BLKÖ:Majer, auch Majar, Matthäus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 161. (Quelle)
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97. Majer, auch Majar, Matthäus (slovenischer Schriftsteller, geb. im Cillier Thale der Steiermark im J. 1809). Beendete in seinem Vaterlande die niederen und philosophischen Studien, beschäftigte sich aber zugleich mit der südslavischen Literatur, deren Kenntniß er mit besonderem Eifer betrieb. Nachdem er die Theologie beendet, trat er in die Seelsorge. Aus den Schranken seines priesterlichen Berufes trat er nach den Märztagen des Jahres 1848. Um diese Zeit war M. Caplan an der Klagenfurter Kathedrale. Als nach den Wiener Märztagen die Bewegungen in den Provinzen begannen, machte sich auch M. als Parteiführer der Slovenen bemerkbar, und verfaßte die berüchtigte Slovenen-Petition, die nach mehrjährigem Schlummer in etwas veränderter Gestalt gegenwärtig wieder auf der Tagesordnung der Parteiführer des slovenischen Volkes steht. Majer geberdete sich in der sich angemaßten Führerschaft in so maßloser Weise, daß noch im Sommer genannten Jahres seine Entfernung [162] aus Klagenfurt veranlaßt und er auf einen Posten versetzt wurde, wo seine Slavengelüste weniger die öffentliche Ruhe friedlicher Bürger gefährdeten, die vor ihm ohne Rücksicht, welcher Nation sie angehörten, im ungestörten Frieden seit Jahrhunderten neben einander gelebt hatten. Nach seiner Versetzung von Klagenfurt kam er auf eine Landpfarre und wurde später Pfarrer zu Görjach, wo er sich auch noch gegenwärtig befindet. In neuester Zeit hieß es, M. habe sich ohne Erlaubniß seines Bischofs zur ethnographischen Ausstellung nach Moskau begeben, welche eigentlich nur ein unter russischer Aegide veranstalteter Congreß der Führer der sämmtlichen Slavenstämme Europa’s war, und sei nach seiner Rückkehr von seinem Bischof zur Abbüßung dieses gesetzwidrigen Schrittes auf unbestimmte Zeit in ein Franziskanerkloster nach Klagenfurt geschickt worden. Jedoch wurde in den Blättern das Ganze, aber in so unbestimmter Weise widerrufen, daß sich der wahre Sachverhalt nicht recht erkennen läßt. M., der, wie schon oben bemerkt worden, sich frühzeitig mit der slavischen Literatur beschäftigte, hat bereits im Jahre 1846 eine reiche Sammlung slovenischer Kirchenlieder herausgegeben, unter dem Titel: „Pesmarica cerkevna ale swete pesme, ke jih pojó ilirski Slovenci na Stajerskim, Krajnskim, Koroskim, Goriskim in Benatskim in nektere molitvice, litanije in svetkrizoven pot“(Klagenfurt 1846, Leon, 8°.) , außer einigen Gebeten, Litaneien und einer Kreuzwegandacht enthält dieses Gesangbuch windische Kirchenlieder, wie sie von den Winden in Steiermark, Krain, Croatien, im Görzischen und Venetianischen gesungen werden. Später hat er noch folgende Schriften herausgegeben: „Korutanské pověsti pěně“, d. i. Kärnthnische Sagen und Lieder; – „Vzory ke krasopsaní latinkou i kirilici“, d. i. Musterblätter zur lateinischen und cyrillischen Schönschreibung; – „Pravila kako izobraževati Ilirsko narečje i u obče Slavenski jezik“, d. i. Anleitung, die illyrische Mundart auch anderen slavischen Sprachen näher zu bringen (Laibach 1848, Blasnik), eine interessante Beigabe dieser panslavischen Curiosität bildet die darin enthaltene Sammlung von 1400 illyrischen Sprichwörtern. Außerdem verfaßte M. mehrere Handbücher lexikalischen, orthographischen und grammatikalischen Inhalts, zum Behufe des Unterrichtes in den Volksschulen; ist er ein fleißiger Mitarbeiter der verschiedenen südslavischen Blätter[WS 1], wie des „Kolo“, der „Slovenja“ u. a. Im Jahre 1851 einer der ersten Mitbegründer des in Klagenfurt befindlichen Vereins des h. Mohor (družtva svatého Mohora), ist er für die Zwecke desselben, zu denen unter anderen die Herausgabe und Verbreitung guter slavischer Bücher gehört, ununterbrochen thätig. In letzter Zeit beschäftigte er sich mit der Bearbeitung einer russischen Grammatik und einer die verschiedenen slavischen Dialekte vergleichenden Sprachlehre. M. ist, wie ihn die unten bezeichnete Quelle (Slovník naučný) schildert, einer der vorzüglichsten und eifrigsten slovenischen Patrioten in Kärnthen, der in der panslavischen Cultur auf einer hohen Stufe steht, und in jeder möglichen, auch nicht gerade erlaubten und statthaften Weise, und ohne alle Rücksicht gegen andere Volksstämme, die Gegenseitigkeit und Brüderlichkeit unter den slavischen Volksstämmen zu fördern und schützen bemüht ist.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. [163] Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. V, S. 46, Nr. 1. – Fremden-Blatt von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1867, Nr. 209.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Blättter.