BLKÖ:Lubienicki, Julian

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Łoziński, Joseph
Band: 16 (1867), ab Seite: 102. (Quelle)
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Lubienicki, Julian (berühmter Bienenzüchter, geb. im Dorfe Kont bei Olesko im Zloczower Kreise Galiziens im Jahre 1802). Nachdem er die Schulen in Lemberg besucht, trat er bei einem Edelmann als Amtmann in Privatdienste und wurde später Gutsverwalter. Schon seit dem Jahre 1826 befaßte er sich mit der Pflege der Bienen und widmete diesem Zweige der Landwirthschaft eine immer größere Aufmerksamkeit. Allmälig machte er Versuche mit den verschiedenen bisher bekannten Methoden, in der Zucht dieses nützlichen Thieres, stellte vergleichende Beobachtungen an, trat in [103] Verkehr mit den ersten Bienenzüchtern der Heimat und Fremde, tauschte mit ihnen die gewonnenen Erfahrungen aus, und galt im Lande auf diesem Gebiete bald als solche Specialität, daß ihn die landwirthschaftlichen Gesellschaften in Lemberg und Krakau zu ihrem Mitgliede erwählten. Bis zum Jahre 1851 gestattete ihm sein amtlicher Beruf nur die praktische Ausübung dieser Nebenbeschäftigung; im genannten Jahre aber legte er sein Amt nieder, und verlegte sich ausschließlich auf die Bienenzucht, für deren Verbreitung und Aufschwung in Galizien er ungemein und mit großem Erfolge thätig war. Zu Przemyslani im Brzezaner Kreise sich niederlassend, begann er Schüler in der Bienenzucht heranzubilden. Das Bedürfniß nach einer Schule, in welcher die Pflege dieses Thieres als eines so wichtigen Momentes der Landwirthschaft von rationellem Standpuncte aus behandelt würde, leuchtete bald allgemein ein und seinen Bemühungen gelang, daß auf den landwirthschaftlichen Versammlungen sich eine eigene Section für die Bienenzucht constituirte, das aber war auch Alles, was er zu erreichen vermochte. Die Gründung einer Schule für Bienenzucht war er nicht im Stande durchzusetzen, und so übernahm er denn auf eigene Rechnung dieses Unternehmen. Im Jahre 1857 eröffnete L., mit Bewilligung der Behörden, in seinem Ansitz zu Przemyslani eine Bienenschule und die Sache fand solchen Anklang, und das Bedürfniß stellte sich so klar zu Tage, daß schon im ersten Jahre nicht weniger denn vierzig Schüler aus allen Theilen des Landes herbeigekommen waren, um sich unter L. förmlich in diesem Zweige auszubilden. Im folgenden Jahre hob sich die Schülerzahl auf neunzig und nicht bloß aus allen Kreisen Galiziens, auch aus Russisch-Polen waren sie nun herbeigekommen. Um diese Zeit ließ er auch seine Schrift: „Paszieca w ulach Dzierzona“, d. i. die Bienenzucht in den Stöcken Dzierzon’s (Lemberg 1856) erscheinen, ein Buch, worin er die Bedeutung dieses landwirthschaftlichen Zweiges für Galizien schildert und für dessen rationelle Behandlung mit eindringlichen Worten thätig ist. Dzierzon, der erste jetzt lebende Bienenzüchter Europa’s, erkennt selbst in seinen Schriften Lubienicki’s Verdienste auf diesem Gebiete an und nennt ihn den ersten polnischen Bienenzüchter. Lubienicki’s oberwähntes Bienenbuch wurde im Jahre 1858 von Kodym in’s Čechische und in Preußen auch in’s Deutsche übersetzt. Von der čechischen Uebersetzung ist im Jahre 1863 eine zweite Auflage erschienen. Im Jahre 1858 wurde auch der Druck eines zweiten Werkes von L. angezeigt, in welchem er das ganze System der Bienenzucht theoretisch und praktisch behandelt und die Erfahrungen seines ganzen Lebens in dieser Richtung niederlegt. Allgemein anerkannt sind Lubienicki’s Verdienste um die Hebung der bereits im starken Verfalle begriffenen Pflege der Bienen in Galizien, welche durch seine im ganzen Lande verbreiteten zahlreichen Schüler in der That auch von Neuem einen großen Aufschwung genommen hat.

Przyjaciel domowy, d. i. Der Hausfreund (Lemberg, 4°.) 1858, Nr. 35, S. 305: „Julian Lubienicki“ [mit Lubienicki’s Bildniß.]