BLKÖ:Moser von Ebreichsdorf, Karl Leopold Friedrich Freiherr

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Moser, J. B.
Band: 19 (1868), ab Seite: 149. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: {{{GND}}}, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Moser von Ebreichsdorf, Karl Leopold Friedrich Freiherr|19|149|}}

Moser von Ebreichsdorf, Karl Leopold Friedrich Freiherr (Humanist, geb. 16. October 1688, gest. zu Wien 3. November 1770). Ein Sohn Max [150] Ferdinand’s Ritter von M. aus dessen Ehe mit Maria Clara von Grüner, verwitweten von Ankerskron. Nachdem er eine sorgfältige Erziehung genossen, schickten ihn die Eltern auf Reisen, auf denen er drei Jahre, 1709 bis 1711, zubrachte und Deutschland, die Niederlande, Holland und England besuchte. Im Jahre 1712 wurde er wirklicher niederösterreichischer Regierungsrath und im Jahre 1713 Präses der in Wien niedergesetzten Postcommission. Am 9. Februar 1718 wurde die Familie Moser von dem niederösterreichischen Ritterstande unter die alten Ritterstandsgeschlechter aufgenommen. Im Jahre 1729 ernannte ihn Kaiser Karl VI. zum niederösterr. Land-Untermarschall. Als im September 1741 Wien von den Bayern, die bereits Linz genommen und nun in das Erzherzogthum eindrangen, bedroht ward, versah Moser die Stadt Wien mit Lebensmitteln und erklärte, nachdem der Hof, der Landmarschall und die Verordneten die Stadt verlassen hatten, in derselben zu bleiben. Wichtiger aber als seine Thätigkeit als Land-Untermarschall ist seine humanistische. An der Gründung der savoyischen – später mit dem k. k. Theresianum vereinigten – Akademie auf der Laimgrube in Wien, wodurch die Herzogin Theresia von Savoyen ihr Andenken in Wien verewigte, hat Moser wesentlichen Antheil. Die Vermehrung des gräflich Windhag’schen, nachmals (seit 1802) mit dem k. k. Stadtconvicte vereinigten Alumnates, dessen Alumnenzahl er von 12 auf 26 und Capitalstand um 200.000 fl. gesteigert hat, ist sein Werk. Seiner Wirksamkeit auch, wie Bergmann berichtet, verdanken die von der Gräfin Theresia von Mikosch [Bd. XVIII, S. 282][WS 1] gegründeten Stiftungen: 1) für arme Oberofficiers-Witwen, 2) für arme Studenten, 3) für Ingenieurs-Cadeten, 4 für arme Kinder im St. Johannesspitale, S) für Kranke bei den barmherzigen Brüdern in Wien und 6) bei den Elisabethinerinen ebenda ihre Entstehung. Bei diesen Stiftungen wurde von der Stifterin zunächst ihm, dann aber seiner Familie das Jus praesentandi in perpetuum eingeräumt. Ebenso verdankt ihm die von dem Kammerrath von Tepser für arme Ritterstandswitwen und weibliche Waisen errichtete Stiftung. Durch kluge und umsichtige Verwaltung hat M. die freiherrlich Chaos’sche[WS 2] Stiftung um mehrere hunderttausend Gulden vermehrt, im Jahre 1736 die Versetzung der Knaben aus dem Bürgerspitale in der Stadt in das Chaos’sche Stifthaus auf der Laimgrube bewirkt, aus welchem die Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1754 die nachmalige k. k. Ingenieur-Akademie gestaltete. Auf sein Zuthun wurde darin das Ingenieurwesen gelehrt, und bei den öffentlichen Prüfungen vertheilte er auf eigene Kosten goldene und silberne Belohnungsmedaillen mit Namen und Wappen des Grafen und der Gräfin von Mikosch. Am 6. October 1764 wurde M. in Anerkennung seiner Verdienste zum geheimen Rathe ernannt, zugleich aber der Land-Untermarschallsstelle, die er seit 1729, also durch 35 Jahre, verwaltet hatte, enthoben und mit Diplom vom 26. Jänner 1765 für sich und seine ehelichen Nachkommen in den Reichsfreiherrnstand erhoben. Noch sei bemerkt, daß ein im Jahre 1709 erschienener „Tractatus academicus ex jure publico, canonico et civili“ (Viennae 1709, A. Voigtin, 4°.) Moser’n zum Verfasser hat. Sein Vorhaben, aus der bei Laxenburg gelegenen Herrschaft Achau nebst dem Rüden-Hofe [151] und der Herrschaft Guntramsdorf, die er in den Jahren 1732 und 1756 käuflich an sich gebracht, ein Fideicommiß zu gründen, blieb, da er die kaiserliche Genehmigung nicht erhielt, unausgeführt. Dafür stifteten seine Söhne zwei Geld-Fideicommisse, welche bei der Familie noch bestehen, Aus seinen beiden, zuerst am 11. November 1714 mit Maria Theresia von Cischini (gest. 1742) und dann am 12. August 1743 mit M. Katharina von Brockhof geschlossenen Ehen entstammten 20 Kinder, aus erster Ehe 18, aus der zweiten 2 Kinder, von denen nur Karl Leopold Joachim Daniel, der erstgeborne Sohn aus zweiter Ehe, den Stamm fortsetzte [vergleiche die Stammtafel].

Bergmann (Jos.), Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des österreichischen Kaiserstaates vom XVI. bis zum XIX. Jahrhunderte (Wien 1844–1857, Tendler, 4°.) Bd. II, S. 260.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: [Bd. XVIII, S. 182]
  2. benannt nach dem Stifter: Johann Konrad Richthausen von Chaos (Wikipedia).