BLKÖ:Nedetzky von Nedetz, Anton Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Neder, Michael
Band: 20 (1869), ab Seite: 117. (Quelle)
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Nedetzky von Nedetz, Anton Freiherr (k. k. Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Nedecz im Trencsiner Comitate Ungarns im Jahre 1760, gest. auf seiner kleinen Besitzung Betzko in demselben Comitate 31. October 1852). In Ungarn blüht seit Jahrhunderten in eben demselben Trencsiner Comitate, in welchem Anton N. geboren, eine Adelsfamilie, Namens Nedeczky [siehe Näheres in den Quellen]; ob Anton aus derselben abstammt, ist aus den genealogischen Tafeln, deren vier Iván Nagy in seinem Werke über Ungarns Adelsfamilien (Magyarország családai czimerekkel és táblákkal), Bd. IX, S. 106 u. f., mittheilt, nicht zu ersehen, wenigstens erscheint ein Anton auf keiner derselben. Auch schreibt sich die Familie mit cz, Nedeczky von Nedecz, während sich der Major Anton selbst mit tz. Nedetzky von Nedetz, schreibt, in welcher Weise er auch in seinem Freiherrn-Diplom geschrieben erscheint, welch letzterer Umstand jedoch am wenigsten etwas bedeuten will, weil die Willkür in der Namensschreibung bekanntlich stets eine sehr große war und noch ist. Anton N. trat im April 1778, achtzehn Jahre, alt, als Gemeiner in das 6. Huszaren-Regiment, damals Graf Hadik. Im October 1790 kam er als Wachtmeister mit dem Regimente zur Armee in den Niederlanden und nahm an den nun folgenden Kämpfen rühmlichen Antheil. Im Feldzuge des Jahres 1793 erkämpfte er sich in der Schlacht bei Aldenhoven die silberne Tapferkeitsmedaille. Im Mai 1794 rückte er zum Unterlieutenant, im Februar 1799 zum Oberlieutenant im Regimente vor. Im November 1804 war er Escadrons-Commandant und stand als solcher im Jahre 1805 bei der Armee in Deutschland, desgleichen im Jahre 1809. Im letztgenannten Jahre befand sich das Regiment im Armee-Reservecorps eingetheilt. Am 22. Mai stand er mit der Oberstlieutenants-Division im Centrum des vorgeschobenen Armee-Reservecorps, mit dem linken Flügel an ein Infanterie-Bataillon angelehnt. Er hatte Befehl. mit seiner Escadron zum Plänkeln vorzugehen, und, eben in der Ausführung des Befehls begriffen, gewahrte er, wie eine Abtheilung französischer Kürassiere auf die zur Unterstützung aufgestellte zweite Escadron und das nebenanstehende Infanterie-Bataillon mit großem Ungestüm eindrang und beide bereits zum Weichen brachte. Da sammelte N. rasch seine im Plänkeln aufgelöste Escadron, führte sie im Rücken und in die Flanke des Feindes. Mit drei Zügen seiner Escadron griff er denselben sofort an, der vierte Zug stellte sich gegen die herbeieilende feindliche Unterstützung. Sein überraschender Angriff, sowie jener des vierten Zuges brachte die Feinde in Unordnung und bei der andauernden Bravour der Angreifer sofort zum Weichen. Einige Wochen später that sich N. bei Hollabrunn in ausgezeichneter Weise hervor. Die österreichische Armee – es war am 9. Juli – war im vollständigen Rückzuge begriffen und dabei richtete das feindliche Geschützfeuer in den Reihen [118] derselben gräuliche Verwüstungen an. Gegen eine von den Unseren sehr schwach besetzte Anhöhe, deren Behauptung jedoch von um so größerer Wichtigkeit war. als von ihr aus die sich zurückziehenden Truppen theils flankirt, theils gänzlich abgeschnitten werden konnten, rückte ein halbes französisches Grenadier-Bataillon im Sturmschritte vor. Den vorrückenden Grenadieren folgten in geringer Entfernung zwei gleichstarke Unterstützungs-Abtheilungen. Die Gefahr war augenscheinlich, die Folgen bei Gelingen des Feindes unabsehbar, nebstdem hatte der Feind alle Vortheile des Terrains für sich. Nedetzky übersah bald die ganze Situation der Unseren. Ohne Befehl abzuwarten, griff er, seine Huszaren geschickt vertheilend, das Quarré der französischen Grenadiere von drei Seiten zugleich an und rieb es vollständig auf, eine Abtheilung seiner Escadron rückte nun gegen die feindliche Unterstützung vor, diese so lange aufhaltend, bis Nedetzky seine durch den eben angeführten Angriff völlig zerstreute Truppe wieder gesammelt und formirt hatte. Nun durch einen tapferen Angriff auf die feindliche Unterstützung wurde auch dieselbe von gleichem Loose ereilt und jede weitere Gefährdung der von den Unseren noch immer besetzten Anhöhen war vollends beseitigt. Für diese in ihren Folgen so entscheidende, aus eigenem Antriebe unternommene und siegreich ausgeführte Waffenthat wurde N. im Ordenscapitel des Jahres 1810 mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet und noch im nämlichen Jahre (1810) – nicht, wie es in Hirtenfeld’s Werk über den Maria Theresien-Orden und in dessen Militärkalender heißt, im Jahre 1812 – in den Freiherrnstand erhoben. Im Jahre 1812 trat N. kränklichkeitshalber mit Majors-Charakter in den Ruhestand über. Vierzig Jahre noch genoß er denselben, bis er, der sich durch eigenes Verdienst vom Gemeinen zum Stabsofficier und Freiherrn emporgeschwungen, auf seiner kleinen Besitzung Betzko im Trencsiner Comitate im Jahre 1852, im hohen Greisenalter starb.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 31. August 1810. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, gr. 4°.) 1852. S. 653; 1853, S. 13. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 1044 u. 1747. – Oesterreichischer Militär-Kalender, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, kl. 8°.) V. Jahrgang (1854), S. 121. – Wappen. Ein längsgetheilter Schild. In der rechten blauen Hälfte steht auf drei grünen Hügeln ein zum Angriffe gestellter Bär von natürlicher Farbe, der von oben herab mit einem Pfeile durch den Hals geschossen ist; in der linken silbernen Hälfte sind ein Lorbeer und Palmzweig in Form eines Andreaskreuzes gestellt. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf der sich ein in’s Visir gestellter Helm erhebt, aus dessen Krone der im Wappen beschriebene Bär hervorwächst. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten blau, mit Silber belegt.