BLKÖ:Voigt, Adauct a Sancto Germano

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Vogtner, Sylvester
Band: 51 (1885), ab Seite: 228. (Quelle)
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Voigt, Adauct a Sancto Germano (gelehrter Piarist, geb. zu Ober-Leutensdorf bei Brück in Böhmen am 14. Mai 1733, gest. zu Nikolsburg am 18. October 1787). In der Taufe erhielt Voigt, dessen Eltern Arbeiter in einer Tuchfabrik waren, dem Namen Nicolaus, den er dann bei seinem Eintritte ins Kloster mit dem Heiligennamen Adauct a Sancto Germano vertauschte. Nachdem er die Schule seines Geburtsortes, in welchem, nur deutsch gesprochen wurde, besucht hatte, kam er auf das Piaristengymnasium in Schlan, wo er sich auch die čechische Sprache aneignete. Vier Jahre lernte er unter den Piaristen und fand solches Gefallen an ihnen, daß er mit der [229] Absicht umging, in ihren Orden einzutreten. Hiermit aber war der Vater nichts weniger denn einverstanden, und um der Sache ein kurzes Ende zu machen, brachte er seinen Sohn nach Komotau, damit derselbe dort bei den PP. Jesuiten Poesie und Rhetorik besuche. Die Väter der Gesellschaft Jesu, welche sich nicht leicht ein hervorragendes Talent für ihren Orden entgehen ließen, richteten nun auch auf den jungen Voigt ihr Augenmerk; aber dieser blieb seinen Schlaner Vätern treu und setzte allen Versuchen der Jesuiten entschiedenen Widerstand entgegen. Er verließ endlich Komotau und ging nach Leitomischl, wo er an dem Piaristencollegium die philosophischen Studien beendete und 1747 in den ihm so lieb gewordenen Orden eintrat. In demselben hörte er auch die theologischen Disciplinen und verlegte sich mit besonderem Eifer auf das Studium des Kirchenrechts und der griechischen und hebräischen Sprache. Auch war er gleichzeitig, der Ordenssitte entsprechend, als Lehrer der lateinischen Sprache thätig. Nun begab er sich auf Geheiß seiner Oberen nach Kirchberg im Großherzogthume Baden, wo er, längere Zeit im Predigtamte verwendet, durch seine duldsame und liebreiche Weise die Sympathien sowohl der Katholischen als der Evangelischen gewann. Auch fand er daselbst zuerst Gelegenheit, mit Gelehrten in engere Beziehung zu treten, und bildete sich immer mehr und mehr wissenschaftlich aus. Hierauf von seinen Klosteroberen nach Böhmen zurückberufen, wirkte er zunächst wieder einige Jahre im Lehramte an verschiedenen Orten, so 1762–1766 zu Ostrau, 1767–1769 zu Schlan, 1770 zu Cosmanos, wo er die Ordensnovizen in der Mathematik und classischen Philologie unterrichtete, bis er endlich 1771 im Collegium seines Ordens zu Prag das Amt des Rectors erhielt. Daselbst blieb er längere Zeit unbekannt und unbeachtet. Als er jedoch eines Tages über einen zu Podmokl gemachten Fund von Goldmünzen seine Ansichten aussprach, fand er sich mit einem Male von Gelehrten und Forschern umgeben, Born, Graf Waldstein, Kinsky, Peithner, Dobner, Schaller und Andere knüpften mit ihm an, ihn ebenso zu weiteren Forschungen anregend, als auch mit den erforderlichen Mitteln, wenn es nöthig war, freigebig unterstützend. So kam seine „Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Münzen“ – die bibliographische Uebersicht seiner Schriften folgt auf S. 230 u. f. – zu Stande, und es war die erste kritische Arbeit auf dem Gebiete der böhmischen Münzkunde. Wenn, wie es bei allen Anfängen der Fall ist, spätere Forscher auf dem neu erschlossenen Gebiete, wie Mader, Sternberg und Andere, ihn überflügelten, so räumten ihm doch die Genannten neidlos das Vorrecht ein, der Vater der böhmischen Münzkunde zu sein, der ihnen die ersten Pfade eröffnet hatte, auf denen es ihnen dann minder schwierig wurde, erfolgreich weiter zu schreiten. Als damals irgendwo im Auslande sich Stimmen erhoben, daß in Böhmen alles höhere geistige Leben daniederliege und von einem wissenschaftlichen Aufschwunge gar keine Rede sei, da ging dies unserem Voigt sehr zu Herzen, und mit Hilfe Pelzel’s, Riegger’s und Anderer schuf er seine Werke: „Effigies virorum eruditorum“ und „Acta litteraria Bohemiae et Moraviae“, durch die er jene Anschuldigungen böhmischer Indifferenz in Sachen der Wissenschaft und Literatur am entschiedensten [230] widerlegte. Um diese Zeit ereignete sich auch folgender Vorfall, an welchem Voigt nicht wenig betheiligt war. Ein