BLKÖ:Nadherny, Johann Edler von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Nagel, Joseph Anton
Band: 20 (1869), ab Seite: 28. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Jan Nepomuk Nádherný in der Wikipedia
GND-Eintrag: 138671354, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Nadherny, Johann Edler von|20|28|}}

Nadherny, Johann Edler von (Landwirth und Humanist, lebte in der zweiten Hälfte des 18. und in der ersten des 19. Jahrhunderts. Todesjahr unbekannt, war im Jahre 1840 noch am Leben). Der Sohn eines wohlhabenden Prager Bürgers, erhielt eine sorgfältige Erziehung und widmete sich später dem Betriebe des Bergbaues, den er mit großer Umsicht und mit lohnenden Erfolgen, insbesondere auch für die umwohnende Bevölkerung, leitete. So errichtete er auf der im Jahre 1799 erkauften Herrschaft Kamenitz im Taborer Kreise ein Eisenwerk mit Hochöfen, drei Eisen-Stabhämmern, zwei Nagel- und Werksschmieden, was die Anlage von vier neuen Dörfern, die Beförderung des Verdienstes und die Beschäftigung vieler hundert Menschen zur Folge hatte. Der Werth der Besitzung hatte sich auch so gehoben, daß dieselbe die im Jahre 1799 um 360.000 fl. feil geboten worden, schon im Jahre 1805 mit 713.000 fl. geschätzt wurde. Auf der Staatsherrschaft Saar in Mähren, deren Pächter er vom Jahre 1801 bis 1813 gewesen, hat er die daselbst befindlichen Eisenhütten nebst dem Hammerwerke wesentlich verbessert und die Mittel zum Bezuge der Erze gefördert, den Ertrag zu Gunsten des Aerars auf das Siebenfache gesteigert und den Gesammtwerth der Herrschaft um ein Bedeutendes erhöht. Das gänzlich in Verfall gerathene Eisenwerk Zawieschin im Prachiner Kreise Böhmens hat er im Jahre 1805 wieder in blühenden Zustand versetzt und die Metallproduction um ein Bedeutendes gehoben. – Aber auch dem landwirthschaftlichen Betriebe hat N. stetig und erfolgreich sein Augenmerk zugewendet. So hat er auf seinen Herrschaften, Gütern und Besitzungen Kamenitz, Kollinetz, Podoll, Autschin und Vltschkowitz im Klattauer Kreise, Chotowin und Zahorzi im Taborer Kreise, Swinarz und Lhotta im Berauner Kreise, Dub im Prachiner Kreise, Adersbach im Königgrätzer Kreise und Gistebnitz im Taborer Kreise durch Emporbringung des Ackerbaues, durch [29] kostspielige Versuche beim Anbaue früher im Lande nicht erzeugter landwirthschaftlicher und commercieller Gewächse, durch Pflanzung von Obstbäumen und Anlagen von Obstgärten, durch Urbarmachung bisher öder Gründe und durch mit großen Kosten verbundene Vermehrung und Veredlung der Viehzucht der Ertrag bedeutend erhöht, die Forstcultur verbessert, den Wohlstand der umwohnenden Bevölkerung gehoben; ferner hat er viele neue Meierhöfe erbaut, die Wirthschafts- und obrigkeitlichen Gebäude in den besten Zustand versetzt, neue landwirthschaftliche Industriezweige eingeführt und so im Ganzen den Culturzustand dieser Gegenden zusehends um ein Bedeutendes vervollkommnet. – Aber auch nach anderer nicht minder wichtiger Seite hat N. Nachahmenswerthes geleistet, so hat er durch Zufristungen und auch gänzliche Nachsicht obrigkeitlicher Gaben, durch beträchtliche Unterstützungen und Vorschüsse bei jeder Gelegenheit und durch Vertheilung veredelten Zugviehes die Unterthanen seiner Besitzungen[WS 1] in einen so blühenden Wohlstand versetzt, daß dieselben, die vordem so verarmt waren, daß nicht einmal die laufenden Steuern von ihnen eingebracht werden konnten, dann alle Abgaben und Lasten anstandslos leisten und alle Rückstände nachzahlen konnten. – Auch als Schul- und Kirchenpatron entfaltete N. ein gemeinnütziges Wirken; er errichtete aus eigenen Mitteln auf dem Gute Svinarz eine neue Schule, begründete eine