BLKÖ:Meißl, Leopold Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 288. (Quelle)
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Meißl, Leopold Ritter von (Landwirth, geb. zu Wien im Jahre 1772, gest. 27. Juli 1808). (Im Sohn des Architekten Joseph Meißl. Nachdem er in Wien die Gymnasial- und Humanitätsclassen besucht und, 1790, seinen Vater durch den Tod verloren hatte, ging er nach Deutschland, wo er an den Lehranstalten zu Hamburg, Jena, Kiel und Göttingen seine wissenschaftliche Ausbildung vollendete, und von dort nach fünfjähriger Abwesenheit im Jahre 1795 nach Wien zurückkehrte. Im folgenden Jahre begann der tüchtige Landwirth Peter Jordan [Bd. X, S. 266, Nr. 4] seine damals noch nicht öffentlichen Vorträge über Landwirthschaft, denen er rationale Ansichten über Physiologie, Chemie und Naturlehre zu Grunde legte. [289] Meißl ward sein eifrigster Schüler, bald sein Freund, und faßte in Kürze eine so entschiedene Vorliebe für den gemeinnützlichen Beruf des Landwirthes, daß er in demselben seine Thätigkeit zu concentriren sich entschloß. Mittlerweile hatte ein vortheilhaftes Ehebündniß sein väterliches Erbe beträchtlich vermehrt, er erkaufte die Herrschaft Freienthurm in Mannswörth, in einem in Hinblick auf Bodencultur und darauf Bezügliches höchst verwahrlosten Zustande. Wer die Besitzung im zweiten Jahre nach Meißl’s Uebernahme besucht hätte, würde sie kaum wieder erkannt haben. M. hatte bald zahlreiche geräumige Wirthschaftsbauten aufgeführt, die Gärten des Schlosses in den blühendsten Zustand versetzt, die Felder üppig bestellt, und einen reichen Vorrath an Ackergeräth beigeschafft, an welchem es früher beinahe gänzlich gemangelt hatte. Nun suchten ihn schwere Elementarereignisse heim, ein Hagelschlag verwüstete die Ernte; was noch verschont geblieben, zerstörte der Eisstoß 1799, und um das Maß des Unglückes voll zu machen, verheerte eine furchtbare Feuersbrunst sämmtliche Wirtschaftsgebäude – 18 an Zahl – sammt den Vorräthen, dem Mobiliar und Ackerwerkzeug. So hatte Meißl Alles, was er durch Jahre im Schweiße seines Angesichtes dem widerspenstigen Boden abgetrotzt, in wenigen Stunden verloren. Aber er verlor den Muth nicht, und begann von Neuem, sein Geist raffte sich zu doppelter Energie auf. Er berief seinen älteren Bruder zu sich, welcher des Vaters Kunst – der Vater war Architekt – mit dessen Thatkraft verband, und unter dessen Leitung hob sich aus der Asche ein Bau empor, zierlicher, zweckmäßiger und dauerhafter ausgeführt, als früher, so daß noch kein Jahr vorüber gegangen war, als schon alle Spuren des Unfalles verwischt, und die ganze Anlage in einem weit besseren Zustande wiederhergestellt worden war. Der lohnende Erfolg gab M. noch mehr Schnellkraft, und die Verbesserung schritt zusehends in Feld und Hof immer rascher vorwärts. Ein Ziegelofen, ein Bräuhaus wurden erbaut, dadurch und durch Anderes die verschiedenen Momente einer großen Oekonomie in Wechselbeziehung gebracht, kurz, eine wahre Musterwirthschaft im großartigen Maßstabe hergestellt. Aber auch die nächstfolgenden Jahre waren keine glücklichen, denn 1802 trat eine fast beispiellose Trockenheit ein, und die Saatfelder verdorrten größtentheils, 1803 erneuerte sich das schreckliche Schauspiel der Ueberschwemmung, und 1805 setzte der einfallende Feind diesen traurigen Ereignissen die Krone auf, und seine Willkür und Erpressungen verzehrten vollends, was den Elementen mühsam abgerungen worden war. M. verlor nicht den Muth. Nach der Herstellung des Friedens richtete er sein vorzüglichstes Augenmerk auf die Veredlung seiner Schafheerden, und erzielte guten Fortgang. Insbesondere waren die stattlichen Weideplätze, deren Benützung ihm und der Gemeinde zu gleichen Theilen zustand, diesem Zweige der