BLKÖ:Marlow, Mathilde

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Marlo
Band: 16 (1867), ab Seite: 474. (Quelle)
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Marlow, Mathilde (Sängerin, geb. zu Agram um das Jahr 1830). Ihr Familienname ist eigentlich Wolfram und diesen verwandelte sie, als sie später zur Bühne ging, durch ein Anagramm in Marlow. Ihr Vater, Hofkriegsbeamter J. v. Wolfram, ward, als sie kaum zwei Jahre alt war, nach Wien versetzt und starb daselbst bald. Früh machte sich das seltene und bedeutende Talent des Mädchens bemerkbar. Als sie zehn Jahre alt war, schickte sie die Mutter in’s Conservatorium, nachher übernahm der tüchtige Gesangslehrer Gentiluomo ihre weitere Ausbildung. Mit 15 Jahren versuchte sie sich schon in kleineren Partien auf dem Hof-Operntheater zu Wien, dann in Brünn, Preßburg und Oedenburg. Die Erfolge waren derart, daß die Mutter beschloß, [475] mit ihr zur weiteren Ausbildung nach Italien zu gehen. In Florenz genoß sie ein Jahr lang den Unterricht Romani’s. Es fehlte nicht an günstigen Anträgen, aber sie sehnte sich nach ihrer Heimat und kehrte nach Wien zurück, wo sie von Pokorny sofort engagirt wurde. Von da folgte sie einem Rufe an das großherzogliche Hoftheater in Darmstadt, wo sie fünf Jahre lang der Liebling des Hofes und Publicums war. In Darmstadt vermälte sie sich auch mit einem wohlhabenden Edelmanne aus ihrer Heimat, mit einem Herrn Homolatsch, der sie schon in Wien kennen gelernt und von ihrer Kunst, wie von ihrer Anmuth gefesselt worden war. Von Darmstadt ging sie nach Hamburg, wo sie aber nur ein Jahr blieb und dann an das königliche Hoftheater nach Stuttgart ging. Nach einem Jahre erhielt sie einen Ruf vom Hof-Operntheater in Wien, zugleich aber in Stuttgart von Seite der Intendanz den Antrag eines lebenslänglichen Engagements mit ansehnlichen Pensionsansprüchen. Da aber für letzteren Antrag noch die königliche Genehmigung fehlte, nahm sie, von Wien aus gedrängt, das vortheilhafte Wiener Anerbieten an und machte sich, wenn sie den Vertrag auflösen sollte, zu einer Conventionalstrafe von 6000 fl. verbindlich. Nachdem aber die telegraphische Depesche mit der Annahme der Wiener Anträge expedirt war, gelangte in Stuttgart die königliche Genehmigung herab. Die nun eingetretene schlimme Situation der Künstlerin wurde durch die Vermittelung des Königs gelöst, welcher der Sängerin gestattete, vorerst nach Wien zu gehen, dort eine Zeit lang, jedoch nur als Gast zu singen, worauf sie in ihr Engagement nach Stuttgart als lebenslängliches Mitglied der Hofbühne zurückkehrte. Dort wurde ihre künstlerische Thätigkeit mit einem Male durch ein Fußleiden unterbrochen, welches sie über ein Jahr lang hinderte, die Bühne zu betreten. Als sie genesen, begann sie ihre Wirksamkeit von Neuem, und ihr Wiederauftreten glich einem wahren Feste.

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber, kl. Fol.) Jahrg. 1853, Nr. 522, S. 12: „Mathilde Marlow“ [mit ihrem Bildniß im Holzschnitt]. – Luna (Agramer Unterhaltungsblatt, 4°.) Jahrg. 1857, Nr. 5, S. 19.


Ende des sechzehnten Bandes.