BLKÖ:Naccari, Luigi

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Nabielak, Ludwig
Band: 20 (1869), ab Seite: 2. (Quelle)
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Naccari, Luigi (Maler, geb. zu Chioggia, einer bei Venedig gelegenen und durch eine Brücke mit der Stadt verbundenen Insel, im April 1818, gest. im Jahre 1858). Seine auf der Insel Chioggia ansäßige Familie gehört zu den ersten derselben. Der Vater war Arzt, die Mutter Antonia eine geborne Bonivento. Frühzeitig gab sich in dem Sohne das Talent für die Malerei kund, und der Vater, diesem Winke der Natur folgend, unterstützte anfänglich das Talent, ließ ihn zuerst nach Vorlegeblättern, dann nach der Natur zeichnen, so daß er im Alter von 12 Jahren schon anfing, Aquarelle zu malen. Als es nun aber galt, ihn zur ferneren künstlerischen Ausbildung nach Venedig auf die Akademie zu schicken, wozu der um Rath befragte berühmte Maler Natale Schiavoni auf das Ernstlichste rieth, konnte der Vater, der aus seinem Sohne einen Ingenieur, einen Arzt oder Advocaten, nur keinen Maler werden lassen wollte, sich dazu nicht entschließen, und Naccari kam statt auf die Akademie, auf’s Gymnasium. Nichtsdestoweniger brach sich das Talent des Knaben, der seine Uebungen im Zeichnen und Malen selbst fortsetzte, seine Bahn, und ohne weitere Anleitung begann er in Oel zu malen. Seine ersten Arbeiten in dieser für ihn neuen Richtung waren einige Copien von Gemälden Schiavoni’s, worauf er sich an die Anfertigung von Bildnissen wagte. Mit 14 Jahren unternahm es N. sogar, ein großes Altarbild für die Pfarrkirche zu Fasana zu malen. Dasselbe stellte das Wunder der Madonna della neve vor und wurde N. dazu durch den Pfarrer des Ortes angeregt, der, das Talent des Jünglings erkennend, ihm diese Aufgabe stellte. Noch malte N. in dieser jugendlichen Periode außer mehreren Bildnissen seiner Angehörigen und einiger Freunde des Hauses, von denen einzelne mit einer Frische und Lebendigkeit, welche überraschen, ausgeführt sind, ein Altarbild für die Kirche in Chioggia, vorstellend „Die Mutter des Heilandes und der h. Johannes zu beiden Seiten des Kreuzes“, und viele Copien von Werken berühmter Künstler, vornehmlich Natale Schiavoni’s. Unter solchen Umständen beendete er das Gymnasium, und da es nun galt, sich für einen Lebensberuf zu entscheiden, der wenig Aussicht darbietende eines Malers aber durchaus nicht nach dem „Wunsche seines Vaters war, so wählte N. die technische Laufbahn, die eines Ingegnere, wie es in Italien heißt, weil er hoffte, auf derselben denn doch zunächst seinem inneren Drange zur Kunst genügen zu können. So bezog er denn im November 1836, damals 18 Jahre alt, die Hochschule zu Padua. In dieser Stadt finden sich, wenn auch nicht in solchem Grade wie in dem alten Venedig, immerhin noch Kunstschätze der Vergangenheit, die das Auge des Künstlers fesseln und ihn mit Bewunderung erfüllen. So z. B. enthält die chiesa de’ frati Eremitani daselbst eine Capelle, in welcher sich die herrlichsten Werke Mantegna’s, eines der größten Künstler des [3] 15. Jahrhunderts, befinden. Diese Bilder copirte im Jahre 1841 der Paduaner Maler Vincenz Gazzotto mit Hilfe einiger Schüler, und einer dieser Schüler war Luigi Naccari. Gazzotto hatte nämlich eine eigene Malerschule eröffnet, in welche Naccari alsbald, als er Gazzotto kennen gelernt, eintrat und unter seines Meisters Anleitung, der überdieß seine eigenen Studien an Werken eines Giotto, Mantegna gemacht, sich in erfreulichster Weise entwickelte. Indessen setzte aber N. auch, dem Wunsche seines Vaters entsprechend, die technischen Studien fort. Bei Gazzotto arbeitete N. theils nach trefflichen Copien, theils nach dem Modell oder auch nach der Natur. Im Jahre 1842 besuchte er mit seiner Mutter Bologna und sah dort zum ersten Male Malereien von Raphael, mit denen sich ihm eine neue Welt der Kunst erschloß und welche seine Begeisterung für eine Kunst, die er ohnehin aus voller Seele liebte, nur noch steigerten. Sechs Jahre – auf diese Zeit war zwischen Meister und Schüler auch das Uebereinkommen geschlossen worden – blieb N. in Gazzotto’s Atelier, im Jahre 1845 eröffnete er schon, wenn nicht als fertiger, so doch als hoffnungsvoller Künstler sein eigenes. Der Ruf seiner Tüchtigkeit verbreitete sich bald durch einige Arbeiten, welche gefallen hatten, und so meldeten sich auch bald Schüler, die von ihm unterrichtet sein wollten. N. war vornehmlich als Porträtmaler gesucht und in der That zeichneten sich seine Bildnisse ebenso durch Aehnlichkeit, als durch treffliches naturwahres Colorit und künstlerische Plastik aus. Er malte in Oel und Aquarell, und von den Bildern letzterer Art zeichnete sich besonders eines aus, das unter dem aus Sue’s Mystères bekannten Namen „Fleur de Marie“ beliebt geworden. Das stürmische Jahr 1848 und die nächsten, welche ihm folgten, lebte N. ausschließlich seiner Kunst, und zwar sich in Studien mannigfacher Art über dieselbe vertiefend, da es sonst wenig Beschäftigung gab. Im Jahre 1850 unternahm er zu künstlerischen Zwecken eine Reise nach Mailand, Parma und Florenz, welche sich auf mehrere Monate ausdehnte und von der er eine reiche Mappe von Entwürfen, Compositionen und verschiedenen Studien mitgebracht. Unter seinen zahlreichen Bildnissen sind als solche von denkwürdigeren Personen bemerkenswerth, das seines Meisters Gazzotto, des Arztes Leopold Biaggi, des berühmten Linguisten Dr. Marzolo, der Frau A. Jacur, der Gräfin Da Rio, des Herrn Galter, eines der gelungensten Werke des Künstlers und der Frau Sartori-Piovene; ferner ein kleines Madonnenbild, dann die Pellegrina di Bonefond, nach einer französischen Lithographie, ungezählt die zahlreichen Copien guter alter Bilder, welche zerstreut im Privatbesitze sich befinden. Mitten in seiner künstlerischen Thätigkeit befiel ihn ein anfänglich unscheinbares Leiden, welches sich aber allmälig so bösartig entwickelte, daß es den Künstler inmitten seiner hoffnungsvollen Laufbahn im kräftigen Mannesalter von erst vierzig Jahren dahinraffte.

Della Vita di Luigi Naccari pittore Memorie di A. C. (Padova 1858, Pietro Prosperini, gr. 8°.). – Porträt. Facsimile des Namenszuges: Luigi Naccari. Vincenzo Gazzotto (pinxit), (Pietro Sinigaglia sc.) (4°. u. gr. 8°.). –