BLKÖ:Kodym, Philipp Stanislaus

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Koczwara, Franz
Band: 12 (1864), ab Seite: 201. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 1013723503, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Kodym, Philipp Stanislaus|12|201|}}

Kodym, Philipp Stanislaus (čechischer Volksschriftsteller, geb. zu Opočno in Böhmen im Jahre 1811). Im Alter von 12 Jahren kam er an das Gymnasium nach Königgrätz und bezog nach dessen Vollendung die Hochschule zu Wien, wo er die Medicin studirte und im Jahre 1838[WS 1] die medicinische Doctorwürde erlangte. Nun versuchte er es mit der ärztlichen Praxis und ließ sich zu Nixdorf, in der Nähe der sächsischen Grenze nieder. Vier Jahre hatte er es dort ausgehalten, dann aber gab er diesen Beruf auf und begab sich nach Prag, wo er sich die Aufklärung und Bildung des čechischen Volkes zur Aufgabe machte, die Herausgabe seiner „Zábavy nedělní“ (Sonntagsunterhaltungen) begann und mit Erfolgen fortsetzte. Im Jahre 1847 versuchte er es zu wiederholten Malen mit der ärztlichen Praxis und begab sich, um sie auszuüben, nach Leitomischl; aber schon in anderthalb Jahren war er nach Prag zurückgekehrt und nun für die Pflege und Verbreitung der Naturwissenschaft, deren Verständniß durch populäre Schriften vermittelnd, rastlos thätig. Die Aufgabe, die er sich gestellt, war um so schwieriger, als die Sprache selbst noch nicht den nöthigen Reichthum an Wörtern besaß, diese Gegenstände in einer, dem gemeinen Manne leichtfaßlichen Darstellung vollkommen zugänglich zu machen. Aber Kodym hatte den rechten Ton glücklich getroffen und die Theilnahme im Volke für das noch ungepflegte Gebiet wuchs zusehends. Im Jänner 1849 wurde K. in den Ausschuß der Prager Slovanská lípa, und am 1. Mai 1850 zum außerordentlichen Mitglied der k. böhmischen Gesellschaft gewählt. Im September 1850 verließ K. seine Heimat, um einem Rufe des Fürsten von Serbien nach Belgrad zu folgen. Als er aber dort einen ärztlichen Posten übernehmen sollte, lehnte er denselben ab und kehrte nach Prag zurück. Dort lebte er von seinen literarischen Arbeiten und wurde im Jahre 1854 von der patriotisch-ökonomischen Gesellschaft in Prag zum Redacteur des von derselben unter dem Titel: „Hospodářské noviny“ herausgegebenen landwirthschaftlichen Blattes bestellt, welchen Posten er bis gegen die Mitte des Jahres 1862 versah, um welche Zeit er nachstehenden Vorfalls wegen von der Redaction entfernt wurde. In einer Sitzung der patriotisch-ökonomischen Gesellschaft hatte Karl Fürst Schwarzenberg die Frage erörtert, „ob eine unbeschränkte Zerstückelung der bäuerlichen Grundstücke sowohl für den Besitzer als auch in volkswirthschaftlicher Beziehung wünschenswerth erscheine“. Der Fürst sprach sich gegen die Theilbarkeit des Grundes aus und belegte seine [202] Ansichten mit wichtigen Gründen, unter andern auch mit dem, „daß durch eine Zulassung der Grundzerstückelung der Bauernstand, der wesentliche Träger der čechischen Nationalität, zu Grunde gerichtet und diese sonach selbst gefährdet würde“. Kodym begnügte sich nun da nicht, in dem Berichte, welche die Hosp. nov. über diese Verhandlung veröffentlichten, seine Gegenansicht auszusprechen, sondern er glossirte die Bemerkungen in der Rede des Fürsten Schwarzenberg, wie folgt: „Mit der unbeschränkten Grundzerstückelung stehe es nicht so schlimm und es scheint uns ein bloßer Schreckschuß zu sein, der vielleicht nur deßhalb losgelassen wurde, weil, wenn die Unbeschränktheit ausgesprochen würde, dieselbe wahrscheinlich nicht bei den Bauerngründen allein stehen bleiben, sondern auch weiter bis zu den herrschaftlichen Gütern greifen würde, welche dann ebenfalls getheilt oder stückweise verkauft werden könnten. Und das ist, wie es scheint, diesen hohen Herren nicht nach Geschmack“. Gegen diese Verdächtigung der Rede des Präsidenten-Stellvertreters von Seite des im Dienste der Gesellschaft stehenden Redacteurs ihres Blattes legte die Gesellschaft selbst Verwahrung ein und wollte diese im Blatte abgedruckt wissen. Kodym verweigerte den Abdruck derselben und die Gesellschaft mußte den Abdruck dieser Verwahrung auf gesetzlichem Wege erzwingen. Dieß, und noch andere Fälle, in welchen Kodym, der Redacteur des gesellschaftlichen Blattes, gegen manche Projecte, welche die Gesellschaft für gut erkannte und für die sie im Wege der Presse gewirkt wissen wollte, in ihrem eigenen Blatte auftrat und also die Zwecke der Gesellschaft geflissentlich hinderte, hatten