BLKÖ:Nagy, Johann (Sprachforscher)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 20 (1869), ab Seite: 54. (Quelle)
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Nagy, Johann (Sprachforscher, geb. zu Steinamanger 30. März 1809). Nachdem er die unteren Schulen und das Gymnasium beendet, trat er, dem Studium der Theologie sich widmend, in das geistliche Seminar zu Steinamanger. Nagy zählte damals 18 Jahre. Zwei Jahre später, im Jahre 1829, kam er in das Central-Seminar nach Pesth, wo er sich mit allem Eifer mit dem Studium der orientalischen Sprachen [55] beschäftigte, und im Jahre 1830, anläßlich des fünfzigjährigen Jubiläums der Universität, mit Gedichten in orientalischen Sprachen öffentlich auftrat. Nebenbei sei hier bemerkt, daß diese Gedichte die ersten sind, die mit orientalischen Typen aus einer ungarischen Druckerei hervorgegangen sind. Auch beantwortete er im nämlichen Jahre die kirchenhistorische Preisfrage: Worin bestand die Lehre der christlichen Kirche in den ersten drei Jahrhunderten? (Mi volt a ker. anyaszentegyház tanitása a három első században?) in so ausgezeichneter Weise, daß seiner Abhandlung von der Beurtheilungscommission der Preis zuerkannt wurde. Seine tüchtigen sprachlichen Kenntnisse veranlaßten nun, daß er zum Lehrer der ungarischen Sprache für die Seminaristen ernannt wurde, welches Lehramt er durch zwei Jahre versah. Nachdem er nun auch die Priesterweihe erlangt, trat er in die Seelsorge, und zwar vorerst als Caplan zu Baltavár, worauf er in gleicher Eigenschaft nach Rába Szt. Michael übersetzt wurde. Im Jahre 1836 berief ihn sein Bischof nach Steinamanger zurück zur Uebernahme des Studien-Directorats im Seminar. Da man bisher allgemeines Völker- und ungarisches Recht im Seminar nicht vorgetragen hatte, hielt er aus eigenem Antriebe außerordentliche Vorlesungen über diese Gegenstände. Im Jahre 1839 wurde er endlich Professor der orientalischen Sprachen und der Bibelkunde. Nagy ist seit Jahren insbesondere in seinen Fächern literarisch thätig, und seine fachwissenschaftlichen Abhandlungen sind nicht nur in verschiedenen Zeitschriften, als „Tudományos gyüjtemény“, „Sion“, „Athenaeum“, „Religio és Nevelés“ abgedruckt, sondern mehrere seiner Arbeiten sind auch selbstständig erschienen. Noch zur Zeit, als er im Seminar den Zöglingen ungarische Sprache vortrug, gab er, damals erst 23 Jahre alt, bereits die „Grammatica linguae hungaricae cum paralellismo inter Aramaeam, Hebraeam, Arabicam et Hungaricam ducto etc.“ (Pest 1832, 8°.) heraus. Dann beantwortete er eine von der ungarischen Akademie im Jahre 1833 gestellte sprachwissenschaftliche Preisfrage, die auch eines Preises würdig befunden und unter dem Titel: „A magyar nyelv szóalkató, s modositó ragainak nyelvtudományi vizsgálata“ , d. i. Wissenschaftliche Untersuchung der ungarischen Sprache behufs der Ethymologie und der modificirten Suffixe (Ofen 1834) abgedruckt erschien; einige Jahre später unterzog er sich neuerdings der Beantwortung einer sprachwissenschaftlichen Preisfrage, welche auch unter dem Titel: „Tiszta magyar gyökök“, d. i. Reinungarische Sprachwurzeln im zweiten Bande der sprachwissenschaftlichen Preisarbeiten abgedruckt steht. Nun bearbeitete er ein größeres lexikalisches Werk, das er dann unter dem Titel: „Hierolexicon polymathicum latino hungaricum-latinmagyar köztanulatos egyházi műszótár“ (Steinamanger 1845) herausgab und das von der theologischen Facultät mit dem Preise Horvath- Szilasy betheilt wurde. Mehrere andere theologische Abhandlungen und einige Kanzelreden stehen in dem von Szalay herausgegebenen „Egyházi beszédek gyüjteménye“ abgedruckt. Nagy’s Verdienste um die Wissenschaft wurden an maßgebender Stelle wiederholt gewürdigt, denn die königlich ungarische Akademie ernannte ihn schon am 15. November 1833 zum correspondirenden und am 1. September 1838 zum wirklichen Mitgliede der philologischen Classe. Seine Stelle als Mitglied [56] trat er mit einem Vortrage über vergleichende Sprachwissenschaft an. N. ist ein fleißiges Mitglied seiner Classe; als das Akademiemitglied Joseph Kassay [Bd. XI, S. 26] starb, hielt N. in der feierlichen Sitzung der Akademie am 24. November 1843 seine Gedächtnißrede.

Toldy (Ferenc), A Magyar nemzeti irodalom története a legrégibb időktől a jelenkorig rövid előadásban, d. i. Geschichte der ungarischen Nationalliteratur von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart (Pesth 1864–1865, Gustav Emich, gr. 8°.) S. 358 u. 359. – Ujabb kori ismeretek tára, d. i. Neues ungarisches Conversations-Lexikon (Pesth 1850, Gust. Heckenast, Lex. 8°.) Bd. V, S. 451. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjté Ferenczy Jacab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Jos. Danielik (Pesth 1856, Gust. Emich, 8°.) S. 332.