Stiftung zur Erhaltung eines Caplans bei der Chotowiner Pfarrkirche, brachte die Kirchen und Patronatsgebäude auf seinen Besitzungen in den besten Bauzustand, und betheiligte sich mit beträchtlichen Summen bei dem Baue der neuen Kirche in Ober-Adersbach und bei der Herstellung sämmtlicher zur Chotowiner Pfarre gehörigen Wirthschaftsgebäude. – Die Förderung des Schulwesens ließ er sich gleichfalls sehr angelegen sein, so stellte er zu Chotowin und Qualisch auf der Herrschaft Adersbach neue Schulen her; schaffte die erforderlichen Mittel herbei zur Erhaltung der Schulen in Chinetz und Ratkow, ließ auf eigene Kosten die Schulkinder mit den nöthigen Schulrequisiten und Kleidern versehen, belohnte die besten Schüler mit entsprechenden Prämien, unterstützte namhaft die Lehrer, leistete auch sonst ansehnliche Beiträge für die zum Schuldienste untauglich gewordenen Lehrer und für die Pensionirung ihrer Witwen. – In den verschiedenen Kriegsepochen, welche zu seiner Zeit sein Vaterland heimgesucht, bewies er bei jeder Gelegenheit seinen humanen Patriotismus, er brachte ansehnliche Beiträge für die Armen dar, verzichtete auf beträchtliche Summen für geleistete Kriegslieferungen, unterstützte kranke Krieger, Verwundete und Invaliden, versorgte die zurückgebliebenen Soldatenweiber, gab Beiträge zu Invalidenstiftungen u. dgl. m. Zur Zeit der Cholera-Epidemie widmete er nicht nur eine beträchtliche Summe dem Sanitätsfonde, sondern stellte auf seinen Besitzungen auf eigene Kosten einen Arzt an und ließ seinen Unterthanen unentgeltlich die Arzneien verabreichen. – Auch für Herstellung neuer Straßen und Wege leistete er freiwillig ansehnliche Beiträge. Nicht nur, daß auf seinen eigenen Besitzungen für die Communicationen auf das Beste gesorgt war, so war er für möglichste Förderung des Verkehrs auch weiter auf das Ernstlichste bedacht, so z. B. betheiligte er sich aus freien Stücken an der Herstellung der von Prag nach Tabor führenden Straße, am Baue der Brücke bei Morawetz, am Baue [30] des Jordaner Teichdammes, der Straße von Tabor nach Pisek u. dgl. m. – Als Mitglied mehrerer humaner und gemeinnütziger Vereine förderte er die Bestrebungen des böhmischen Museums, der Feuerassecuranz, suchte der Impfung bei dem dagegen anstrebenden Landvolke Eingang zu verschaffen, unterstützte das Taubstummen-Institut und alle übrigen Prager Wohlthätigkeits-Anstalten und war mehrere Jahre hindurch Mitvorsteher des Prager Waisenhauses. Diese behördlich und actenmäßig erhobenen Verdienste fanden Allerhöchst ihre Anerkennung, indem N. mit Diplom vom 30. November 1838 in den erbländischen Adelstand mit dem Ehrenworte Edler von erhoben wurde. – Johann Nadherny’s Sohn Ludwig Karl Nadherny Ritter von Borutin (geb. auf der Herrschaft Kamenitz in Böhmen im Jahre 1800) beendete die juridisch-politischen Studien und trat im Jahre 1826 bei der judiciellen Abtheilung des ehemaligen Hofkriegsrathes in die Auditoriatspraxis, gab aber dieselbe auf und übernahm im Jahre 1837 die Verwaltung der seinem Vater gehörigen, im Riesengebirge gelegenen Herrschaft Adersbach. Nachdem sein Vater gestorben, fielen ihm noch die Domänen Chotowin, Gistebnitz und Wesseliczko zu, auf welchen er nun ganz im Geiste seines Vaters auf Verbesserung der Cultur nach verschiedenen Seiten hinarbeitete. So führte er auf seinen vorerwähnten Gütern den Reps-, Hopfen- und Kleebau im großartigen Maßstabe ein, wodurch die Insassen dieser Domänen, die bis dahin diese Fruchtgattungen gar nicht kannten, gleichfalls zum Anbaue derselben aufgemuntert und ihnen nun eine neue reiche Erwerbsquelle eröffnet wurde. Große Summen verwendete er ferner für den Straßenbau, für Anlage von