seine Entlassung vom Redactionsposten zu Folge. Also Kodym wurde nicht seiner, den Ansichten der Gesellschaft oft entgegengesetzten Meinung wegen entfernt, sondern weil er dieselbe Freiheit, die er für sich in Anspruch nahm, den Anderen nicht gewähren wollte, und die Gesellschaft die Tyrannei des Redacteurs ihres Blattes nicht langer zu ertragen gewillt war. Kurze Zeit nach Kodym’s Entlassung meldete der Prager Čas – dem es viele Blätter nachdruckten – Kodym sei zum Castellan und Hofgärtner auf dem Schlosse des Kaisers Napoleon zu Arenenberg in der Schweiz ernannt worden. Dr. Kodym, wie bereits erwähnt, auch als Schriftsteller thätig, hat folgende Werke herausgegeben: „Zábavy nedělní cili prostonárodní poučování v silozpytu“, d. i. Sonntagsunterhaltungen. Populäre Belehrung über Physik. 11 Hefte (Prag 1845 u. f.); – „Naučení o živlech, jejich moci a vlastnostech ... Díl I.“, d. i. Die Lehre von den Elementen, ihrer Macht und ihren Eigenthümlichkeiten (Prag 1849), wurde mit Unterstützung der Matice česká herausgegeben und bildet den achten Band des Sammelwerkes „Malá Enciklopedia nauk“; – „Zdravověda čili nejlepši spůsobaby člověk svého života ve zdraví a vesele užiti a k tomu dlouhého věku došáhnouti mohl“, d. i. Gesundheitslehre oder die beste Anleitung, wie der Mensch sein Leben in Gesundheit und Frohsinn hinbringen, und trotzdem ein hohes Alter erreichen kann (Prag 18534, 8°.); – „Úvod do zemězpyta“, d. i. Anleitung zur Geologie (Prag 1855, 8°.); – „Hospodářsky klíč. Čtěni o nej hlavnějších základech uměni hospodařského založeného na vědáh přírodních“, d. i. Der Wirthschaftsschlüssel. Vortrag über die Hauptgrundlagen der rationellen Landwirthschaft, gegründet auf die Naturwissenschaft (zweite Aufl. [203] Prag 1858); – „Spolky na vzájemné pomáháni“, d. i. Vereine für wechselseitige Unterstützung (Prag 1860, Kober, 8°.); – „Listy o konstituci“, d. i. Briefe über die Constitution (ebd. 1861, Gerzabek, 12°.); – „Hospodářská kniha“, d. i. Buch für Landwirthe (ebd. 1862, 4°.); – „Úvod do tĕlovědy člověka“, d. i. Anleitung zur Anatomie (ebd. 1862, Kober, mit 60 Abbildgn., 2. Aufl. ebd. 1864, 12°.). Ferner übersetzte Kodym in’s Čechische das vortreffliche (schon in mehreren Auflagen erschienene) Handbuch von J. A. Stöckhardt: „Chemie für Landwirthe und Handwerker“ unter dem Titel: „Sučebnictví pro hospodaře řemeslníky nastávající lékárníky i vůbec pro každého“ (Prag 1853); – das von F. A. v. Ammon herausgegebene (auch schon in 6 Aufl. erschienene) Werkchen: „Die ersten Mutterpflichten und die erste Kinderpflege“ unter dem Titel: „Mladá matka, jak by se před porodem i v šestinedělí zachovati a dítko své v prvním jeho věku ošetřovati měla“ (Prag 1852, 8°.); – „Dzierzon’s Bienenzucht unter dem Titel: „Kniha včelařská, hlavně dle Dzierzona“ (2. Aufl., Prag 1863, Rohlíček, 8°.), und gab Lubenecky’s Werk über denselben Gegenstand unter dem Titel: „Juliana Lubeneckého včelarni v úlech dzierzonských ...“ (2. Aufl. ebd. 1863, 8°.) heraus. Bevor Kodym die Redaction der schon erwähnten Hospostářské noviny übernommen, hat er jene des „Týdenník, časopis pro polní, lesni a domácí hospodářství“, d. i. Wochenblatt oder Zeitschrift für Feld-, Wald- und Hauswirthschaft, welches vordem Dr. J. Pečirka geführt hatte, bis Ende 1853 geleitet. Auch war K. ein fleißiger Mitarbeiter der Národné noviny und des Slovan. K.’s Verdienste um die Verbreitung und Pflege der Naturwissenschaft in ihrer Anwendung auf das praktische Leben unter den nach dieser Richtung hin noch rohen und unwissenden niederen Volksclassen sind nicht zu läugnen; in letzterer Zeit schien ihn die sociale Frage sehr zu beschäftigen und er für Böhmen die Rolle, welche Lassalle in Preußen spielt, übernehmen zu wollen.

JJungmann (Josef), Historie literatury české, d. i. Geschichte der čechischen Literatur (Prag 1849, F. Řiwnáč, 4°.) Zweite, von W. W. Tomek besorgte Auflage, S. 581 [nach diesem ist Kodym 1811 geboren]. – Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, Pospišil, 12°.) Theil II, S. 19 [nach diesem ist Kodym im Jahre 1816 geboren]. – Bohemia (Prager polit. Blatt, 4°.) Jahrg. 1862, Nr. 161: „Herrn Dr. Kodym’s Rücktritt“. – Jahrbücher für slavische Literatur, Kunst und Wissenschaft. Herausgegeben von Dr. J. P. Jordan (Leipzig, gr. 8°.) III. Jahrgang (1845, S. 73 und 342. – Der Tagesbote aus Böhmen (polit. Blatt), Jahrg. 1862, Nr. 168: „Dr. Kodym“. – Prager Morgenpost (polit. Blatt) 1862, Nr. 162.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1858.