BLKÖ:Schwarzenberg, Pauline Fürstin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 33 (1877), ab Seite: 118. (Quelle)
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Schwarzenberg, Pauline Fürstin (Sternkreuzordensdame, geb. 2. September 1774, verbrannt in Paris auf dem Ballfeste am 1. Juli 1810[WS 1]). Die Fürstin mit ihrem ganzen Namen Pauline Karoline Iris, ist eine Tochter Ludwig Engelbert’s Herzogs von Arenberg und Louise Antoniens de Brancas-Villars Gräfin von Lauragais. Sie erhielt im Elternhause die sorgfältigste Erziehung, in welcher auch die Kunst, siehe weiter unten, mit inbegriffen war. Im Jahre 1794, am 25. Mai, wurde sie dem Fürsten Joseph Johann Nepomuk, Chef des Hauses und Besitzer des ersten Majorates des Fürstenhauses von Schwarzenberg vermält. Der Bruder ihres Gemals ist der nachherige Sieger bei Leipzig Fürst Karl Philipp. Dieser befand sich 1810 als Botschafter am kaiserlichen Hofe zu Paris und gab zu Ehren der Vermälung des Kaisers Napoleon mit Maria Louise, Tochter des Kaisers Franz, in seinem Gesandtschaftshotel ein prachtvolles Ballfest, dem auch Fürstin Pauline mit ihrem Gemal beiwohnte. In der damaligen Rue de Montblanc (Chaussée de Antin), im alten Hotel Montesson, wo der Fürst Karl Philipp wohnte, hatte derselbe, da die Räumlichkeiten des Hotels für das großartige Fest nicht ausreichten, einen großen Ballsaal nebst Gallerie aus Holz, eigens für das Fest herstellen lassen. Alle damals in Paris anwesenden königlichen und fürstlichen Personen, und weit über 1000 Gäste, den höchsten Kreisen der Gesellschaft angehörig, wohnten dem Feste bei, auf welchem der Kaiser Napoleon selbst in Person erschienen war. Da brach, so zu sagen im Momente, als das Fest auf seinem Höhepuncte stand, und alle Blicke auf den Imperator gerichtet waren, neben dem dessen Gattin Maria [119] Louise stand – der eiserne Schlachtengott, der eine auf seiner Bahn aufgeblühte Rose erblickt, gepflückt und an seine Brust gesteckt, wie ein Poet sich ausdrückte – das Feuer aus. Von einem durch den Wind stärker bewegten Flämmchen der Tausend und Tausende, welche den Saal taghell erleuchteten, war die leichte Gaze, womit die Gallerien bekleidet waren, entzündet worden und mit reißender Schnelligkeit pflanzte sich bei dem außen rasenden Sturme die Flamme weiter. Die Beschreibung des Brandes, so oft und so ausführlich gegeben, kann hier übergangen werden. Die Verwirrung war eine gräßliche. Während das Feuer den Saal ergriff, sah Fürstin Pauline ihre zweitälteste, damals kaum 13jährige Tochter, gleichfalls Pauline, nachmalige Fürstin Heinrich Eduard von Schönburg-Waldenburg, in den Reihen der Tanzenden. Rasch eilte sie auf die Tochter hin, führte sie unerschrocken durch Rauch und Flammen, hat fast den nahen Ausgang nach dem Garten schon erreicht, als ein zwischen Mutter und Tochter herabstürzender Balken Beide trennte. Die Fürstin, als sie ihre Tochter nicht mehr neben sich erblickt, stürzt in den Ballsaal zurück, ihre Tochter zu suchen. Nur ihren Namen rufend, die umdräuende Gefahr nicht achtend, irrt sie zwischen den Flammen umher. Lebend ward sie nicht mehr gesehen. Erst am folgenden Tage fand man unter verkohlten Balken, zersprungenen Mauersteinen, Scherben und Geräth, Resten der gestrigen Pracht, einen halb verbrannten, furchtbar bis zur Unkenntlichkeit entstellten Leichnam, in welchem an einem Paar Ringe und dem Halsbande mit Namenszügen und Locken ihrer Kinder in krystallener Kapsel die Fürstin Pauline festgestellt wurde. Ein herabstürzender Armleuchter, der in ihrer unmittelbaren Nähe gefunden wurde, hatte sie wohl im Falle erschlagen. Das Kind war gerettet worden. An 60 Personen, darunter besonders Damen, waren mehr oder weniger schwer verwundet und verbrannt. Bemerkenswerth ist, was ein Ballgast in seinem Buche: „Vierzig Jahre aus dem Leben eines Todten“ (Tübingen, Osiander’sche Buchhdlg.), der dem Feste beigewohnt, schreibt. „Was man auch sagen mag“, berichtet dieser, „so habe ich die Ueberzeugung, daß dieses Feuer geflissentlich angezündet wurde, denn nur zu deutlich nahm ich wahr, daß die Flammen an drei bis vier Orten zugleich emporschlugen und zwar an ganz entgegensetzten Winkeln, und es war sehr leicht die Draperien an einer oder der anderen