BLKÖ:Mussafia, Adolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Musnig, Anton
Band: 19 (1868), ab Seite: 475. (Quelle)
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Mussafia, Adolph (Sprachforscher, geb. zu Spalato 15. Februar 1834). Wohl ein Sohn des Rabbiners Johann Amadeus Mussafia in Spalato [s. d. Folg. S. 477]. Die Gymnasialclassen besuchte er in seiner Vaterstadt, wo er auch die Maturitätsprüfung ablegte. Im October 1852 begab er sich nach Wien und ließ sich daselbst vier Semester hindurch in der medicinischen Facultät einschreiben, in Wirklichkeit aber trieb er [476] philologische Studien, vornehmlich romanische Philologie, für die er frühzeitig ein besonderes Interesse hegte. Im Jahre 1855/56 unterrichtete er die Gymnasial-Lehramtscandidaten, welche später an kaiserlichen Lehranstalten in italienischer Sprache thätig sein sollten, in italienischer Sprache und Literatur. M. lehrte an der Universität und im Auftrage des Ministeriums, jedoch war seine Stellung durchaus privater Natur. Vom Jahre 1856 verband er mit dieser Beschäftigung die eines unbesoldeten Lehrers der italienischen Sprache an der Universität. Im November 1860 wurde M., der schon früher zum katholischen Glauben übergetreten war, zum außerordentlichen Professor der romanischen Philologie an der Universität ernannt, und somit war die erste und noch immer die einzige Lehrkanzel für dieses Fach – das an fast allen deutschen Universitäten vertreten ist – in Oesterreich errichtet; im Mai 1867 wurde M. zum ordentlichen Professor dieses Faches ernannt. In der Zwischenzeit trat er aber auch in die kais. Hofbibliothek, und zwar im Jänner 1858 als Hilfsarbeiter ein, daselbst wurde er im Jahre 1863 dritter Amanuensis in der Handschriften-Abtheilung, im October 1867 zweiter Amanuensis. Im Mai 1866 wurde er von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zum correspondirenden Mitgliede der philosophisch-historischen Classe erwählt. Ueberdieß ist M. Mitglied der königlichen Commission zur Herausgabe altitalienischer Denkmäler zu Bologna und seit September 1865 Mitglied des Vorstandes der deutschen Dante-Gesellschaft. Im Mai desselben Jahres betheiligte er sich auch mit einigen Freunden der italienischen Literatur an einer künstlerisch-literarischen Kundgebung anläßlich der Feier des Dante-Jubiläums, welche in der Aula Wiens abgehalten wurde und bei welcher Gelegenheit er eine kritisch-historische Vorlesung über die divina Commedia hielt. Für das nachträglich von ihm über Dante herausgegebene Werk wurde M. von Sr. Majestät mit der goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet. Auf dem oben angedeuteten Gebiete der Linguistik ist M. seit Jahren literarisch thätig und hat theils mehrere selbstständige Werke, theils verschiedene Abhandlungen in Sammelwerken und Journalen herausgegeben. Diese sind in chronologischer Folge, in den Sitzungsberichten der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien: „Handschriftliche Studien. I. Emendationen und Zusätze zur altfranzösischen metrischen Uebersetzung des Psalters ed. Michel“ (1862); II. „Zu den altfranzösischen Gedichten der Marcusbibliothek in Venedig“ (1863); III. „Ueber die zwei Wiener Handschriften des Breviari d’Amor“ (1864); – „Beiträge zur Geschichte der romanischen Sprache“ (1862); – „Ueber die Quelle der altspanischen Vida de Maria Egipciana (1863); – „Ueber die Quelle des altfranzösischen Dolopathos“ (1864); – „Monumenti antichi di dialetti italiani“ (1864); – „Sui codici della divina commedia che si conservano alla bibliotheca di Vienna e di Stoccarda“ (1865); – „Beiträge zur Crescentiasage. I. Ueber eine italienische metrische Darstellung der Crescentiasage“ (1866); II. „Eine spanische Darstellung der Crescentiasage“ (1867); – „Ein Beitrag zur Bibliographie der Cancioneros aus der Marcus-Bibliothek“ (1866); – „Del codice Estense di rime provenzali“ (1867); – „Zur rumänischen Vocalisation“ (1868); – „Darstellung der altmailändischen [477] Mundart nach Bonvesin’s Schriften“ (1868); – „Beiträge zur Literatur der sieben weisen Meister“ (1868). Die vorgenannten sämmtlichen Abhandlungen sind auch in Sonderabdrücken erschienen. Im Almanach der kais. Akademie für 1866 theilte M. mit die Reihenfolge der Schriften Ferdinand Wolf’s, eine bibliographische Zusammenstellung aller Arbeiten des Verewigten, wovon auch ein Separatabdruck erschienen ist. Von seiner bereits im Jahre 1860 herausgegebenen „Italienischen Sprachlehre in Regeln und Beispielen, für den ersten Unterricht bearbeitet“ (Wien, W. Braumüller) ist 1865 eine zweite, 1868 die dritte Auflage erschienen. Mit Unterstützung der kais. Akademie gab M. heraus: „Altfranzösische Gedichte aus venetianischen Handschriften“ (Wien 1864, Gerold, 8°.), 2 Theile in einem Bande: I. „La prise de Pampelune“; II. „Macaire“; – „Trattato de regimine rectoris“ (in altvenetianischer Mundart) di fra Paolino Minorita“ (Vienna e Firenze 1868, Tendler & Comp. e Vieusseux, 8°.). Ueberdieß ist M. Mitarbeiter an mehreren wissenschaftlichen, vornehmlich linguistischen Journalen und Sammelwerken, so am „Ateneo italiano“, an Borghini’s zu Florenz erscheinender „Rivista italiana“, am „Propugnatore“, an der „Rivista ginnasiale“, an der „Wiener (amtlichen) Zeitung“ im literarischen Theile und ihrer früheren Beilage: „Oesterreichische Wochenschrift“; an dem in Leipzig erscheinenden „Jahrbuche für romanische und englische Literaturen“. Von einzelnen der in den genannten Fachblättern erschienenen Abhandlungen sind auch besondere Abdrücke erschienen, wie z. B.: „Difese d’un illustre“ (Vienna 1861), worin es sich um Boccaccio handelt; – „Sopra il Decamerone di G. Boccaccio, ed. Fanfani“ (1857); – „Ueber Dante Alighieri“ (1865), aus der „Oesterreichischen Wochenschrift“ – und „Zur Erinnerung an Ferdinand Wolf“, aus der „Wiener Zeitung“.

Il Nazionale (in Zara erscheinendes Journal) 1864, Nr. 102, im Appendice: „Degli scritti di Adolfo Mussafia“. – Literarisches Centralblatt, herausgegeben von Friedr. Zarncke (Leipzig, Avenarius, 4°.) 1854, Sp. 688: über Mussafia’s „Altfranzösische Gedichte“; 1865, Sp. 789: über die Quelle des altfranzösischen „Dolopathos“; Sp. 845: über seine handschriftlichen Studien; Sp. 1227 über seine italienische Sprachlehre; 1867, S. 25: über seine Beiträge zur Crescentiasage; Sp. 1112: über seinen „Codice Estense di rime provenzali“; Sp. 1404: über die dritte Auflage seiner italienischen Sprachlehre. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1865, Nr. 134. – Wiener Zeitung 1865, Nr. 109.