BLKÖ:Mroziński, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mrniak, Joseph
Band: 19 (1868), ab Seite: 303. (Quelle)
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Mroziński, Joseph (polnischer Sprachforscher, geb. im Dorfe Koniuch im Brzezauer Kreise Galiziens 19. März 1784, gest. zu Warschau im Jahre 1838, nach Anderen im Jahre 1839). Den Elementar- und Gymnasial-Unterricht erhielt er an galizischen Lehranstalten. In der Kriegsepoche aber, in welche seine Jugendzeit fällt, und in welcher die politische Constellation sich öfter zu Gunsten der Wiederherstellung des alten Polens stellte, folgte er seinem militärischen Drange, und trat im Jahre 1807 als Lieutenant in ein polnisch-französisches Huszaren-Regiment ein. Später kam er in das erste Regiment der Legion jenseits der Weichsel und rückte als ein sonst ausgezeichneter Officier zum Capitän vor. Im Jahre 1811 leistete er Adjutantendienste im Generalstabe Suchet’s; im Jahre 1814 wurde er zum Bataillonschef ernannt. Im J. 1813, bei der neuen Organisation der Armee des Königreichs Polen, wurde M. mit dem Range eines Oberstlieutenants, Chef des Generalstabes der ersten Infanterie-Division; im Jahre 1820 Oberst und im [304] J. 1829 Brigade-General. Während der Jahre 1807–1814 machte er alle Feldzüge ohne Ausnahme mit, erhielt das Kreuz der Ehrenlegion und im J. 1812 wurde er Edelmann des französischen Kaiserreichs mit einer Jahresdotation von 1000 Franken. Im J. 1831 nahm er die Entlassung, zog sich in sein Vaterland zurück und starb zu Warschau im Alter von erst 54 Jahren. Diese Tugenden eines wackeren Kriegsmannes sind es aber nicht, die seinen Namen denkwürdig gemacht, so sehr dieselben der Erinnerung werth sind. M. folgte frühzeitig einem schriftstellerischen Drange, zu welchem ihm jedoch die erforderliche sprachliche Ausbildung fehlte. Er schrieb eine Abhandlung unter dem Titel: „Oblęzenie i obrona Saragossy w latach 1808 i 9 ze względem szczególniejszym na cznnosc korpusu polskiego“, d. i. Belagerung und Vertheidigung Saragossa’s in den Jahren 1808 und 9, mit besonderer Berücksichtigung der Leistung des polnischen Corps, und schickte dieselbe an Bentkowski, Redacteur des „Pamięntnik Warszaeski“. Dieser las die Arbeit und lobte das Thema, schickte aber das Manuscript zurück, das ihm seines Styls wegen für ein Journal unannehmbar erschien, und rieth dem Autor, sich noch besser in der Muttersprache umzusehen. Mroziński nahm den Rath, ohne sich verletzt darüber zu fühlen, entgegen und begann nun mit allem Eifer seine Muttersprache zu studiren, arbeitete seine Abhandlung um und schickte sie nun von Neuem an Bentkowski, der sie auch im 18. Bande seiner Zeitschrift abdruckte. Nach drei Jahren emsigen Studiums und Forschens veröffentlichte aber Mroziński auch das Werk: Piezwsze zasady grammatyki języka polskiego, d. i. Die ersten Grundsätze der Grammatik der polnischen Sprache (Warschau 1822). Mit diesem Werke stellte sich Mroziński mit einem Male in die Reihe der ersten polnischen Sprachforscher. Die Gesellschaft der Warschauer Wissenschaftsfreunde nahm ihn sofort unter ihre Mitglieder auf. Von anderer Seite hingegen wurden die tiefen Gedanken, welche Mroziński in seinem Werke aussprach, irrig aufgefaßt, so daß er auf eine solche Beurtheilung mit einer besonderen Schrift: „Odpowiedż na recenzyję umieszczoną w Gazecie literackiej z roku 1822“, d. i. Antwort auf eine im Jahre 1822 in der Literatur-Zeitung veröffentlichte Recension, im Jahre 1824 erwiederte, in welcher er eine Reihe der wichtigsten, in das Gebiet der Philosophie der polnischen Sprache einschlägigen Fragen erörterte und beantwortete. Von dieser Zeit an bearbeitete man die polnischen Sprachlehren nach den Grundsätzen Mroziński’s. Als die Gesellschaft der Warschauer Wissenschaftsfreunde in ihrem Schooße einen stehenden Ausschuß wählte, dessen Aufgabe es war, die Gesetze des polnischen Schriftthums festzustellen, wurde auch M. in denselben gewählt und ließ die Aufgabe desselben auf das Ernstlichste sich angelegen sein. Ein Denkmal gleichsam, welches dieser Ausschuß sich selbst errichtete, ist das von demselben herausgegebene Werk: „Rozprawy i wnioski o ortografii polskiéj“, d. i. Erörterungen und Anregungen, die polnische Orthographie[WS 1] betreffend (Warschau 1830), in welcher sich auch die Arbeiten Mroziński’s aufgenommen befinden.

Woycicki(K. Wl.). Historyja literatury polskiej w zarysach, d. i. Geschichte der polnischen Literatur in Umrissen (Warschau 1846, Sennewald, gr. 8°.) Bd. III, S. 418; Bd. IV, S. 511. –Rycharski (Lucyan Tomasz), Literatura polska w historyczno-krytycznym [305] zarysie, d. i. Polnische Literatur im historisch-kritischen Grundriß (Krakau 1868, Himmelblau, gr. 8°.) Bd. II, S. 97, 98, 99 u. 335. – Nehring (Wladyslaw), Kurs literatury polskiéj, d. i. Lehrcurs der polnischen Literatur (Posen 1866, Żupański, 8°.) S. 97 u. 98. – Encyklopedija powszechna, d. i. Allgemeine Encyklopädie (Warschau, S. Orgelbrand, gr. 8°.) Bd. XVIII (1864), S. 979.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Ortographie