere ferner bei unserem Mahle!“ – „Es lebe Fürst Schwarzenberg!“ hallte, es im Kasernenhofe wieder. – „Zum letzten Male!“ fuhr der Oberst unwillig auf. „Wenn von nun an noch Einer in diesen Ruf ausbricht, so lasse ich diesem, so leid es mir auch thun würde, fünf und zwanzig zumessen! Merkt Euch dieß.“ – Ein Soldat trat vor. „Euer Durchlaucht,“ sagte er, indem er militärisch salutirte, „ich bin ein Hoch- und Deutschmeister, liebe und verehre meinen Oberst und kann dieß nicht besser beweisen, als daß ich gern fünfzig, ja hundert Stockprügel aushalte, wenn ich nur noch einmal ausrufen darf: „Es lebe Fürst Schwarzenberg!“ Alle Deutschmeister stimmten mit ein. – Jetzt erst fand die freudige Aufregung ein Ende. – Siebenthalb Jahre commandirte der Fürst sein Regiment, bis er am 12. October 1840 zum Generalmajor und Brigadier in Brünn ernannt wurde, 1842 kam er in gleicher Eigenschaft nach Prag und wurde im Jahre 1847 Inhaber des damals vacanten Infanterie-Regimentes Hessen-Homburg Nr. 19. Der Fürst war noch nicht zum Feldmarschall-Lieutenant vorgerückt, als er zu Anfang Jänner 1848 die Weisung erhielt, das erledigte Divisions-Commando in Brescia zu übernehmen. Die Ernennung zu jener Charge erfolgte am 7. Februar 1848. Nur wenige Wochen und der unheilvolle Aufstand kam zum Ausbruche. Aber diese Zeit genügte, um den hellsehenden Fürsten bereit zu finden. In Brescia waren 3 Bataillone Infanterie, 2 Schwadronen Reiterei und 1 Sechspfünder-Batterie stationirt. Die Gefahr ahnend, befahl der Fürst bei Zeiten die Wegräumung der im Arsenale aufgeschichteten bedeutenden Waffenvorräthe, sorgte für die Verproviantirung des die Stadt dominirenden Castells und traf seine Maßregeln zur augenblicklichen [90] Verwendung der Truppen. Schon am 18. März fielen in der Stadt Unruhen vor, und es organisirte sich ohne Genehmigung des Fürsten eine Nationalgarde, welche in Folge der Wiener Ereignisse in’s Leben trat. Da dieß auf Weisung der damaligen Regierungsorgane erfolgt war, so vermochte der Fürst dieß nicht zu hindern, was natürlich zu weiteren Folgen führte. Als die Gährung bedeutend zugenommen hatte, verlegte er am 20. Morgens sein Hauptquartier in die Kaserne St. Giulia, und als er Tags darauf die ersten verläßlichen Nachrichten über die Vorfälle in Mailand und den drohenden Charakter des Aufstandes vernahm, faßte er den kühnen Entschluß, mit seinen Truppen dem Feldmarschall Grafen Radetzky entgegenzurücken, was allerdings schwieriger und gefährlicher war, als die Behauptung Brescia’s, wozu er sich vorbereitet hatte. Gewagt war dieses Vorhaben deßhalb, weil der Fürst auf dem Marsche nach Mailand durch ein breites insurgirtes Land allen Chancen eines nachtheiligen Kampfes ausgesetzt blieb, während die näher gelegenen Städte Verona, Mantua oder Peschiera ohne Gefahr zu erreichen gewesen wären. Indessen blieb er dabei und führte den Plan auch glücklich durch. Es war am 22. um die zehnte Vormittagsstunde, als der Fürst das Signal zur Raillirung gab. Er selbst ritt dem Bataillon Graf Haugwitz entgegen, welches sich längs den Basteien mit den anderen Truppen vereinigen sollte. Hauptmann Hoser dieses Bataillons erschien mit 41/2 Compagnien; der