BLKÖ:Müller, Friedrich August

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 19 (1868), ab Seite: 351. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 104264950, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Müller, Friedrich August|19|351|}}

16. Müller, Friedrich August (epischer Dichter, geb. zu Wien 16. September 1767, gest. ebenda 31. Jänner 1807). Da er, gleich seinen Eltern, protestantischer Religion war, schickten ihn diese in’s Ausland, und zwar, als er erst neun Jahre alt war, nach Dessau in das Basedow’sche Philantropin, wo er seine erste Ausbildung erhielt. Nach sechsjährigem Aufenthalte daselbst, im Jahre 1785, bezog er zuerst die Hochschule zu Halle, darauf jene zu Göttingen, wo er über fünf Jahre verschiedene Collegien nach Lust und Laune besuchte. Da er von vermögenden Eltern war und durchaus nicht die Absicht hatte, in irgend einen öffentlichen Dienst zu treten, betrieb er kein bestimmtes Fachstudium; so hörte er diesen und jenen Lehrer, dessen Vortrag oder Gegenstand ihn gerade am meisten anzog. Insbesondere betrieb er mit großem Eifer das Studium der classischen Literatur, aber auch jenes der Literatur der neueren Zeit und Philosophie nach Kant. Im J. 1793 begab er sich nach Erlangen, wo er sich auch im J. 1797 als Privatdocent habilitirte. Der Abgang seiner beiden Freunde, des Pfarrers Abegg und des Professors Isenflamm, verleideten ihm aber den längeren Aufenthalt in Erlangen, er verließ die Stadt und kehrte zu seiner Familie nach Wien zurück. Auf dieser Reise in seine Vaterstadt soll er sich längere Zeit in Regensburg bei einem Freunde aufgehalten und von ihm das Schwedische erlernt haben, welche Kenntniß er später zur Uebersetzung eines schwedischen Dramas benützte. [Müller’s Werke folgen weiter unten.] Nach seiner Rückkehr nach Wien lebte er im Kreise seine Bruders und Oheims und einiger [352] Freunde, mit Poesie und Literatur beschäftigt, und daselbst starb er auch in Folge unheilbarer Schlaflosigkeit im Alter von erst 40 Jahren. Schon während seines Aufenthaltes auf der Universität mit Poesie beschäftigt, gab er zwei größere epische Dichtungen heraus. Die erste heißt: „Richard Löwenherz. Ein Gedicht in sieben Büchern“ (Berlin 1790, mit 1 Kupf., 8°.), erschien ursprünglich ohne Angabe seines Namens, erst auf der zweiten, im Jahre 1819 bei Nicolai in Berlin erschienenen Auflage war sein Name genannt; das mit großer Gewandtheit gearbeitete schwungvolle Gedicht berechtigte zu schönen Hoffnungen. Die nächste Dichtung, welche M. nun herausgab, war: „Alfonso. Ein Gedicht in acht Gesängen“ (Göttingen 1790, Dieterich, 8°.), die auch ohne Namen erschien und durch die bilderreichere, wohlklingendere Sprache sich als Fortschritt gegenüber dem ersten herausstellte. Wenige Jahre darnach gab er seine dritte Dichtung: „Adalbert der Wilde. Ein Gedicht in zwölf Gesängen“ (Leipzig 1793, 8°.) heraus, welche aber, den beiden früheren entgegengehalten, sich leider nicht als Fortschritt erwies. Seine letzte größere Arbeit war eine Uebersetzung aus dem Schwedischen, welche er unter dem Titel: „Oden, oder die Auswanderung der Asen“ (Leipzig 1805) herausgab. Vieles hatte Müller in Journalen und Almanachen drucken lassen, aber er nannte sich auf diesen Beiträgen nicht, und daher sind sie auch mit Bestimmtheit nicht zu bezeichnen. Friedrich August Müller, seiner Zeit ein vielversprechender Poet, und unbestritten begabter als Alxinger, ist gleich diesem und noch manchem Anderen in Vergessenheit gerathen. Nach dem Urtheile des gewiegten Literaturhistorikers Heinrich Kurz ist M. einer der talentvollsten Nachahmer Wieland’s, und manche Stellen in seinen Dichtungen sind des großen Meisters würdig. „Seine Gedichte, schreibt Kurz, ragen allerdings nicht, wie die seines Vorbildes, durch Reichthum der Erfindung und künstlerische Größe der Composition hervor; vielmehr liegt seine Schwäche gerade in diesen Seiten; auch hat er zu häufig Begebenheiten und Situationen der Dichtungen Wieland’s, wenn auch nicht geradezu entlehnt, doch nachgebildet; aber bei alledem sind seine Schöpfungen doch immer bemerkenswerth. Namentlich ist er in der Schilderung der Seelenzustände, wie überhaupt in jeder Art von Gemälden sehr glücklich; sie sind ebenso gut ausgeführt, ja die Ausführung ist bei dem lebendigen warmen Colorit, das er über sie zu verbreiten weiß, oft des größten Dichters würdig, sie sind tief empfunden und von wirkungsvoller Anschaulichkeit. Seine Sprache, in welcher Wieland’s Einfluß unverkennbar ist, zeugt von gebildetem Geschmacke und lebendiger Phantasie; die Versification ist wohllautend und erreicht oft die liebliche Anmuth Wieland’s.“ Von Müller wird irgendwo behauptet, er sei von Geburt ein Schweizer gewesen. Dem ist nicht so, möglich, daß die Familie aus der Schweiz stammte, er selbst ist ein geborner Wiener.

Morgenblatt für die gebildeten Stände (Stuttgart, 4°.) 1867, Nr. 56, S. 223. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 101. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur mit ausgewählten Stücken aus den Werken der vorzüglichsten Schriftsteller (Leipzig 1859, B. G. Teubner, Lex. 8°.) Bd. III, S. 331. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XXII, S. 344, Nr. 14. – Nouvelle Biographie générale ... [353] publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., 8°.) Tome XXXVI, p. 905. – Raßmann (Friedrich), Deutscher Dichternekrolog, oder gedrängte Uebersicht der verstorbenen Dichter, Romanschriftsteller u s, w., nebst genauer Angabe ihrer Schriften (Nordhausen 1818, G. W. Happach, 8°.) S. 133 [nach diesem wäre M. zu Erlangen gestorben]. – Goedeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859, L. Ehlermann, 8°.) S. 637, Nr. 392 [auch nach diesem hätte Müller seit 1797 in Erlangen gelebt und wäre dort im Jahre 1807 gestorben]. – Zur Erinnerung an F. L. W. Meyer (Braunschweig 1847) S. 1, 314, 338.