BLKÖ:Schwarzenberg, Joseph Johann Nepomuk Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 33 (1877), ab Seite: 86. (Quelle)
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Schwarzenberg, Joseph Johann Nepomuk Fürst (Ritter des goldenen Vließes, geb. zu Wien 27. Juni 1769, gest. zu Frauenberg 19. December 1833). Der älteste Sohn des Fürsten Johann Nepomuk [s. d. S. 82], aus dessen Ehe mit Maria Eleonora Gräfin Oettingen-Wallerstein und Bruder des Siegers bei Leipzig Karl Philipp, des Bischofs von Raab Ernst und Gemal Paulinen’s, des Opfers der Mutterliebe auf dem zu Ehren der Vermälung Napoleon’s mit Maria Louise veranstalteten Festballe. Als Fürst Joseph 1789 das Erbe übernahm, war er 20 Jahre alt. Als Regent seines Hauses und Gebieter über einen so mächtigen Besitz wird er der Fortsetzer der Bemühungen seines Vaters, der Vollender der von ihm begonnenen Unternehmungen. Persönlich leitete er die Güterverwaltung im Großen und Ganzen, cultivirt, baut, pflanzt und verschönert die Wildniß der Urwälder weicht den Schlägen der Axt, neues, urbar gemachtes Land, neue Culturen, dem Nutzen der Menschheit, dem Vortheile des Staates, eröffnend. Der Garten seines Palastes am Rennwege in Wien, der Park des 1801 laut Testament vom Feldmarschall Lacy ererbten Neu-Waldegg bei Wien, beide dem Besuche des Publicums freigegeben, boten ersterer überdieß durch die jährlichen Blumenausstellungen neue Naturgenüsse der lieblichsten und erquickendsten Art. Den von seinem Vater in Angriff genommenen Schwarzenbergischen Holzschwemmcanal, im südlichen [87] Böhmen in einer Länge von über 36.000 Klaftern, mit einem Aufwande von mehreren Millionen Gulden errichtet, hatte der Fürst ausgebaut, auf diese Art die bis dahin verschlossenen Urwaldungen des Böhmerwald-Gebietes für den allgemeinen Holzbedarf zugänglich gemacht. Schon unter der Kaiserin Maria Theresia wurde die Commerzialbank in’s Leben gerufen, welche es sich zur Aufgabe machte, durch Geldvorschüsse auf Leihpfänder zu billigen Zinsen dem Fabriks- und Handelsstande hilfreich unter die Arme zu greifen. Bei derselben, die in kritischen Zeiten so wichtige Dienste geleistet, stand der Fürst bis zu ihrem Erlöschen im Jahre 1812 in der Reihe der Actionäre und Hauptdirectoren, große Summen die dabei verloren gingen, zum Opfer bringend, obenan. Als Kaiser Franz von den musterhaften Armenanstalten in Hamburg Kunde erhielt, wollte er das Wiener Armenwesen darnach regeln, berief den dänischen Etatsrath Vogt nach Wien, bildete eine Hof-Commission ausschließlich zu diesem Zwecke, an deren Spitze er den Fürsten Schwarzenberg stellte. Diese Commission arbeitete die Vorlage aus, nach welchem das Wiener Armenwesen geregelt werden sollte. Bis zur Auflösung derselben im Jahre 1816, worauf die Verwaltung des Armenwesens an die öffentlichen Behörden überging, führte der Fürst das Präsidium, es war dieß in der bedrängnißvollsten Zeit von 1803–1816[WS 1], als mit kurzen Unterbrechungen ein sich immer erneuernder Weltkrieg jeden Aufschwung des Handels und der Gewerbe darnieder hielt und die Armuth immer drohender ihre Knochenarme ausstreckte. Die Leistungen der Anstalt bleiben unvergeßlich. Auch das Militär erhielt durch die patriotische Mitwirkung des Fürsten eine großartige Wohlthätigkeitsstiftung für die Invaliden, denn als im Jahre 1814 der Gedanke angeregt wurde, das Andenken der glücklichen Rückkehr des Kaisers Franz durch ein Denkmal des vaterländischen Gemeingeistes