Rest aber war der Fahne treulos geworden, und hielt den Bataillons-Commandanten Major Graf Wimpffen gefangen. Hier galt ein rascher Entschluß, sollte die Nachahmung dieses bösen Beispiels verhindert werden. Fürst Schwarzenberg ergriff die Fahne des Bataillons und rief den treugebliebenen Soldaten zu: „Kennt Ihr den Adler, den ich Euch zeige? dem Ihr geschworen habt, zu vertheidigen und niemals zu verlassen? Wollt Ihr ausharren als brave Soldaten bei ihm und mit uns? Wollt Ihr treu bleiben dem Kaiser, den man verläumdet? Wollt Ihr bewahren den guten Namen des Regimentes, dem Ihr angehört? Wer nicht mit uns will, möge austreten, und ohne Furcht gehen – er ist frei!“ – Tiefe Stille folgte, regungslos standen die Braven. „Wie, ist keiner unter Euch, der austreten will?“ „Nein, nein! wir bleiben Alle, wir wollen als ehrliebende Soldaten leben oder sterben“ war die Antwort der treuen Italiener, die im Laufe des Feldzuges ihr Versprechen rühmlich gehalten und gelöst hatten. – Bald nach Beginn des Kampfes wurden drei Soldaten des Infanterie-Regiments Erzherzog Albrecht von einem Bauern den Freischaaren in die Hände geführt, welche kurz vorher einen kaiserlichen Posten bei der Pulvermühle zwischen Cavalcaselle und Castelnuovo überrascht und aufgehoben hatten. Die Mannschaft dieses Postens – von einem einheimischen Regimente – trat sofort zum Feinde über. Jene drei Soldaten sollten auch dazu verleitet werden. Allein sie wußten zu entkommen und suchten wieder die Fahne auf, der sie Treue zugeschworen hatten. Als ihnen Feldmarschall-Lieutenant Fürst Karl zu Schwarzenberg später begegnete, unterhielt er sich mit den braven Leuten, belobte sie und wollte ihnen ein Goldstück schenken. „Geben Sie mir Ihre Hand, die ziehe ich allem Gold der Erde vor. Dem Kaiser habe ich den Eid geschworen und werde ihn unter allen Umständen halten,“ entgegnete ihm der Gemeine [91] Johann Locati, indem er das Geschenk ablehnte. Tief gerührt von dieser Treue, beeilte sich der Fürst, den Vorgang dem Feldmarschall zu berichten, der den schonen Zug durch einen besonderen Tagesbefehl der ganzen Armee bekannt machen ließ. Diese Züge sind für die Persönlichkeit des Fürsten zu bezeichnend, um sie zu verschweigen. Unter den nöthigen Vorsichtsmaßregeln und mit Zurücklassung einer Besatzung von 2 Compagnien des Infanterie-Regiments Prinz Hohenlohe Nr. 17 in Castellamare trat der Fürst seinen Marsch gegen Orzinovi an, rückte am 24. März in Crema ein, wo er sich mit der im Rückzuge befindlichen Armee des Feldmarschalls Grafen Radetzky vereinigte. Fürst Schwarzenberg befehligte hierauf eine Division bei dem 1. Armeecorps, fand in der Schlacht bei St. Lucia Gelegenheit zur Auszeichnung, wurde jedoch auch von einer Gewehrkugel leicht verwundet. In dieser, sowie in allen folgenden Relationen des Feldmarschalls Grafen Radetzky finden wir den Fürsten nach jedem Kampfe unter den Ausgezeichneten genannt, was auch die Verleihung des Militär-Verdienstkreuzes und des päpstlichen Pius-Ordens zur Folge hatte. Im Jahre 1849 befehligte Fürst Schwarzenberg eine Division beim 1. Reserve-Armee-Corps. Mit ah. Entschließung vom 20. Juni 1849 zum Truppen-Commandanten des