BLKÖ:Mahlknecht, auch Mallknecht, Dominik

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Mahler, Moriz
Band: 16 (1867), ab Seite: 278. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Johann Dominik Mahlknecht in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119057964, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Mahlknecht, auch Mallknecht, Dominik|16|278|}}

Mahlknecht, auch Mallknecht, Dominik (Bildhauer, geb. zu Ueberwasser im Landgerichte Kastelruth in Tirol am 19. November 1793). Seine Eltern besaßen das kleine unbedeutende Bauerngütchen Riffinel oder Reinell [279] und der Vater beschäftigte sich neben der Feldarbeit auch mit Bildschnitzen, eine Beschäftigung, in welcher die Grödner – und der Ort Ueberwasser gehört zu Gröden – eine besondere Geschicklichkeit beurkunden. Jedoch verfertigen sie ihre Arbeiten ganz handwerksmäßig, und obgleich ihnen von Seite der Regierung ein Lehrer der Bildhauerkunst bestellt wurde, ist doch von einem künstlerischen Auffassen bei diesen Arbeiten wenig zu sehen. So erhielt auch M. von seinem Vater Unterricht im rohen Bildschnitzen, in der Dorfschule auf das Nothdürftigste im Lesen und Schreiben. Aber sein angeborner Kunstsinn war von den Proben, die ihm sein Vater gab, wenig befriedigt, er sah sich weiter um und hielt Umschau bei anderen Schnitzern. Als der Vater, ein sonst verständiger Bauer, dieß merkte, führte er den Knaben selbst zu einem Schnitzer, der in besonderem Rufe von Geschicklichkeit stand, und bei diesem machte M. ganz gute Fortschritte, schnitzte bald allerlei Gegenstände, Heiligenbilder, mythologische Figuren u. dgl. m., die, weil sie sauber gearbeitet waren und sich von den anderen Schnitzereien sehr vortheilhaft unterschieden, bald Käufer fanden. So brachte M. eine kleine Summe zusammen, für welche er sich gute Werkzeuge und mehrere Kupferstiche anschaffte. Nach letzteren übte er sich in seinen Mußestunden und an Sonn- und Feiertagen im Zeichnen. Mit der sich steigernden Fertigkeit im Schnitzen, wuchs im Knaben auch der Drang, andere Kunstwerke zu sehen, und um sein Verlangen zu erfüllen, ergriff er einen eigenen Weg. Als nämlich im Jahre 1809 die allgemeine Bewaffnung im Lande erfolgte, trat der damals 16jahrige Junge an seines Vaters Stelle in die Reihen der bewaffneten Landleute und, wo er unter Weges hinkam, besuchte er die Kirchen und Capellen, betrachtete genau die Statuen und Schnitzwerke der Altäre und mit besonderem Entzücken die Kunstwerke der Kirche zum heil. Kreuz in Innsbruck. Als der Landsturm wieder aufgelöst ward und Alles zu den Seinen heimkehrte, ging auch M. nach Hause, schnitzte fort wie bisher, aber die Wanderlust war in ihm lebendig geblieben und so ergriff er denn die nächste Gelegenheit, sie zu befriedigen, indem er sich einem wandernden Bilderhändler zu Diensten anbot, die dieser auch annahm. Dieser Händler, ein hausirender Schwarzwälder, machte oft in Gröden große Ankäufe von Schnitzereien, namentlich von Kinderspielzeug, und wanderte damit nach Frankreich, wo er es gut absetzte. An diesen hatte sich M. als Diener verdingt, und mit ihm durchzog er nun die Länder und Gegenden, die ihm genug Gelegenheit boten, seine Schaulust zu befriedigen. In den freien Stunden überdieß schnitzte er fleißig, verkaufte dann die Arbeit und sparte allmälig eine Summe zusammen, die ihn in den Stand setzte, seinen bisherigen Dienst aufzugeben. In Lyon trennte er sich von seinem Herrn, ging nun nach Paris, miethete ein kleines Zimmer und schnitzte Heiligenbilder, die ihm so viel einbrachten, daß er leben und dabei doch auf seine Fortbildung bedacht sein konnte. Nach vier Monaten verließ er Paris und begab sich nach Le Mans in der Normandie, wo er einen Landsmann als Bildhauer fand, der zwar kein schulgerechter Künstler war, aber doch für Kirchen der Umgebung viel zu arbeiten hatte. Bei dem trat M. als Gehilfe ein, fand nun Gelegenheit mehr im Großen zu arbeiten und zu modelliren, und erregte bald die Aufmerksamkeit [280] mehrerer Kunstfreunde, die an seinen Arbeiten sein Talent erkannten, ihm mit Rath beistanden und so seine Ansichten in Kunstsachen theils berichtigten, theils