BLKÖ:Marlin, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Markus
Nächster>>>
Marlo
Band: 16 (1867), ab Seite: 473. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Josef Marlin in der Wikipedia
GND-Eintrag: 142713260, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Marlin, Joseph|16|473|}}

Marlin, Joseph (Schriftsteller, geb. zu Mühlbach in Siebenbürgen 27. August 1824, gest. zu Preßburg 30. Mai 1849). Der einzige Sohn eines sächsischen Kreisbeamten evangelischer Confession, erhielt die erste Erziehung im Elternhause und besuchte dann das evangelische Gymnasium zu Hermannstadt. Nach beendeten philosophischen Studien sollte er nach dem Wunsche des Vaters jenes der Rechtswissenschaft beginnen, wozu ihm die inländische Rechtsakademie die Mittel einer tüchtigen Ausbildung darbot. Aber er selbst hatte eine andere Absicht, und als sich ihm die beschränkten Vermögensverhältnisse des Vaters hindernd entgegenstellten, erklärte er, sich selbst fortzubringen, und so gab denn der Vater nach und M. reiste nach Wien, wo er die Vorlesungen der evangelisch theologischen Universität als ordentlicher Zuhörer besuchte. In Wien kam er in Verbindung mit dem jüngere Talente gern aufmunternden Dr. Ad. Schmidl, der eben damals die Herausgabe eines Literaturblattes. wie ein solches im Kaiserstaate bisher fehlte, energisch betrieb, und in den „Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst“ betrat M. in den Jahren 1844 oder 1845 mit einer Abhandlung über den Ursprung und die Literatur der walachischen Sprache zum ersten Male die literarische Laufbahn. Kränklichkeit und der innigere Verkehr mit jungen Polen, welche das leichtentzündliche Gemüth M.’s für ihre Tendenzen zu gewinnen suchten, machten den Vater besorgt und er berief seinen Sohn nach Hause. Aber in den beschränkten engen Verhältnissen der Kleinstadt fühlte der Sohn sich nicht lange behaglich; zu Anfang 1847 begab er sich somit nach Pesth, wo er eine Hauslehrerstelle erhielt. Indessen machte er sich mit dem Gedanken, die literarische Laufbahn einzuschlagen, immer mehr und mehr vertraut, gab seine Lehrerstelle auf und setzte alle seine Hoffnungen auf ein Drama, welches er dem Director des deutschen Theaters in Pesth übergeben, der dieses zur Aufführung angenommen und schon die Rollen vertheilt hatte, als ein Brand Theater und Drama, und so mit einem Male alle seine Hoffnungen vernichtete. Eine mittlerweile erschienene Sammlung von Gedichten fand von Seite der Kritik eine günstige Aufnahme und die Bekanntschaft mit dem poetische Talente gern fördernden Pesther Buchhändler Gustav Heckenast wurde für seine weitere Lebenslaufbahn entscheidend. Heckenast übernahm nämlich den Verlag seines Romans „Attila“, welcher im Jahre 1847 erschien, und bezahlte ihm dafür ein für die damaligen Verhältnisse sehr anständiges Honorar, auch honorirte er ihm alle Aufsätze, welche er für die Pesther Zeitung schrieb, unter denen die anonym erschienenen Briefe aus Siebenbürgen die bemerkenswerthesten sind. Ueberhaupt munterte ihn der Verleger zu neuen Arbeiten auf. So folgten demnach im kurzen Zeitraume der Roman „Sulamith“ und zwei Bände Novellen. Mit einem Male machten die Märzereignisse des Jahres 1848 allem belletristischen Schaffen für geraume Zeit ein Ende. Auch M. betrat nun einen anderen Pfad. Kossuth und Klapka wurden bald sein Ideal. Das Volk in Waffen regte seine leicht hingerissene Fantasie auf, er schloß sich mit Mund und Herz an die [474] Revolution an, trat als Rottenführer in die Nationalgarde ein und fand sich überdieß berufen, Kossuth’s Evangelium in der Pesther Zeitung zu predigen. In einem dieser Aufsätze erließ er an die siebenbürgisch-sächsische Nation einen Aufruf, sich den ungarischen Losreißungstendenzen anzuschließen und brachte natürlich in Siebenbürgen damit eine Wirkung hervor, die jener gerade entgegengesetzt war, die er wohl erwartet hatte. Sein eigener Vater trat im Kronstädter Wochenblatte öffentlich gegen ihn auf und berief ihn in die Heimat. Da hatte ihm endlich die Ermordung Lamberg’s die Augen geöffnet und die Tendenzen einer Partei, die zu Mord und Aufruhr greift, erschienen ihm bald so bedenklich, daß er dem Rufe des Vaters folgte und sofort in die Heimat zurückkehrte. Im Elternhause betrachtete er die Dinge bald mit ganz anderen Augen und der Fanatismus für Kossuth und seine Pläne war einer ruhigeren, positiveren Anschauung gewichen. Im October 1848 trug ihm Heckenast die zweite Redacteurstelle bei der Pesther Zeitung an. M. folgte diesem Rufe und wurde nicht wieder abtrünnig. Als im April 1849 die Insurgenten auf Pesth vorrückten, verließ er die Stadt und ging nach Wien, wo er einige Zeit in der Redaction des „Wanderer“ arbeitete, auch schickte er von Wien aus für die Redaction der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ Berichte über den Gang der in so blutigen Bürgerkrieg ausgearteten magyarischen Revolution. Später folgte er der kaiserlichen Armee auf die Insel Schütt. Die Strapazen dieses Lebens und die Choleraseuche, die dem Heere überall nachzog, beschleunigten in unvermutheter Weise des strebenden und so vielversprechenden jungen Mannes Ende. In Preßburg, wo er sich eben aufhielt, befiel ihn am 30. Mai die Cholera und in wenigen Stunden schon war er der Seuche erlegen. Seine literarischen Arbeiten sind in sieben Bänden gesammelt erschienen unter folgenden Titeln: „Geschichten des Ostens. 1. –3. Theil. Attila“, 3 Bände (Pesth 1847, Heckenast, 8°.); 4. und 5. Theil: „Sulamith“, 2 Bände (ebd. 1848); 6. und 7. Theil: „Jenseits[WS 1] der Wälder. Siebenbürgische Erzählungen“, 2 Bände (ebd. 1850,. 8°.). Mit M. ist eine vielversprechende schöpferische Kraft in der Blüthe des Lebens – denn er zählte, als er starb, erst 25 Jahre – zu Grabe gegangen.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F. Voigt, kl. 8°.) XXVII. Jahrg. (1849), S. 392, Nr. 122. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) IV. Suppl. Bd., S. 554.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Jenseit.