BLKÖ:Magalhaens, Jose Gonzalves Chevalier de

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 16 (1867), ab Seite: 258. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119366053, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Magalhaens, Jose Gonzalves Chevalier de|16|258|}}

Magalhaens, Jose Gonzalves Chev. de (brasilianischer Ministerresident am kais. österr. Hofe, Staatsmann und Dichter, geb. zu Rio de Janeiro). Zeitgenoß. Seit 4. August 1859 am kaiserlichen Hofe beglaubigt, lebt Chevalier Magalhaens seit Jahren in Wien, wo auch mehrere seiner jüngsten Werke gedruckt erschienen sind. Indem er früher in seinem Vaterlande auf administrativem Posten thätig gewesen, betrat er dann die diplomatische Laufbahn, und zwar zuerst als Geschäftsträger in Neapel, später in Turin. Die ihm zugedachte Stelle eines Ministerresidenten in St. Petersburg konnte M. aus Gesundheitsrücksichten nicht antreten, und so erhielt er denn die Bestimmung nach Wien, wo er seit dem Spätsommer 1859 sich aufhält. In der brasilianischen Literatur glänzt M., wie wir der unten bezeichneten Quelle entnehmen, als Dichter und Philosoph. Seine bedeutenderen, bereits früher erschienenen poetischen Werke sind die „Suspiros poeticos“ und „Os Mysterios“, zwei Folgen philosophischer und elegischer Dichtungen, letztere insbesondere Ergüsse eines Vaterherzens über den Verlust geliebter Kinder; ferner „Al Confedarazao dos Tamoyos“, ein Heldengedicht, welches auf Kosten Sr. Majestät des Kaisers von Brasilien in prächtiger Ausstattung zu Rio de Janeiro erschienen ist. Auf dramatischem Gebiete schuf er die Tragödie „O poeta e a Inquisição“, welche in seinem Vaterlande als eines der schönsten Werke dramatischer Dichtung bezeichnet wird. In seinem philosophischen Werke „Factos do espirito humano“, gibt er eine vergleichende Zusammenstellung der Philosophie des Voltairischen Zeitalters und der Neuzeit, und auch auf diesem, dem philosophischen Gebiete, ist er als Bahnbrecher in der brasilianischen Literatur angesehen. Seine Dichtungen, wie das letzterwähnte philosophische Werk „Factos“ sind in’s Französische und Italienische übersetzt worden. Während seines Aufenthaltes in Wien sind in der k. k. Hof- und Staatsdruckerei gedruckt erschienen: „Urania“ (Vienna 1862, 8°.); – „Canticos funebres“ (ebd. 1864, 8°.); – „Poesias avulsas“ (ebd. 1864), die genannten drei Sammlungen sämmtlich Dichtungen – und „Tragedias Antonio Jose, Olgiato e Othelo“ (ebd. 1865, gr. 8°.), die erstere ist die oberwähnte O Poeta e a Inquisição und die letztere Othelo ist eine Uebersetzung der französischen Tragödie von Ducis .

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) Jahrg. 1861. – Wiener Zeitung 1861, Nr. 20.