Landwirthschaft höchst fördernd. Es würde den Zweck dieses Lexikons überschreiten, sollte hier ein Detail der Art und Weise gegeben werden, wie Meißl den Betrieb seiner Wirtschaft leitete, wie er Bodenpflege, Obstbaum- und Viehzucht nach allen Seiten hin gleichmäßig ausbildete, und wie sein Beispiel, seine Ausdauer und Umsicht Nachahmung fanden und in staunenswerther Weise eine Verbesserung der Landescultur in der Umgegend auf weiten Strecken zur Folge hatten. Meißl [290] las Alles, was über Oekonomie und ihre Zweige geschrieben wurde, aber sein Wahlspruch blieb stets: „Prüfet Alles und nur das Gute behaltet“. Er stellte häufig Versuche an, berücksichtigte aber jederzeit die Beschaffenheit seines Bodens und seiner besonderen Verhältnisse. Er äußerte nie eine bestimmte Vorliebe für ein besonderes System der Landwirthschaft, aber er verglich, prüfte, erwog und wählte aus, was seinem Zwecke zusagend schien. Die Eigenthümlichkeiten seiner Besitzung zwangen ihn zu mancher Abweichung von dem damals üblichen System. Sein Futtergarten, nach eigener Ansicht entworfen und ausgeführt, konnte wirklich als Muster aufgestellt werden. Jochweise baute er darin Möhren, Burgunderrüben und Kartoffeln mit der äußersten Sorgfalt, die ihm denn auch gewöhnlich eine sehr reiche Menge von Futtergewächsen abwarf. Dadurch wurde er zum Typus für die Landwirthe der Gegend und erwies die gemeinnützige Wirksamkeit einer rationellen Oekonomie in vielfacher Beziehung. Dabei legte er überall Hand an, handhabte selbst Spaten oder Pflug, lenkte die Gespanne und verabsäumte keine Arbeit als zu gering oder zu lästig. Er war ganz Landwirth, ohne dadurch seine äußere Abgeschliffenheit zu verwahrlosen. Im Gegentheile ließ Meißl nie von seiner Liebe für die Wissenschaften oder von seinem Streben in ihren Studien ab, und wer ihn auf dem Felde, im einfachsten Gewande eines Landmannes gesehen hätte, und dann in den Zirkeln der gebildeten Welt wieder mit ihm zusammengetroffen wäre, würde fast an der Identität der Person gezweifelt haben. Diese Hinneigung zu den Werken der schöngeistigen Literatur stellte sich auch in allen Theilen der Wirthschaftsanlagen dar, und die überall waltende strenge Reinlichkeit, nebst der in’s Auge fallenden Nettigkeit der Formen sprach jeden Beschauer anmuthig an. Zahlreiche Besuche lernbegieriger Männer verbreiteten den Ruf von dieser blühenden Wirthschaft, und bereicherten ihr Wissen durch Meißl’s wahrhafte Mittheilungen, welche um so verläßlicher waren, als er durch eine Reihe von Jahren und unangenehmen Erfahrungen sich gleichsam eine neue Bahn selbst hatte brechen müssen. Auch die Behörden nahmen Kenntniß von seiner Thätigkeit; im Jahre 1807 wurde M. in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Verbreitung einer zweckmäßigeren Cultur des Bodens in den Adelstand erhoben, und von der Landwirthschafts-Gesellschaft zu ihrem Mitgliede erwählt. Aber unter der Last seiner physischen und Geistesanstrengungen hatte seine Gesundheit so sehr gelitten, daß ihn der Tod, da er erst 36 Jahre alt war, dahinraffte.

Adelstands-Diplom vom 14. März 1807. – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1830, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. II, S. 74. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, Ant. Strauß, 4°.) Jahrg. 1808, S. 283 u. 289. – Wappen.' In Blau auf grünem Grunde ein silberner Thurm mit geschlossenem Thore, einem Fenster, drei Zinnen, der obere Theil ist mit schwarzen Mauerstrichen bezeichnet. Auf dem Schilde ruhen zwei zueinandergekehrte gekrönte Turnierhelme. Aus den Kronen beider Helme wachsen drei wallende Straußenfedern, eine silberne zwischen blauen, hervor. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten und beiden Helmen blau, mit Silber belegt.