BLKÖ:Nádasdy-Fogáras, Leopoldine Gräfin

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Nádaskay, Ludwig
Band: 20 (1869), ab Seite: 23. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Nádasdy-Fogáras, Leopoldine Gräfin|20|23|}}

Nádasdy-Fogáras, Leopoldine Gräfin (Humanistin, geb. zu Wien 13. September 1804). Diese unter dem Namen Coeur d’Ange (Engelsherz) in Wien allgemein verehrte Dame ist die Schwester des ehemaligen siebenbürgischen Hofkanzlers, Franz Seraph Grafen Nádasdy [s. den Vorigen], und eine Tochter des im Jahre 1854 verstorbenen Grafen Michael N. [s. d. S. 18, Nr. 13], Erb-Obergespans der Komorner Gespanschaft, aus dessen Ehe mit Antonia Gräfin Zichy-Vasonykeö. Seit mehr als drei Decennien spendet diese Dame, die sich durch die Art und Weise, wie sie spendet, ein Anrecht auf den Namen Engelsherz (Coeur d’Ange) erworben – der versteckten und verschämten Armuth, richtet manches gebeugte Gemüth in seiner Trostlosigkeit von Neuem auf, thut Gutes, wo es nach den von ihr eingezogenen Erkundigungen nöthig, leistet rasche und oft ausgiebige Hilfe, wo ihre nach allen Seiten ausgeschickten Kundschafter ihr berichten, daß solche am rechten Platze. Lange war es Geheimniß, wer sich unter dem Namen Coeur d’Ange verberge, denn unter diesem wurde die Gabe gespendet, die Hilfe geleistet; erst durch einen Todesfall sollte der Schleier gelüftet werden. Es starb nämlich am 6. April 1856 die Mutter der Gräfin Leopoldine, die Frau Gräfin Antonia Nádasdy. Mit einem Male verbreitete sich die Nachricht: Coeur d’Ange sei gestorben und machte die Runde durch die Blätter des In- und Auslandes. Das Abendblatt der „Donau“ 1856, Nr. 81, hatte zuerst die Todesnachricht gemeldet und die „Theater-Zeitung“, die nach dieser Richtung ziemlich genau unterrichtet zu sein pflegte, diese Meldung zuerst widerrufen. Der Name Coeur d’Ange“ war sogar im Auslande bekannt, und aus Frankfurt, München, Berlin kamen Anfragen um ihre Adresse, um ihr poetische Huldigungen darzubringen. Mehrere Damen in Ischl hatten einen kostbaren Teppich gestickt, um ihn der Frau oder dem Fräulein Coeur d’Ange als Zeichen dankbarer Anerkennung für so viele Beweise echter Menschenliebe zu verehren. Die Damen wendeten sich an die Redaction [24] der „Theater-Zeitung“ wegen der Adresse. Die Redaction übersendete den Brief an die Gräfin Leopoldine N., die ihr als Coeur d’Ange von mehreren zuverlässigen Personen in Wien bezeichnet ward; aber die Gräfin, die nun einmal den Schleier des Geheimnisses nicht lüften wollte, erwiederte: „Ich bin nicht Coeur d’Ange, daher kann ich das angebotene Geschenk nicht annehmen“. Als später, wie oben berichtet worden, durch ein trauriges Ereigniß der Schleier des Geheimnisses gehoben ward, verschwand der Name Coeur d’Ange allmälig im Verzeichnisse der Wiener Wohlthäter, aber wohl nur im Verzeichnisse, denn, daß sie fort und wahrscheinliche unter neuer Hülle Gutes thut, wer wird daran nur zweifeln. Noch sei bemerkt, daß der dramatische Volksdichter Berg unter dem Titel „Coeur d’Ange“ ein sehr wirksames Volksstück zur Aufführung gebracht hat.

Wiener allgemeine Zeitung (vormals Theater-Zeitung) von Adolph Bäuerle, 46. Jahrg (1852), Nr. 292: „Coeur d’Ange“. – Donau (Wiener politisches Blatt) 1856, Nr. 81. – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1856, Nr. 163 [diese beiden Blätter geben Nachricht von dem Ableben der Gräfin, welches bald darauf von allen Blättern widerrufen und dadurch das Geheimniß, das sich an den Namen Coeur d’Ange seit Jahren knüpfte, gelüftet wurde].