erweiterten. Nach einem mehrmonatlichen Aufenthalte in Le Mans ging er 1812 nach Nantes und dort erregte ein von ihm geschnitztes Crucifix die Aufmerksamkeit eines Bildhauers, der ihm Anträge machte, welche M. auch annahm. Hier fand nun M. vollauf Beschäftigung, aber was für ihn noch wichtiger war, eine bedeutende Gemäldegallerie und eine Sammlung von Gypsabgüssen nach Antiken, an denen er nun seinen lebendigen Bildungsdrang vollends befriedigen konnte. Zwei Jahre lang hatte M. bei seinem Herrn in Nantes gearbeitet und auch seine Studien fleißig fortgesetzt, als er sich stark genug fühlte, selbstständig aufzutreten. Er hatte sich in der Zwischenzeit viele Freunde und Gönner und sich auch als Künstler einigen Ruf erworben. Ein Frauenkloster zu Nantes übertrug ihm zuerst die Verfertigung einiger Statuen für eine neue Capelle. Die vollendeten Statuen fanden solchen Beifall, daß ihm nun auch die innere und äußere Ausschmückung der Capelle anvertraut wurde. Nun erhielt er zahlreiche Aufträge von anderen Kirchen zu Nantes und aus der Umgebung. Sein Geschäft kam in Blüthe, er mußte neue Kräfte aufnehmen, um mit deren Hilfe die übernommenen Verpflichtungen auszuführen. Ein im Jahre 1818 vollendeter Christus, von kolossalen Dimensionen (10 Fuß Höhe), machte besonders großes Aufsehen. Nun erhielt er von dem Präfecten des Departements der Nieder-Loire die Bestellung zweier kolossaler Statuen aus Stein, nämlich der beiden Connetables „Duguesclin“ und „Olivier von Clisson“, mit welchen die Hauptstraße von Nantes geschmückt werden sollte. Diese beiden Werke, welche der Künstler selbst für seine ersten erklärte, die sich über das Alltägliche erhoben, befestigten seine Stellung als Künstler in unerwarteter Weise. Die Stadt, um ihm einen ehrenvollen Beweis ihrer Zufriedenheit. zu geben, stellte ihn als Lehrer der Bildhauerkunst mit einem angemessenen Gehalte an. Zugleich wurde er von der Akademie in Nantes unter ihre Mitglieder aufgenommen. Seit dieser Zeit ist M. in Nantes, wo er sich mit der Tochter eines kunstreichen Glockengießers aus Rennes in der Bretagne verheirathet hatte, ansäßig, und hat eine stattliche Reihe von Kunstwerken vollendet, die seinem Künstlernamen eine dauernde Erinnerung sichern. Hier folgt eine gedrängte Darstellung der bedeutenderen; es sind: „Die Königin Anna“ und „Der Connetable von Richemont“, Statuen aus Stein, für die Hauptstraße, le Cours genannt, auf Bestellung der Stadt Nantes 1822 vollendet; – „Ludwig XVI.“, sechs Fuß hohe Statue für die Stadt Lauroux in der Vendée; – „Duguesclin“, acht Fuß hohe Statue, für den Hauptplatz der Stadt Dinan und eben derselbe für die Stadt Rennes; – „Ludwig XVI.“, eine kolossale Statue für den nach diesem Könige genannten Platz in Nantes, im Jahre 1823 aufgestellt; – „Die neun Musen“, sechs Fuß hohe Statuen für die Colonnade des Theaters zu Nantes; – „Corneille“ und „Molière“, zwei acht Fuß hohe Statuen am Eingange desselben Theaters aufgestellt; – „Der Seeheld Dugay-Trouin“, für die Stadt Saint Malo; diese im Auftrage des Ministeriums des Innern ausgeführte Statue ist aus Carrara-Marmor; der Künstler kam aus diesem [281] Anlasse nach Paris, wo ihm auf dem Marsfelde ein eigenes Atelier zur Ausführung des Kunstwerkes angewiesen wurde; die im Jahre 1827 ausgestellte Statue fand allgemeine Anerkennung; – „General Charette“, Statue zu Legée in der Vendée, am 4. September 1826 eingeweiht; – „Der junge Herzog von Bordeaux“, Marmorbüste; anläßlich dieses Werkes erhielt M. den Titel eines Bildhauers Sr. königl. Hoheit; – „Ludwig XVI.