zu verewigen und den feierlichen Einzug in die Reichshauptstadt zu verherrlichen, trat der Fürst an die Spitze eines Vereins zur Gründung eines bleibenden Unterstützungsfondes für die k. k. Invaliden, welcher einen so günstigen Erfolg hatte, daß seit 1819 außer mehreren zeitweiligen Spenden jährlich am 16. Juni stetige Stiftungsbeiträge an Invaliden-Officiere und Mannschaft vertheilt werden können. Als das Nothjahr 1817, in welchem insbesondere in der Hauptstadt die Bedrängniß die bedrohlichsten Dimensionen annahm, eine dringende Hilfe heischte, übernahm wieder der Fürst das Präsidium des damals entstandenen Central-Unterstützungsvereines. Unter seiner Oberaufsicht fand die Verwendung der von Wohlthätern gespendeten reichlichen Gaben Statt. Obenan steht auch des Fürsten Name bei einer noch heute bestehenden Anstalt, deren Protectorat der Fürst gleichfalls angenommen und es nicht blos dem Namen nach, sondern in aller Wirklichkeit ausgeübt hatte. Es ist das im Jahre 1823 durch den Zusammentritt von etwa 300 Gründern gebildete Wiener Pensions-Institut für Witwen und Waisen, welchem er nicht nur in seinem Palaste auf dem Wiener Neuen-Markt ein unentgeltliches Kanzleilocale eingeräumt hatte, sondern dessen jährliche Instituts-Versammlungen und monatliche Ausschußsitzungen er zum gedeihlichen Fortkommen des Instituts in Person leitete. Die politische Katastrophe der Jahre 1805 und 1806 hatte auch dem Fürsten, der dem Rheinbunde nicht beigetreten war, die Landeshoheit [88] über Schwarzenberg und Kleggau gekostet, und noch manche andere Schmälerung der Rechte der mediasirten Fürsten im Gefolge gehabt. Das Unglücksjahr 1809 hatte sogar eine Confiscation und Sequestration der fürstlichen Güter im Reiche gebracht. Durch solche Maßregeln ward dem Fürsten der Besitz der außerösterreichischen Besitzungen derart verleidet, daß er kurz vor seinem Tode die Herrschaften Illereichen und Kellmünz wieder verkaufte. Ein eigentliches Hof- und Staatsamt – es wäre denn seit 1808 die Würde eines Vließ-Ritters – bekleidete der Fürst nicht; aber einigen außerordentlichen Sendungen hatte er sich unterzogen; so ging er 1786 als kurböhmischer Wahlbotschafter nach Frankfurt; von dort, um die Krönung zu notificiren, an die Höfe von Parma, Modena und nach Rom; im Jahre 1816 begab sich der Fürst als Großbotschafter und und Brautwerber des Kaisers Franz an den Münchener Hof, bei welcher Gelegenheit ihm das Großkreuz des St. Stephans- und des bayer. Hubertus-Ordens verliehen wurden. Seit 1804 bereits war der Fürst geheimer Rath. Im Mai 1794 knüpfte der Fürst auf dem herzoglich Arenbergischen Lustschlosse Heverlé in den Niederlanden die Ehe mit Pauline Karolina Iris Prinzessin von Arenberg-Archot, welche durch des Eingangs erwähnte erschütternde Ereigniß zerrissen wurde. 23 Jahre überlebte der Fürst die Gattin, die ihm außer sechs Töchtern, von denen fünf [siehe in der II. Stammtafel] in die Fürstenhäuser Windisch-Grätz, Schönburg-Waldenburg, Bretzenheim und Lobkowitz geheirathet hatten, drei Söhne, den als Muster der Landwirthe berühmten Chef des Hauses Johann Adolph [S. 78], den unvergeßlichen Ministerpräsidenten Felix [S. 41] und den noch lebenden Cardinal Friedrich [S. 71] geboren hatte.

Vaterländische Blätter (Wien, 4°.) 1820, Nr. 43 – „Biographie nouvelle de Contemporains[WS 2] etc. Par. M. M. V. Arnault, A. Jay etc. Tom. XIX, p. 84“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1016.
  2. Vorlage: Comtemporains.