BLKÖ:Mildorfer, Joseph Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mileter
Band: 18 (1868), ab Seite: 311. (Quelle)
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Mildorfer, Joseph Ignaz (Maler, gebürtig aus Tirol, wo er im 18. Jahrhunderte lebte und arbeitete). Weder die Zeit seiner Geburt noch seines Todes ist bekannt; erstere dürfte jedoch, nach dem Geburtsjahre 1713 seiner Schwester Maria Elisabeth zu schließen, auch in den Anfang des 18. Jahrhunderts fallen. Schon sein Vater Michael Ignaz war Maler, von dem einige Heiligenstücke, Stationsbilder und ein Gemälde bekannt sind, das den Brand der aus Holz erbauten Residenz auf dem Rennplatze zu Innsbruck im Jahre 1728 vorstellt. Dieses Bild befindet sich im Besitze des National-Museums. Das Titelbild in Hermanin, Commentarius ad jus [312] statuarium tirolense (Oeniponti 1716, Fol.), das den Kaiser Karl VI. vorstellt, trägt die Unterschrift: Michel Ign. Mildorfer del. Oeniponti. Joh. Heinrich Stöklin sculp. Aug. Vind. – Sein Sohn Joseph Ignaz erhielt den ersten Unterricht in der Kunst bei seinem Vater, dann ging er nach Wien, wo er bei Paul Troger arbeitete und so gute Fortschritte machte, daß er im Jahre 1742 den ersten Preis in der Malerei an der Akademie erhielt. Im Jahre 1751 wurde er Lehrer seiner Kunst und Hofmaler bei der Herzogin von Savoyen, Emanuela. Er hat Altarbilder, aber auch Kriegs- und Schlachtstücke gemalt. Von seinen Arbeiten sind nur bekannt das von ihm im Jahre 1748 gemalte jüngste Gericht, auf dem Gottesacker zu Innsbruck, und der Prophet Ezechiel, um den die Todtenbeine sich beleben. – Des Joseph Ignaz Schwester Maria Elisabeth (geb. 1713, gest. zu Innsbruck 1792) war Miniaturmalerin. Sie hielt sich längere Zeit zu Rom auf, wo sie bei einem Cardinal wohnte, und so ausgezeichnet schöne Miniaturbilder malte, daß eines derselben mit 70 Zechinen bezahlt wurde. Man kennt von ihrer Hand viele Bildnisse und Heiligenstücke, alle gut gezeichnet und ungemein zart in Farben ausgeführt. In späteren Jahren kehrte sie in ihre Heimat zurück, verlor das Augenlicht und starb hochbetagt im Alter von 79 Jahren. – Das „Tirolische Künstler-Lexikon“ gedenkt noch eines Simon Mildorfer – der vielleicht ein Bruder des Michael Ignaz war – und berichtet von ihm, daß er die Statuen der Franziskanerkirche zu Innsbruck in geschabter Manier zu dem Werke: Encomia domus austriacae (Innsbruck 1715, Jac. Christ. Wagner, Fol.) stach. Den Beisatz sua arte, quam nunquam didicit, den er zu seiner Arbeit gemacht, hält das „Tirolische Künstler-Lexikon“ für überflüssig, weil dieser Stich außerordentlich schlecht ist. In dem von Fr. Müller begonnenen, von Dr. Karl Klunzinger und A. Seubert fortgesetzten und beendeten Werke: „Die Künstler aller Zeiten und Völker“ (Stuttgart, Ebner u. Seubert, Lex. 8°.) erscheinen auf S. 101 Joseph Ignaz und seine Schwester Maria Elisabeth unter dem unrichtigen Namen Milderfer.

Tirolisches Künstler-Lexikon oder kurze Lebensbeschreibung jener Künstler, welche geborne Tiroler waren u. s. w. (Innsbruck 1830, Felician Rauch, 8°.) S. 166–168. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann, 8°.) Bd. IX, S. 292.