BLKÖ:Milicz (auch Milić und Milicius), Johannes

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Milikowski, Johann
Band: 18 (1868), ab Seite: 313. (Quelle)
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Ein ungleich interessanterer, aber einer viel älteren Periode angehöriger Namensgenosse des Obigen ist der Prager Domherr Johannes Milicz (auch Milić und Milicius), der im 14. Jahrhunderte [314] blühte. M. war aus Kremsier in Mähren gebürtig, war zur Zeit des Erzbischofs Ernst von Pardubitz (aus dem Hause Malowecz) Archidiacon, legte aber, um das Predigtamt ungehindert ausüben zu können, diese Würde nieder, und predigte in čechischer und – um auch von Fremden verstanden zu werden – in deutscher Sprache. Es geschah, daß er wegen zu großen Andranges von Zuhörern dreimal an einem Tage die Kanzel besteigen mußte. Dabei führte er selbst einen tadellosen Lebenswandel. Die Lehren, die er vortrug und die ganz im Geiste des ungefälschten Evangeliums gehalten waren, fanden vor seinen Widersachern wenig Beifall und er wurde deßhalb vor den geistlichen Hof beschieden. M. erschien auch, aber sein vorzeitiger Tod scheint eine endgiltige Entscheidung seiner Glaubensansichten vereitelt zu haben, denn M. starb nach Einigen zu Avignon, nach Anderen zu Rom und wieder nach Anderen in Prag am Tage des h. Petrus im Jahre 1374. Aber ein jüngerer Nachwuchs von Geistlichen hatte seine Lehren in sich aufgenommen und in seinem Geiste fortgearbeitet, und so den Grund zu den bedrängnißvollen Hussitentagen gelegt, denn Milicz kann füglich als der eigentliche Vorläufer von Huß angesehen werden. Von seinen Schriften ist außer einem Werke über den Antichrist und einer čechischen Postille nur noch das Werkchen: „Knížky o zármutcích velikých církve svaté“, d. i. Büchlein von den großen Bedrängnissen der heiligen Kirche, bekannt. [Balbinus, Miscell. Bohem., L. IV, P. II, p. 44 et seq. Daselbst befindet sich das Leben des Milicius von einem Anonymus, und zwar einem gleichfalls aus Kremsier gebürtigen Schüler desselben, beschrieben. – Voigt (Adauct), Acta litteraria Bohemiae et Moraviae etc. etc. (Pragae 1774, Joann. Car. Hraba, 8°.) p. 216–230.]