“, kolossale Marmorstatue auf Bestellung der Stadt Rennes wenige Tage vor Ausbruch der Juli-Revolution im Jahre 1830 vollendet, unterblieb die beabsichtigte Aufstellung derselben; M. erhielt das bedungene Honorar, wurde ihm aber auch die Statue überlassen, welche sich mehrere Jahre hindurch verdeckt in seinem Atelier zu Paris befand, da er seit dem Jahre 1826, als er die Statue des Seehelden Dugay-Trouin daselbst arbeitete, immer einen Theil des Jahres in Paris zuzubringen pflegte; – „General Chatelineau“, Statue für die Stadt Le Pain en Mauge in der Vendée, kam dann ins Museum von Angers; – „Der Herzog von Bordeaux“, zweimal aus Bronze, einmal in Marmor und in Lebensgröße, zuerst für den Gouverneur des Prinzen, den Herzog von Damas, dann für die Stadt Toulouse und zum drittenmal 1829 auf Bestellung des Ministers des Innern für die Stadt Bordeaux; – „Karl der Grosse“ und „Ludwig der Heilige“, auf Bestellung des Ministers des Innern, für den Palast der Deputirtenkammer, beide wegen des Ausbruches der Juli-Revolution unvollendet geblieben. Im Jahre 1830 ernannte ihn die Akademie der schönen Künste in Paris zu ihrem Mitgliede; – „Die im Bade überraschte Venus“, Marmorstatue in Lebensgröße, von der Regierung für das Museum der lebenden Künstler im Jahre 1831 angekauft, sie kam später in die Tuilerien in die Gemächer des Herzogs von Orleans. M. erhielt dafür aus den Händen des Königs selbst die goldene Medaille für Kunst; – „Adonis“, für den Triumphbogen de l’Etoile auf Bestellung des Ministeriums des Innern im Jahre 1833; – „Ulysses, auf seine Rückkehr nach Ithaka sinnend“, Studie des Künstlers in Gyps, die er später dem Museum seiner Heimat, dem Ferdinandeum zu Innsbruck, schenkte, wo sie sich noch befindet; – „Die heil. Mutter Gottes“, eine neun Fuß hohe Statue in der Kirche Notre Dame zu Metz; – „Drei Basreliefs“ aus Bronze für den Hochaltar daselbst und „Die vier Evangelisten“, sieben Fuß hohe Statuen für eben dieselbe Kirche. Diese lange nicht vollständige Uebersicht seiner Arbeiten, unter denen jedoch keine bedeutende fehlt, beweist, welchen Künstlernamen sich der einfache Grödener Bildschnitzer und Bauernsohn, der sich überdieß nur selbst gebildet, allmälig erworben hat. Seine Werke verrathen großen künstlerischen Blick, glückliche Erfindungsgabe, eine seltene Energie und Correctheit in der Ausführung; er beherrscht das spröde Material vollkommen und haucht dem kalten Steine durch seinen Meißel Leben und Bewegung ein. Das Ferdinandeum hat den verdienstvollen Landsmann in der Fremde zu seinem Ehrenmitgliede ernannt. Die letzten Nachrichten über den Künstler brachten die im Feuilleton der „Presse“ 1865, Nr. 60, abgedruckten „Bilder aus der Provinz. Innsbruck und die Innsbrucker“ von A. H., wo es heißt: „Zu Paris lebt der Bildhauer Mahlknecht aus Gröden; er war zu den Zeiten der Orleans viel beschäftigt [282] und wollte sich bei seinen frommen Landsleuten im Andenken erhalten, daher jenes Geschenk, auf welches unsere Heiligen nur durch die Finger schielen“. Sollte damit der Ulysses gemeint sein, oder die im genannten Feuilleton erwähnte „schöne Grisette aus Bronze als Muse verkleidet, durch welche die neueste französische Plastik im Innsbrucker Museum (Ferdinandeum) so charakteristisch vertreten ist?“ Ist letzteres der Fall, dann hatte der Künstler dem Geschenke seines Ulysses noch ein zweites folgen lassen.

Erscheint bald (wie bei Staffler) als Mahlknecht mit einem h, bald (wie bei Nagler und in der „Bohemia“) als Mallknecht ohne h und mit einem doppelten l geschrieben. Die Mahlknecht sind Tiroler, und kommen außer dem Obigen noch andere Künstler dieses Namens vor. Alle schreiben sich statt mit einem doppelten l mit h, so wurde denn auch hier die allgemeine Schreibart Mahlknecht beibehalten. – Bohemia (Prager Unterhaltungsblatt, 4°.) 1834, Nr. 35, 36, 37, 38: „Seltener Aufschwung zur Künstlergröße“. Vom Custos von Glausen. – Staffler (Joh. Jacob), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felic. Rauch, 8°.) Bd. II, S. 1046. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1838, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VIII, S. 220 [mit sehr dürftigen Notizen]. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Professor Fr. Müller, fortgesetzt von Dr.Karl Klunzinger (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 11 [schreibt: „Bildhauer aus Tirol, blühte in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts. Er wurde Professor in Nantes und Mitglied des Institutes“. Darunter steht als Quelle: „Einzelne Notizen“ angegeben. Das sind doch für ein so kostspieliges Werk, wie das in Rede stehende, das überdieß der neuesten Zeit angehört, höchst dürftige Nachrichten über einen bedeutenden Künstler].