BLKÖ:Metternich, Lothar von, Churfürst von Trier

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 18 (1868), ab Seite: 54. (Quelle)
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22. Lothar von Metternich, Churfürst von Trier (geb. 31. August 1551, gest. 7. Sept. 1623), ein Sohn Johann’s von Metternich, von der Linie Vettelhofen, aus dessen dritter Ehe mit Katharina von der Leyen. Einer der größten Fürsten seiner Zeit, nimmt er unter den Fürsten des Erzstiftes wohl die hervorragendste Stelle ein. Der Mutter Bruder, der damalige Churfürst Johann von der Leyen, leitete seine Erziehung, nach deren Vollendung Lothar auf Reisen ging, auf denen er einen großen Theil von Europa kennen lernte. Der Erzbischof Johann von Schönenburg erkor ihn zu seinem Vicar in geistlichen und weltlichen Dingen, und als jener am 1. Mai 1599 mit Tode abging, wählte am 7. Juni 1599 das Capitel Lothar zum Nachfolger. Unter dem zwar gütigen, aber schwachen Regimente seines Vorgängers, und nach nur von zwei günstigen Ernten unterbrochenen neunzehn Mißjahren war der Staat dem tiefsten Verfalle, ja beinahe der Auflösung nahe gebracht. Lothar hatte also eine schwere Aufgabe und löste sie während einer 24jährigen Regierung in wahrhaft musterhafter Weise. Nur in einem flüchtigen Umrisse kann hier der Hauptmomente seiner segensvollen Thätigkeit gedacht werden. Er besserte den Trierer Dom und das feste Ehrenbreitstein. Er führte einen strengen Staatshaushalt und eine musterhafte Ordnung der schwer verschuldeten Rent- und Schatzkammer ein, hatte aber eben darum immer Geldes genug für Wissenschaft und Kunst, und für das Beste des katholischen Reichstheiles. Weit entfernt, sich vom damaligen höchst ungünstigen Gange der Ereignisse meistern zu lassen, griff er vielmehr mit Weisheit und Kraft in denselben ein, vermittelte gerne zwischen seinen Nachbarn, verglich und versöhnte dauerhaft, und hielt seinen Feinden gar oft Stand durch Bündnisse und Rüstungen, das [55] Schwert in der Scheide. Die der protestantischen Union entgegengesetzte katholische Liga war Lothar’s Werk, diese „berüchtigte“ (!) katholische Liga, deren alleiniger Zweck Selbstvertheidigung, und die der nicht minder berüchtigten, einzig auf die gewaltsame Vergrößerung ihrer Glieder ausgehenden Union entgegengesetzt worden. Nach Ansicht der Gegner hätte es vermuthlich der Katholiken Schuldigkeit sein sollen, wie Stramberg voll beißender Ironie bemerkt, „sich in Ruhe und Ergebung die Haut über die Ohren ziehen zu lassen“. Lothar’s Werk war es auch, daß in den allerbedrängtesten Augenblicken, unter den drohendsten auswärtigen Gefahren und in dem schrecklichsten Zerwürfnisse von innen, nach dem unseligen Bruderzwiste zwischen Rudolph und Mathias, und nach des Ersteren und Letzteren Tode, als Ferdinand II. den Pfalzgrafen Friedrich als Gegenkönig in Böhmen, Gabriel Bethlen aber als Gegenkönig in Ungarn sah, die Kaiserkrone dennoch bei dem Hause Oesterreich blieb. Im Alter von 75 Jahren starb der große Churfürst Lothar am 7. September 1623, und nicht, wie es in Hormayr’s „Taschenbuch“ 1827, S. 397, heißt, bereits am 28. August 1623. Stramberg zeichnet ihn mit folgenden Worten: Man rühmt die Anmuth und Schönheit seiner Person, die offene Stirne, die hohen dunklen Augenbraunen, die mäßig erhobene Nase, die blühende Gesichtsfarbe, auch den stattlichen Mann, Tiefe in philosophischer Forschung und gründliche Erkenntniß der Rechtswissenschaft, weniger nicht seine Fähigkeit in der lateinischen, italienischen, französischen und flammändischen Sprache, daß er aber die Zeiten erkannt und richtig zu beurtheilen verstand, dieß in einer ausführlichen Darstellung aufzuzeichnen, blieb dem unermüdlichen Forscher und Chronisten des Rheinlandes, Chr. v. Stramberg, vorbehalten. Churfürst Lothar ruht, im Dome zu Trier beigesetzt, zu den Füßen jenes Monumentes, das er selbst im Jahre 1613 sich errichtet. Es steht in der Kirche linker Seite, außerhalb des Chors und hat die Form eines Altars. Die Hauptfigur ist der Fürst selbst, gar kenntlich durch seine edlen Züge, mit St. Michael dem Erzengel zur Seite. Darüber ist der heiligen Jungfrau Aufnahme in die Gemeinschaft der Heiligen, welchen die acht Seligkeiten sich anschließen, dargestellt. Das Ganze wird durch die Darstellung der Einsetzung des Abendmahls, zwischen den Bildsäulen des Glaubens und der Liebe, gekrönt. [Der rheinische Antiquarius. Mittelrhein, II. Abtheilg. 2. Bd. (auch unter dem Titel: Ehrenbreitstein, Feste und Thal). Historisch und topographisch dargestellt durch Chr. v. Stramberg (Coblenz, R. F. Hergt, gr. 8°.) S. 236–288.] –