BLKÖ:Martinelli, Dominik

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 21. (Quelle)
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Martinelli, die Künstlerfamilie, und zwar Dominik, dann dessen zwei Söhne Anton Erhard und Johann Baptist, und des Letzteren Söhne Johann Baptist und Joseph Franz, sämmtlich Architekten. Dominik (geb. im Jahre 1650, gest. im Jahre 1718). Die Angaben über seinen Geburtsort sind verschieden. Einige lassen ihn in Innsbruck, Andere in Lucca geboren sein. Sein Vater Camillo M. war kaiserlicher Bereiter und wurde von Kaiser Rudolph II. mit Diplom ddo. 30.[WS 1] Jänner 1605 als altadelig bestätigt. M. hatte anfangs die Absicht Geistlicher zu werden und begab sich deßhalb nach Rom, dort aber änderte er seinen Plan, blieb im weltlichen Stande und wurde dann Custos der Akademie von St. Luca und Lehrer der Perspective und Architectur an derselben. In der Folge begab er sich nach Deutschland und hielt sich längere Zeit in Wien auf, wo er als ausübender Architekt für eine Verbesserung des Geschmacks im Bauwesen wesentlich thätig war. In Deutschland baute er Paläste, Brücken und Festungen. Von seinen in Wien ausgeführten Bauten sind zu nennen: das alte Kärnthnerthor-Theater, welches aber im Jahre 1757 wieder abbrannte; die beiden Paläste Liechtenstein, der eine in der Rossau, wo sich gegenwärtig die Bildergallerie befindet, der andere in der Schenkenstraße; ferner das Palais Kaunitz in Austerlitz. Was Martinelli’s Bauten betrifft, so verrathen sie richtiges Urtheil in der Erfindung, Symmetrie in allen Theilen, geschickte Wahl in der Ausschmückung und vorherrschende Neigung zur Pracht. Auch hat man von seiner Hand Architecturgemälde und Perspectiven, und seine Aquarellen waren geschätzt und gesucht. Sein Biograph Milizia berichtet von ihm, daß ihm am Hofe in Mannheim öfter die Freiheit gelassen wurde, seine Arbeiten auf einem von dem Fürsten unterzeichneten Papiere nach eigenem Ermessen zu schätzen und daß er dabei nie zu kurz kam, da bei ihm das Interesse vorherrschend war. Seine beiden Söhne Anton Erhard und Johann Baptist, welche sich der Kunst des Vaters gewidmet hatten, machten sich [22] als Architekten in Wien seßhaft. – Anton Erhard[WS 2] (geb. 1684, gest. 15. September 1747) war ein Freund Fischer’s von Erlach des Aelteren [s. d. Bd. IV, S. 249], nach dessen Plane er den Bau der schönen Karlskirche in Wien aufführte. Ferner erbaute er das Invalidenhaus zu Pesth, und, als Aussteuer für seine Tochter Maria Theresia, umsonst das Ursulinerkloster in Wien, in welches diese als Klosterfrau eintrat und daselbst (gest. 24. December 1787), wie auch ihr Vater, begraben liegt. – Dominik’s zweiter Sohn Johann Baptist (I.)[WS 3] (geb. 8. Februar 1701, gest. 24. Juni 1757) war gleichfalls kaiserlicher Hofbaumeister und führte als solcher mehrere Regierungsbauten in Ungarn und Siebenbürgen aus. Unter anderen ist er der Erbauer des Klosters und der Kirche zu Palassalon. – Dessen Sohn, auch Johann Baptist (II.) (geb. 14. März 1730, gest. 3. Februar 1809), ist der Erbauer des neuen Kärnthnerthor-Theaters, welches, ohne seiner Kunst als Baumeister nahetreten zu wollen, eben kein Kunstwerk genannt werden kann. – Johann Baptist’s (I.) älterer Sohn Joseph Franz (geb. 3. Juni 1729, gest. 1800) war k. k. Cameral-Architekt in Wien.

Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. VIII, S. 363. – Tirolisches Künstler-Lexikon oder kurze Lebensbeschreibung jener Künstler, welche geborne Tiroler waren (Innsbruck 1830, Felician Rauch,. 8°.) g. 161. – Staffler (Johann Jacob), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felic. Rauch, 8°.) Bd. I, S. 464. – Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen. Herausgegeben von der zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestellten Commission der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, gr. 8°.) V. Bd. (1850), S. 742, in J. Ev. Schlager’s „Materialien zur österreichischen Kunstgeschichte“ [über Dominik’s Söhne Anton und Johann]. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1853, Ebner u. Seubert, 8°.) Bd. III, S. 33. [Mit Ausnahme des „Archivs“ geben die angeführten Quellen nur Nachrichten über Dominik Martinelli].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 36.
  2. Anton Erhard Martinelli (Wikipedia).
  3. Johann Baptist Martinelli (Wikipedia).