Observations-Corps in Vorarlberg ernannt, kam Fürst Schwarzenberg den 16. October d. J. als Statthalter und Civil- und Militär-Gouverneur nach Mailand, bei welcher Gelegenheit ihm auch die k. k. geheime Rathswürde verliehen wurde. Dieses seines Postens, bei welchem ihm auf seinen Wunsch sein Bruder Friedrich (der Lanzknecht) zugetheilt gewesen, enthoben, erhielt er am 18. December 1850 das Commando des 10. Armeecorps, bis er am 29. April des darauf folgenden Jahres zum Civil- und Militär-Gouverneur von Siebenbürgen ernannt wurde. In Würdigung seiner Verdienste wurde ihm damals, 16. December 1852, der Orden des goldenen Vließes verliehen. Von regem Diensteifer und echtem militärischen Geiste beseelt, ließ sich der Fürst vor allem das Wohl des Landes angelegen sein, welches sein kaiserlicher Herr ihm anvertraut hatte, und er wußte mit der Strenge des Dienstes jene Formen von Humanität zu verbinden, welche ihm die Liebe und Hochachtung der gesammten Bevölkerung sicherten, sowie er auch durch seine würdevolle äußere Haltung und sein wohlwollendes liebevolles Benehmen die Herzen Aller gewonnen hatte, die mit ihm in nähere Berührung gekommen sind. Unter seiner ebenso kräftig durchgreifenden als umsichtig vermittelnden Verwaltung ist das Land aus den Nachwehen des unheilvollen Umsturzes in die feste Bahn der Ordnung und Gesetzlichkeiten gehoben und in den neu belebenden Organismus des einheitlichen Staatsverbandes, aus dessen Wechselwirkung Glück und Segen auf das Land zurückströmt, eingegliedert worden. Vieles ist unter dem Fürsten geschehen: die Verwaltung wurde geordnet, die Gesetzgebung für Alle gleich geregelt, der Grund und Boden entlastet, die Straßen wurden von Grund aus hergestellt, neue Verkehrswege und früher nie gekannte Verkehrsmittel nach allen Seiten hin geschaffen, Schulen und Bildungsstätten, aus Staatsmitteln vermehrt und sonst gefördert, Anstalten für die leidende Menschheit theils erweitert, theils neu errichtet; gemeinnützige Vereine für Landwirthschaft und zur Förderung wissenschaftlicher Bestrebungen wirkten in verjüngter Thätigkeit, die Bevölkerung [92] so verschieden nach Sprache und Abstammung, in versöhnlicher Ruhe und, was der schönste Ruhm des Landes ist, die Kirchen so vieler Bekenntnisse in christlichem Frieden, wurden jede gleichmäßig in ihrem Rechte geschützt, nicht eine vor den andern bevorzugt, alle als Pflanzstätten des göttlichen Reiches auf Erden mit gleicher Gerechtigkeit unterstützt und geachtet, wie es die Gesetze des Landes erheischen und des Kaisers Wille gebietet. Freilich ist auch dieses segensvolle Werk des Fürsten bei den veränderten politischen Verhältnissen, bei dem terroristischen Vorgehen der Magyaronen nicht viel mehr als ein Schöpfen mit dem Siebe gewesen und die Zeit der Verwaltung des Fürsten wird wie ein goldenes Zeitalter, nur mehr wie eine Mythe erscheinen. Bis zum Jahre 1858 blieb der Fürst im Lande, welches er um Heilung von einem Leiden, das ihn in den letzten Jahren befiel, unter der tief empfundenen Theilnahme der gesammten Bevölkerung am 6. April g. J. verließ. Er sollte es nicht wiedersehen. In Wien consultirte der Fürst den berühmten Dr. Oppolzer, der zu directer