Stelle unbemerkt anzuzünden, während Jedermann seine Augen auf die zuerst auflodernde Flamme gerichtet hatte. Eine Verschwörung war es nicht, aber ich habe die moralische Ueberzeugung und wollte darauf schwören, daß der Vorfall dem Haß gegen Maria Louise und gegen diese Heirath seinen Ursprung zu verdanken hatte. Diese Meinung, welche Viele mit mir theilten, ließ man natürlich nicht aufkommen, sondern von Seite der Regierung wurden Alles aufgewandt, einen solchen Verdacht sowie überhaupt die Meinung, daß das Feuer absichtlich angezündet worden, was bei den Fesseln, in denen damals die Presse und die freie Rede lag, leicht war, zu unterdrücken, weßhalb auch keine andere Untersuchung, als die gegen die armen Spritzenleute veranstaltet werden durfte, die denn doch gethan, was immer in menschlichen Kräften stand.“ – Die unglückliche Fürstin Pauline, welche das gräßliche Opfer dieses Festes geworden, zählte, als sie diesem traurigen Geschicke verfiel, 36 Jahre, nachdem sie ihrem Gatten neun Kinder geboren, nämlich [120] sechs Töchter und drei Söhne, u. z. den noch lebenden Chef des Hauses und ersten Majorates Fürsten Johann Adolf Joseph, den nachmaligen kais. Minister des Aeußern, Fürsten Felix und den noch lebenden Cardinal und Fürsterzbischof von Prag, Fürsten Friedrich. Von den Töchtern, fand die älteste, Fürstin Maria Eleonora, Gemalin des Fürsten Alfred von Windisch-Grätz, ein gewaltsames Ende, da sie in der Pfingstwoche 1848, am Fenster ihres Palastes stehend, von einer aus dem Haufen der Prager Rebellen geschossenen Kugel getroffen, todt zusammenstürzte. Die zweite. Maria Pauline, eben dieselbe, um welche die Mutter den Opfertod in den Flammen erlitten, starb nach nur vierjähriger Ehe, am 18. Juni 1821, im Alter von erst 23 Jahren. Ihr verwitweter Gatte Heinrich Eduard Fürst Schönburg heiratete später ihre jüngere Schwester, seine Schwägerin Prinzessin Aloisia Eleonore (geb. 8. März 1803). Die übrigen Töchter Paulinens sind: Prinzessin Mathilde Therese (geb. 1. April 1804) die an der Seite ihres früh verblichenen Bruders des Fürsten Felix lebte; Prinzessin Karoline (geb. 15. Jänner 1806), Palastdame Ihrer Majestät der Kaiserin, seit 27. Juni 1831 mit Ferdinand Fürst Bretzenheim vermält, und Prinzessin Maria Anna Bertha (geb. 2. September 1807)[WS 2], gleichfalls Palastdame, seit 10. November 1827 Gemalin des Fürstin August Longin von Lobkowitz und seit 17. März 1842 Witwe. Die Fürstin Pauline, die Mutter, war eine große Wohlthäterin den Armen und als solche auf ihren Gütern in Böhmen, wo sie so viele Thränen getrocknet, hoch verehrt. Sie soll, wenn wir einer Erzählung im „Vaterland“, deren Quelle jedoch eine nicht ganz zuverlässige, trauen dürfen, im Volke mit dem Namen „der blaue Engel“ nach der Bekleidung, die sie bei einem ihrer bekannt gewordenen Wohlthätigkeitsacte trug, bezeichnet worden sein. Fürstin Pauline war überdieß eine große Kunstliebhaberin, die selbst mit feinem Geschmack zeichnete und radirte. Eine Folge von Ansichten auf ihren Gütern in Böhmen hat die Fürstin selbst in Kupfer radirt. Es sind 16 Blätter mit eigenem Titel und Inhaltsverzeichniß in Quer-Quart, von denen einige die Initialen P(auline) S(chwarzenberg) tragen. Ihr Gatte Fürst Joseph überlebte sie 23 Jahre.

Feierstunden. Von Ebersberg (Wien, 8°.), 1833, Nr. 50–52: „Das Fest des österreichischen Botschafters, am 1. Juli 1810, in Paris“, Von K. A. Varnhagen von Ense. – Der Bazar. Illustrirte Damen-Zeitung (Berlin, kl. Fol.). XII. Jahrg. (1866), Nr. 20: „Die Fürstin Schwarzenberg“. Von Max Ring [mit eben nicht sehr gelungener Illustration von O. Wisnieski]. – Vaterland (Wiener polit. Blatt), 1870, Nr. 92, im Feuilleton: „Die Volksfiguren unter den Wiener Cavalieren“. Von Berthold Mormann [ob unter Berthold Mormann nicht Herr Moriz Bermann steckt, der es mit der geschichtlichen Wahrheit eben nicht immer sehr genau nimmt?]. Temesvarer Zeitung 1860, Nr. 127, im Feuilleton: „Eine Feuersbrunst in Paris“. Von Lucian Herbeck. – Den Flammentod der Fürstin hat der berühmte Maler Lampi in einem größeren Gemälde ausgeführt, welches im Schwarzenberg-Palais am Rennweg sich befindet.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: auf dem am Ballfeste 1. Juli 1810.
  2. Vorlage: 1867.