BLKÖ:Medori, Josepha

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Medoro, Samuel
Band: 17 (1867), ab Seite: 249. (Quelle)
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Medori, Josepha (k. k. Hofkammer-Sängerin, geb. zu Brüssel um das Jahr 1825). Vor ihrer Verheirathung hieß sie Josepha Wilmot, und wer sie im Gesange und in der Musik ausgebildet, ist nicht bekannt. Im Jahre 1845 erschien sie, damals etwa 20 Jahre alt, noch ganz unbekannt und anspruchslos, aber mit einer trefflichen Sopranstimme begabt, in Neapel und trat auf der kleinen Bühne des Teatro nuovo zum ersten Male in die Oeffentlichkeit. Sie gefiel sehr und es gelang, sie für einige Zeit in Neapel zu fesseln, wo sie dann im königlichen Theater del Fondo in der Vestalin, Gemma, di Vergy und in Robert Devereux mit großem Erfolge auftrat. Indessen arbeitete sie selbst fleißig an der künstlerischen Ausbildung ihrer von Natur herrlichen [250] Stimme, ging nach Rom, zog sich für einige Zeit von der Bühne zurück, um bei dem tüchtigen Gesanglehrer Sgatelli Unterricht zu nehmen, und nachdem sie anderthalb Jahre in dieser Weise fleißige Gesangstudien gemacht, betrat sie erst wieder die Bühne. Die nächsten Bühnen, auf denen sie auftrat, waren zu Fuligno im Carneval 1846, Sinigaglia und Padua. Im Jahre 1848 sang sie in Constantinopel und noch in demselben Jahre in Brüssel; dann vier Winter hindurch in St. Petersburg und vier Frühlingssaisons in Wien, wo sie im Jahre 1853 zur k. k. Hofkammer-Sängerin ernannt wurde. Später sang sie in London und auf allen großen Bühnen Europa’s, in den letzten Jahren entzückte sie die Bewohner der Neuen Welt, wo sie in Gesellschaft mehrerer anderer berühmter Künstler für eine Kunstfahrt von dem bekannten Unternehmer Maretzek [Bd. XVI, S. 439] gewonnen wurde. Ihr Reperoir umfaßt die Opern: Lucrezia Borgia, Ernani; Mathilde von Chabran, Anna Bolena, Norma, Maria di Rohan, Marino Faliero, Nabucco, I Masnadieri, Giovanna la pazza, Robert der Teufel, Hugenotten, Don Pasquale u. s. w. Die Medori ist nicht bloß eine meisterhaft geschulte Sängerin, sondern ihr treffliches, den Rollen streng angepaßtes Spiel macht sie zu einer bedeutenden dramatischen Sängerin. Es gibt deren, die sie die erste dramatische Sängerin der Gegenwart nennen. Treffend und kurz nennt ein neapolitanischer Kritiker, Nicola Tauro, die Stimme der Medori „eine Stimme von Stahl“ (la voce di acciaio).

Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber) 1855, Nr. 628 (14. Juli), S. 44. – Blätter für Musik, Theater u. s. w. Von Zellner (Wien, 4°.) 1855, Nr. 26. – Allgemeine Theater-Chronik 1856, Nr. 28 bis 30, S. 118. – Die Donau (Wiener polit. Blatt) 1855, Nr. 28. – Gazzetta dei teatri (Milano) 1856, No. 31, 47 e 59. – Les modes parisiennes (Paris, 4°.) 1856, Nr. 677, p. 2591. – Porträte. Außerdem ohne Angabe des Zeichners und Xylographen in der Leipziger „Illustrirten Zeitung“ 1855, Nr. 628, S. 44. enthaltenen Holzschnitte ist sie als Norma gezeichnet und lithographirt von E. Kaiser (Wien, Paterno, Fol.).