Reise nach Karlsbad rieth. Aber schon nach einiger Zeit mußte der weitere Gebrauch der Karlsbader Thermen aufgegeben werden und der Fürst kehrte nach Wien zurück, wo es sich bald herausstellte, daß des Fürsten Tage gezählt waren. Am 22. Juni erhielt der Fürst noch den Besuch seines Monarchen, drei Tage später, am 25. Juni Nachmittags 23/4 Uhr hatte er aufgehört zu leben. Am folgenden Tage richteten Se. Maj. der Kaiser von Laxenburg aus an die Fürstin-Witwe das folgende Handschreiben, worin im Lapidarstyle Alles gesagt ist. Es lautet: „Mit tiefem Schmerze erfüllt mich die Nachricht von dem Hinscheiden Ihres Gatten, seines berühmten Namens würdigen Trägers im Kriege wie im Frieden. Die herzlichste Theilnahme, welche ich Ihrem unersetzlichen Verluste widme, wird im Angedenken des Adels seiner Seele von meiner Armee ebenso wie von den Bewohnern jenes Landes getheilt werden, in welchem er durch eine Reihe von Jahren mit Hintansetzung aller persönlichen Interessen segensreich gewirkt hat. Möge die Anerkennung seiner Verdienste um Mich und das Vaterland dazu beitragen, Ihren gerechten Schmerz in Etwas zu lindern. Franz Joseph m. p.“ Im Lande selbst war die Theilnahme über des Fürsten Ableben die tiefste. Hermannstadt und mit ihr viele Städte und Ortschaften sandten an die Fürstin-Witwe Beileidsschreiben, in einem von Samuel Freiherrn von Josika verfaßten, von mehr als hundert siebenbürgischen Magnaten unterzeichneten, worunter wir die Namen Kemény, Miko, Bánffi, Wesselényi, Eßterházy, Bethlen u. A. finden, heißt es in wörtlicher Uebersetzung: „Rückhaltslos, freimüthig in seinem Umgange, lernte er die Bewohner des Landes, ihre Bedürfnisse, Wünsche und die Möglichkeit der Abhilfe kennen – wie noch Keiner vor ihm. In der Selbstüberzeugung dessen, näherte sich ihm Jedermann mit jenem vollkommenen Vertrauen, welches nur seine Herzensgüte wecken konnte, und Derjenige, der seine Erwartungen nicht erfüllt sah, schied mit der Ueberzeugung von ihm, daß seines Wohlwollens Streben allein in der unabwendbaren Strenge der Verhältnisse eine Beschränkung gefunden habe. Er hatte das Land lieb gewonnen, das ihm zum herrlichen Schauplatze der wahren Thätigkeit für die Menschheit geworden, und das deßhalb dem Lebenden die wärmste Anhänglichkeit [93] zollte, nunmehr aber um den frühzeitig Verblichenen mit dem vollkommensten Bekenntnisse seines Verlustes trauert.“ – Der griechisch-orientalische Bischof Freiherr von Schaguna ließ dem Verblichenen in seinem bischöflichen Parke ein schönes Denkmal, von Erz, einen schlafenden Löwen, aufstellen. Seiner äußeren Erscheinung nach war der Fürst von hoher Statur, starkem Körperbaue, doch edlen Formen, die in früheren Jahren so geschmeidig erschienen, daß er unter dem Namen „der schöne Karl“ bekannt war. Sein Gang war rasch, sein Auftreten fest, seine Haltung streng militärisch, doch gepaart von einer Hoheit, die in ihm sofort den Aristokraten der edelsten Art erkennen ließ. Sein Benehmen war immer fein, aber auch voll Würde. Seine hohe Stirne verrieth den Fürsten, seine Miene war in der Regel ernst, nur selten überflog ein leichtes Lächeln das wettergebräunte Antlitz, denn der Fürst war ein guter und