Obstgärten und Obstalleen, zu welchem Zwecke er den Insassen aus seinen eigenen Baumschulen die Obstbäume überließ; für Erbauung von Schulen, deren er mit beträchtlichem Kostenaufwande zu Gistebnitz und Chotowin herstellen ließ, für Erbauung einer neuen Kirche zu Gistebnitz, da die alte eingestürzt war. Im Jahre 1863 stiftete er ein Capital von 12.000 fl. zur Aufbesserung der Gehalte der unteren Chargen im Militär, vom Feldwebel aufwärts bis zum Hauptmann, und solcher kaiserlicher Beamten, welche die höheren Studien beendet und sich im Genusse eines Gehaltes unter 1200 fl. befinden. Die Descendenten des Stifters, von dessen Enkeln beginnend, und zwar zunächst männliche, in deren Ermangelung weibliche und für den Fall des Aussterbens des Stammes des Stifters auch Seitenverwandte, sind zum Genuße der Stiftung berufen. Ausführlicheres darüber theilt die „Bohemia“ 1863, in der Beilage Nr. 101, S. 1107, mit. Ferner hat er auch auf seinen Besitzungen wesentlich zur Förderung und Verbreitung des Spinnunterrichtes beigetragen, und durch Vervollkommnung des Handgespinnstes, der Zubereitung und Röstung des Flachses u. s. w. die Linnenindustrie in Adersbach, wo er auch aus eigenen Mitteln eine Spinnschule errichtete, um Beträchtliches gehoben. Nach dem Muster seiner Spinnschule sind in kurzer Zeit viele andere in Böhmen, Mähren und Schlesien entstanden und ist dadurch Tausenden von Webern und Hilfsarbeitern ein lohnender Nebenerwerbszweig eröffnet worden. In Anerkennung dieser Verdienste wurde Ludwig Karl von Nadherny mit Diplom vom 8. September 1865 in den erbländischen Ritterstand erhoben.

Adelstands-Diplom mit dem Ehrenworte [31] „Edler von“ ddo. 30. November 1838 für Johann Nadherny – und Ritterstands-Diplom ddo. 8. September 1865 für seinen Sohn Ludwig Karl Edlen von Nadherny mit dem Prädicate von Borutin. – Wappen. Gevierteter Schild. 1: in Gold ein aus dem unteren Schildesrande hervorwachsender vorwärts gekehrter Bergmann in natürlicher Gestalt, in der erhobenen Rechten Schlegel und Eisen verschränkt haltend, die Linke in die Hüfte stemmend; 2 und 3: in Roth ein silberner, eckig gezogener Querbalken; 4: in Blau ein goldenes Spinnrad. Auf dem Schilde ruhen zwei gekrönte Turnierhelme. Auf der Krone des rechten steht ein linkssehender ausgebreiteter schwarzer Adler mit ausgeschlagener rother Zunge; jene des linken trägt einen rothen, mit einem eckig gezogenen silbernen Querbalken bezeichneten Adlerflügel. Die Helmdecken. Diese sind rechts schwarz mit Gold, links roth mit Silber belegt. Devise. Unter dem Schilde zieht sich ein goldenes Band, worauf in schwarzer Lapidarschrift die Devise: Semper idem steht. Das frühere einfache Adelswappen zeigt in 1, 2, 3 die nämlichen Felder; in 4 befand sich statt des goldenen Spinnrades der silberne nach innen schreitende Löwe. Auf dem Wappenschilde erhob sich ein gekrönter Helm, aus dessen Krone zwei mit den Sachsen gegeneinander gekehrte offene Adlerflügel hervorwuchsen, deren rechter von schwarzer, der linke von rother Farbe, ersterer von einem silbernen Querbalken durchzogen war. welchen ein rother, eckig durchzogener Querbalken durchschnitt, während der linke Adlerflügel mit drei silbernen Sternen belegt war. Die Helmdecken waren rechts roth mit Silber, links schwarz mit Gold belegt; das Band, das die Devise trug, war blau, und die Devise „Semper idem“ in silberner Lapidarschrift. – Uebrigens weisen die zum Theile gleichen Wappenfelder und die Gleichheit der Devisen auf eine Stammverwandtschaft der beiden Familien, nämlich jener des Protomedicus Ignaz und jener des Gutsbesitzers Johann, hin.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Besitzunngen.