BLKÖ:Negri, Christoforo

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Negri, Benedict
Band: 20 (1869), ab Seite: 130. (Quelle)
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Negri, Christoforo (Staatsmann, geb. zu Mailand im Jahre 1809). Die unteren Schulen und die Fachwissenschaften studirte er an verschiedenen Anstalten des lombardisch-venetianischen Königreichs und an einigen Universitäten des Kaiserstaates. So hörte er ein paar Jahrgänge der juridischen Studien zu gleicher Zeit mit dem Herausgeber dieses Lexikons an der Gratzer Hochschule, und schon damals bekundete sich das entschlossene vorwärtsstrebende Wesen des jungen Mannes, der mit besonderem Eifer geographische und national-ökonomische Studien trieb, aber ein sonst geselliger Kamerad war, der auch mit den deutschen Studenten gute [131] Gemeinschaft hielt. Nachdem er die Berufsstudien beendet und durch ein paar wissenschaftliche Arbeiten, darunter eine ganz vortreffliche Schrift über den verschiedenen Grad der Machtstellung der modernen Staaten unter dem Titel: „Della potenza proporzionale degli Stati europei sui mari e nelle colonie“ (Milano 1840, 8°.), sich als ein tüchtiger Fachmann legitimirt hatte, wurde er im Jahre 1840 zum Professor an der Universität in Padua ernannt. Dort war er durch mehrere Jahre thätig, bis ihn die achtundvierziger Bewegung aus seiner gelehrten Beschäftigung in’s öffentliche Leben fortriß. Als die italienische Erhebung einen allgemeinen Charakter annahm, wurde Negri Präsident des Vertheidigungs-Ausschusses, der sich in der Stadt Padua gebildet hatte. Die provisorische Regierung von Venedig ernannte ihn zum Director der Rechtsstudien, und er bekleidete dieses Amt, bis die kaiserliche Macht in Venetien wieder hergestellt war. Nach der Einnahme Vicenzas durch die Kaiserlichen fand er es gerathen, etwaigen gegen seine Person gerichteten Maßnahmen durch die Flucht sich zu entziehen. Bald berief ihn die piemontesische Regierung und ernannte ihn zum Präsidenten der Turiner Universität. Von diesem Posten trat er in kurzer Zeit in das Ministerium des Auswärtigen über, welches zu jener Zeit Gioberti leitete und N. wurde in demselben Chef der Section für die Consulate und den Handel, welchen Posten er seit 1849 mit großem Erfolge bekleidet. König Victor Emanuel bediente sich des tüchtigen kenntnißreichen N. zu mehreren wichtigen Missionen, so zu einer nach Portugal, in neuerer Zeit erst zu einer nach Paris. Negri war es auch, der nach Ueberwindung mannigfacher Schwierigkeiten die piemontesische Regierung zu bewegen wußte, daß die Fregatte Magenta zu einer Weltumsegelung beordert wurde, an welcher zugleich eine diplomatisch-wissenschaftliche Mission sich betheiligte, um Handelsverbindungen mit China und Japan zu eröffnen, Tractate mit den genannten Staaten zu schließen und so in stetem Contacte mit denselben zu bleiben, wobei im Hinblicke auf die seit Jahren sich verschlechternden Seidenernten, auch eine Regeneration der Seidenzucht durch frische, an der Urquelle gesammelte Eier in Bedacht genommen wurde. Ja, als die Absendung dieser Expedition fest beschlossen war, wurde N. selbst an die Spitze der sie begleitenden diplomatischen Mission für den entfernten Osten gestellt. Von wissenschaftlichen, durch den Druck veröffentlichten Arbeiten N.’s sind noch anzuführen[WS 1]: „Sulle vicende dell’ interno diritto pubblico di Roma antica“ (Milano 1842, Bernardoni, 8°.) und das erst in jüngster Zeit erschienene Werk: „Della grandezza italiana“, eine gesammelte Folge publicistischer Aufsätze, welche Negri früher in den wichtigsten Journalen der Halbinsel hatte erscheinen lassen und worin er bemerkenswerthe Aufschlüsse über die Tendenzen und Politik des Königreichs Italien gibt.

L’Illustration (Pariser illustr. Zeitung, kl. Fol.) 1865.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: anzuführten.