BLKÖ:Malowetz, Ernst von (Erzbischof)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 16 (1867), ab Seite: 340. (Quelle)
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3. Ernst von Malowetz oder wie er sehr häufig genannt wird: Arnest oder Arnost von Pardubitz (geb. 25. März 1297, gest. zu Raudnitz in Böhmen 30. Juni 1364), erster Erzbischof von Prag. Der Name Pardubitz wird in ganz ungehöriger Weise ihm beigelegt, denn er entstammt geradezu der Familie Malowetz, deren Einer damals eben Besitzer von Pardubitz war und also nach diesem genannt wurde. Die Elemente des Unterrichts erlernte er zu Bömischbrod, dann kam er nach Glatz, wo er in der dortigen Schule der Malteser die weitere Ausbildung erhielt. Das Studium der weltlichen und geistlichen Rechte vollendete er zu Braunau im Kloster, dann zu Prag, Bologna und Padua. Seine ausgezeichneten Kenntnisse verschafften ihm bald nach seiner Rückkehr in die Heimat die Aufnahme in das Prager Domcapitel, in welchem er in kurzer Zeit zum Dechant ernannt und als solcher im Jahre 1326 feierlich eingeführt wurde. Als im Jahre 1342 der Prager Bischof Johann IV. mit Tod abging, fiel die allgemeine Wahl der Stände zu dessen Nachfolger auf Ernst. Papst Clemens VI., zu dem Ernst nach Avignon reiste, verlieh ihm die bischöfliche Weihe und zwei Jahre später das erzbischöfliche Pallium, so daß Ernst der erste Prager Erzbischof ist. Auf diesem Posten ist Ernst eine wahre Zierde der Kirchenfürsten seiner und aller Zeiten. Kaiser Karl IV. bediente sich seines Rathes in den wichtigsten Angelegenheiten des Landes, und schickte ihn als Gesandten bei ganz besonderen Anlässen nach Frankreich, Italien und Deutschland. Da er selbst eine gediegene und gelehrte Bildung besaß, war Ernst ein Mäcen der Gelehrten seiner Zeit, dieselben bald mit Geld unterstützend, bald mit Ehrenstellen auszeichnend. Der berühmte Rechtsgelehrte Bartolus verdankt ihm das böhmische Incolat. Ernst hat große Verdienste um die Schulen in Böhmen, die er theils wieder herstellte, theils neu errichtete, auf seinen Antrieb stiftete auch Karl IV. die Prager Hochschule nach dem Muster der Pariser und übernahm Ernst der Erste an derselben die Kanzlerstelle. Zweiundzwanzig Jahre stand Ernst dieser höchsten Kirchenwürde des Landes [341] mit Ruhm und Ehre vor, bekleidete nebstdem die Stelle des päpstlichen Poenitentiarius und erhielt noch kurz vor seinem Tode den Cardinalshut. Ja nach Innocenz VI. Tode neigten sich nicht wenige Stimmen im Cardinals-Collegium seiner Wahl zum Papste zu. Was seine kirchliche Thätigkeit betrifft, so sind seine Statuta Synodi Pragensis sprechende Beweise seiner oberhirtlichen Umsicht und Weisheit, durch dieses Statut wurden die damals gebräuchlichen für die Sitten in Böhmen nicht passenden Kirchengesetze des Mainzer Kirchsprengels abgeschafft und neue vorgeschrieben, in welchen auf die Wiederherstellung der gesunkenen Kirchenzucht sorgfältig Bedacht genommen war. Diese Statuta wurden zuerst zu Pilsen im Jahre 1517 gedruckt, und nach alten Handschriften verbessert im Jahre 1606 von Georg Bartholomäus Pontanus von Breitenberg, Propst der Prager Domkirche, herausgegeben. Ernst verfaßte auch ein Mariale, ein Werk voller Lobsprüche auf die heilige Mutter des Erlösers in einem blühenden den Geschmack jener Zeit weit überragenden Style. Dasselbe wurde auf Befehl Kaiser Ferdinand’s III. nach der Urschrift im Clementinischen Collegium der Jesuiten zu Prag gedruckt. [Pelzel (Fr. Martin), Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler nebst kurzen Nachrichten von ihrem Leben und Wirken (Prag 1773, Wolfgang Gerle, 8°.) I. Theil S. 4. – Illustrirte Chronik von Böhmen. Ein geschichtliches Nationalwerk (Prag 1853, Vetterl, 8°.) I. Band, S. 663: „Das Grabmal des ersten Prager Erzbischofs, Arnest von Malowetz zu Glatz“ (mit Illustration). Von Prof. A. Fähnrich. – Tomek (Wenzel Wladiwoj), Geschichte der Prager Universität (Prag 1849, Haase’s Söhne, 8°.) S. 4, 6, 8, 12. – Prochaska (Faustin), De saecularibus liberalium artium in Bohemia et Moravia fatis commentarius (Pragae 1782, 8.) p. 109, 157. – Balbinas, Vita venerabilis Arnesti primi Pragensis Archiepiscopi (1664). – Porträt. Umschrift des Porträt-Medaillons: ARNESTVS. A. PARDUBICZ. I. ARCHIEP. PRAGENSIS. Unterhalb ein liegender Löwe der das Malowetz’sche Wappenschild hält und die erzbischöflichen Embleme bewacht. (J. Kleinhardt del. 1772, J. Baltzer sc., Pragae, 8°.). – Seine Büste befindet sich im Emporium des Prager Doms und ein Gypsabguß davon im Nationalmuseum. – Eine Abbildung seines Grabmals in der „Illustrirten Chronik von Böhmen“ im 1. Bande zu S. 664.] –