leidenschaftlicher Jäger. Im Ganzen war seine durch und durch fürstliche Erscheinung auf den ersten Blick gewinnend, und aus seinem männlich schönen Gesichte sprach ein offenes Wesen, sein seelenvoller Blick wirkte anziehend und fesselnd. Im Umgange wortkarg, war er doch freundlich und zuvorkommend, in seinem häufigen Verkehre mit dem Landvolke äußerst herablassend, ja sogar patriarchalisch. Ueberall verrieth sich der Mann von Gefühl, der sich offenbar Gewalt anthun mußte, wenn er in die Zwangslage gerieth, es beherrschen zu müssen. Im Genusse mäßig – er trank nie Wein und überhaupt keine Spirituosa, das Wasser hieß an seiner Tafel „Schwarzenberg-Wein“ – führte er einen fürstlichen Haushalt. In den Stallungen standen außer den herrlichen Reitpferden immer zwei elegante Postzüge, täglich hatte er sechs Gäste an seiner Tafel, wöchentlich war zweimal große Tafel beim Fürsten. Die Dienerschaft war zahlreich und sah glänzend aus. Seine Jagd- und Rauchrequisiten waren ihrer Kostbarkeit wegen sehenswürdig. Der Fürst hatte sehr jung, 21 Jahre alt, geheirathet, er war nämlich seit 26. Juli 1823 mit Josephine Graf Wratislaw-Mitrowitz (geb. 16. April 1802), also fast so alt wie er selbst, vermält. Aus dieser Ehe stammt Fürst Karl, der gegenwärtige Chef des zweiten Majorates [d. S. 94].

Grimm (Jos. Ritter v.), „Karl Fürst zu Schwarzenberg“, Gouverneur von Siebenbürgen. Ein Denkblatt (Wien, Druck und Verlag von Friedrich Förster und Brüder, 1861, 4°., mit Bildniß des Fürsten und mehreren Ansichten), [Die Familie Schwarzenberg verehrte dem Verfasser dieser Lebensskizze einen kunstvoll gearbeiteten silbernen Pokals der mit einem Schreiben des Seniors der Familie Fürst Friedrich (Lanzknecht) an den Adressaten gelangte.] – Hirtenfeld, Militär-Zeitung 1858, Nr. 46, S. 357 u. Nr. 47, S. 361. – Neuigkeiten (Brünner polit. Blatt) 1858, Nr. 151: „Der schöne Karl“. – Prager Zeitung 1858, Nr. 158; „Zur Charakteristik des Fürsten Karl von Schwarzenberg“. Eine historische Silhouette. – Preßburger Zeitung 1858, Nr. 154, im Feuilleton. – Der Satellit (Kronstadt, 4°.) XVIII. Jahrg. (1857), Nr. 8. „Ein hochherziger Act des Fürsten Karl von Schwarzenberg“. – Transsilvania. Beiblatt zum Siebenbürger Boten (Hermannstadt, gr. 4°.) 18358, Nr. 27. – Wiener Jagdzeitung 1858, Nr. 12. – Porträte. 1) Ganze Figur ohne Angabe des Zeichners und Lithographen, In Uniform mit Schärpe und Degen. Mit verschränkten Armen (Fol.). – 2) Lithogr. von Haala. Gedr. bei J. Rauh. Der Fürst zu Pferde, Revue abhaltend (Fol.). 3) Unterschrift: Facsimile des Namenszuges: Karl Fürst Schwarzenberg. Phot. und lith. von Katzler. Gedr. bei Jos. Stoufs, Wien, (4°.).
Medaille. Avers: Brustbild. Am Arme: Dem. Canzani F.(ecit). Umschrift: CAROLUS SCHWARZENBERGIUS PRINCEPS [94] SERENISSIMUS. Revers: Mars mit dem Schwerte und Oelzweige, steht an einem Altare, an welchem eine Fahne lehnt, auf deren Fahnenbande den kaiserlichen Wahlspruch Viribus unitis. Im Hintergrunde Mailand. Im Abschnitt: Dem. Canzani f. 1850. Umschrift. MAGISTER. UTRIUSQ.(ue) MILITIAE. LEGATUS. PRAESIDIS. PROVINCIAR.(um) LONGOBARD.(iae et) VENET.(iae).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: wer-.