gelehrter Prager Rabbiner hatte den festen Entschluß gefaßt, zur christlichen Religion überzutreten. Um sich in entsprechender Weise für diesen Schritt vorzubereiten, suchte er mit seiner Frau, seinen Kindern und drei jüngeren Brüdern Rath und Unterstützung bei Voigt, bei dem er solche zunächst zu finden hoffte, da derselbe nicht nur als gründlicher Kenner der hebräischen Sprache, sondern auch seiner Leutseligkeit wegen allgemein in hoher Achtung stand. Und der Rabbiner hatte in seinen Erwartungen sich nicht getäuscht. Unserem Gelehrten aber ward die Genugthuung, im Jahre 1776 die in den Schooß der christlichen Kirche aufgenommenen Israeliten nach Wien zu geleiten, sie dort der Kaiserin Maria Theresia vorzustellen und den Schutz der erlauchten Herrscherin für dieselben zu erbitten. Diese aber, von der verdienstvollen Wirksamkeit des frommen Ordensmannes längst unterrichtet, schmückte den Gelehrten eigenhändig mit einer goldenen Denkmünze, berief ihn als Professor der Geschichte an die Wiener Universität und ernannte ihn zugleich zum ersten Custos an der akademischen Bibliothek und an der kaiserlichen Münzsammlung. Im nämlichen Jahre erlangte Voigt auch die philosophische Doctorwürde. Vorgenanntes Lehramt legte er in Folge seiner stark angegriffenen Gesundheit 1783 nieder. Kurz vorher ließ er aber noch zwei größere numismatische Werke erscheinen: „Schau- und Denkmünzen unter der Kaiserin Maria Theresia“ und „Deutsche Münzen des Mittelalters“, welche Münzen in der kaiserlichen Münzsammlung aufbewahrt werden. Seines Lehramtes enthoben, begab er sich, bereits sehr leidend, in das Collegium seines Ordens zu Nikolsburg. Dort blieb er ungeachtet seines körperlichen Leidens ununterbrochen wissenschaftlich thätig. Seine letzte Arbeit war die Biographie des Cardinals Dietrichstein, welche aber erst mehrere Jahre nach seinem Tode veröffentlicht wurde. Er starb im Alter von erst 54 Jahren. Der Piaristenorden verlor an ihm eines seiner edelsten und würdigsten Mitglieder, das Vaterland einen Gelehrten, der zu den Zierden der Nation zählt, die Menschheit einen würdigen Priester, der streng gegen sich selbst, tolerant und nachsichtig gegen Andere war. In seinem Nachlasse fanden sich fünfzehn wissenschaftliche Manuscripte vor. Dieser Lebensskizze lassen wir das Verzeichniß der selbständig und in gelehrten Fachschriftenerschienenen Arbeiten Voigt’s folgen: „Schreiben an einen Freund von den bey Podmokl, einem in der Herrschaft Bürglitz in Böhmen gelegenen Dorfe, gefundenen Goldmünzen“, mit KK. (Prag 1771, 8°.); – „Beschreibung der bisher bekannten böhmischen Münzen, nach chronologischer Ordnung, nebst einem kurzen Begriff des Lebens der Münzfürsten und anderer auf die sie geprägt worden; mit eingestreuten historischen Nachrichten von dem Bergbaue in Böhmen“, I. Bandes 1. und 2. Abtheilung (1771–1772); II. Band (1773); III. Band (1774); IV. Band (1787, 4°.); – „Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten und Künstler nebst kurzen Nachrichten von ihrem Leben und Wirken“, 1. und 2. Theil (Prag 1773 und 1774, 8°.); auch in lateinischer Sprache: „Effigies virorum eruditorum atque artificum Bohemiae et Moraviae...“ den folgenden 3. und 4. Theil gab Pelzel heraus, der auch an den beiden ersten Antheil hat; als Einleitung geht [231] dem ersten Bande eine umfassende Abhandlung: „Von der Aufnahme, dem Fortgange und den Schicksalen der Wissenschaften und Künste in Böhmen“, dem zweiten Bande eine „Vorrede von dem gelehrten Adel in Böhmen und Mähren“ voraus; beide Bände enthalten 58 Biographien; die Bildnisse nach Zeichnungen von J. Kleinhardt, Screta, J. Quirin Jahn, Anton Hickel, Renz sind, mit Ausnahme etlicher weniger von Karl Salzer gelieferten, von J. Balzer, doch nicht alle mit gleicher Sorgfalt gestochen; – „Acta, litteraria Bohemiae et Moraviae“, Vol. I, partes 6; Vol. II, partes 6 (Pragae 1774–1775 und 1776–1783, 8°.); eine wahre Fundgrube zur Würdigung älterer die böhmische Literatur betreffender Schriften, welche Voigt kritisch beleuchtet; – „Untersuchung über die Einführung, den Gebrauch und die Abänderung der Buchstaben und des Schreibens in Böhmen“ (Prag 1774, 8°.); auch im ersten Bande der „Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Böhmen; – „Von dem Alterthum und Gebrauch des Kirchengesanges in Böhmen“ (Prag 1775, 8°.); auch im zweiten Bande der „Abhandlungen einer Privatgesellschaft u. s. w.“ und in des Abtes von St. Blasien Gerbert Freiherrn von Hornau[WS 1] Werke: „De cantu et musica sacra a prima ecclesiae aetate usque ad praesens tempus“ abgedruckt; – „Hilarii Litomericensis S. Pragensis Decani disputatio cum Joanne Rokyczana coram Georgio, Pege Bohemiae, per 5 dies habita a. 1465; nunc cum manuscripto codice coaevo archivi metrop. capituli Pragensis diligenter collata, emendata, novisque post Henric. Canisium et Jac. Basnagium observationibus illustrata et cum Praefatione historica de statu Religionis in Bohemia tempore Georgii regis“ (Pragae 1775, 8°. maj.); – „Schau- und Denkmünzen[WS 2], welche unter Maria Theresia geprägt worden sind“, deutsch und französisch, 1. und 2. Abtheilung (Prag 1783, Fol.); – „Numi Germaniae medii aevi qui in numophylacio Caesareo Vindobonensi adservantur“, Pars I (Vindob. 1783, 8°. maj.); – „Ueber den Geist der böhmischen Gesetze in den verschiedenen Zeitaltern. Eine Preisschrift“ (Dresden 1788, 4°.); – in den „Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Böhmen“: „Versuch einer Geschichte der Universität zu Prag von der Stiftung bis zu ihrer durch Joh. Huß veranlaßten Zerstreuung“ [Bd. II (1776)]; – „Ueber den Kalender der Slaven, besonders der Böhmen“ [Bd. III (1777)]; – „Nachricht von merkwürdigen böhmischen Mäcenaten und einigen ihnen sowohl von einheimischen als auswärtigen Schriftstellern dedicirten Büchern“ [Bd. VI (1784)]; – in den „Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften“: „Was ist bis jetzt in der Naturgeschichte Böhmens geschrieben worden? Was fehlt in derselben noch? Welches wären die besten Mittel, sie zu mehrerer Vollkommenheit zu bringen und aus ihr den möglichsten Nutzen für das Vaterland zu ziehen? Eine Preisschrift“ [Bd. I (1785)]; – „Ueber den Gebrauch der Volkssprache bei dem öffentlichen Gottesdienste“ (Wien 1783, 8°.). Voigt gab diese Schrift unter dem Pseudonym Nikl Richter heraus, nennt sich aber in der Zueignung mit seinem Namen. Nach seinem Tode erschien: „Lebensbeschreibung des Cardinals und Bischofs zu Olmütz, Dietrichstein, mit Diplomen und Münzen“, herausgegeben von Fulgentius Schwab (Leipzig 1792, 8°.). [232] In Voigt’s handschriftlichem Nachlasse befanden sich ein fünfter Theil der Beschreibung böhmischer Münzen, welcher die Münzen der berühmtesten böhmischen Familien und merkwürdiger Männer enthält; – ein dritter Theil, gleichfalls in 6 Sectionen, der „Acta litteraria Bohemiae et Moraviae“; eine „Geschichte der Juden in Böhmen“ eine „Geschichte der milden Stiftungen und Armenanstalten in Böhmen; drei Festreden: „De Conceptione B. V. M. sine labe originis“; „De laudibus divi Thomae Aquinatis Angelici Doctoris“; „De laudibus S. Patricii Episcopi Hiberniarum“ und drei Hefte Predigten, welche Voigt zu Kirchberg in Baden gehalten.

Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Prag, 4°.) Bd. III, S. 15. Von Pelzel. – d’Elvert (Christian). Historische Literaturgeschichte von Mähren und Oesterreichisch-Schlesien (Brünn 1850, Rohrer. 8°.) S. 117. – Gerber (Ernst Ludwig). Historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler u. s. w. (Leipzig 1792, Breitkopf, gr. 8°.) Bd. Il, Sp. 747. – Derselbe. Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1814, A. Kühnel, gr. 8°.) Bd. IV, Sp. 482. – Horányi (Alexius). Scriptores piarum Scholarum liberaliumque artium magistri quorum ingenii monumenta exhibet (Budae 1809, typis regiae Universitatis hungaricae, 8°.) tomus II, p. 791. – (De Luca). Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, von Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 231 u. f. – Meusel (Johann Georg). Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Ausgearbeitet von – – (Leipzig 1815, Gerhard Fleischer der Jüngere, gr. 8°.) Bd. XIV, S. 279 u. f. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 579. – Schaller (Jaroslaus). Kurze Lebensbeschreibungen jener verstorbenen gelehrten Männer aus dem Orden der frommen Schulen, die sich durch ihr Talent und besondere Verdienste u. s. w. ausgezeichnet haben (Prag 1799, Gersebek. 8°.) S. 151.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Herbert Freiherrn von Hornau.
  2. Vorlage: Denkmüzen.