BLKÖ:Oswald a S. Josepho, Kaspar

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Oswald, Ferdinand
Band: 21 (1870), ab Seite: 124. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Oswald a S. Josepho, Kaspar|21|124|}}

Oswald a S. Josepho, Kaspar (Piarist und Architekt, geb. zu Iglau in Mähren im Jahre 1729, gest. zu Waitzen in Ungarn im Jahre 1781). Wurde im Jahre 1749, damals 20 Jahre alt, als Laienbruder in den Orden der frommen Schulen aufgenommen, in welchem er mit besonderem Eifer technische Studien, vornehmlich aber Baukunst und Architectur betrieb. Als seine Obern sein Talent erkannten, schickten sie ihn zur weiteren Ausbildung auf Reisen, und er besuchte auf denselben die größeren Städte Italiens und Deutschlands, auf welchen er eindringliche Studien in seiner Kunst machte. Von seiner Künstlerfahrt zurückgekehrt, gab er bald eine Probe seiner Geschicklichkeit. Er baute die ehemalige Stiftskirche zu Nikolsburg, ein finsteres düsteres Bauwerk, um und schuf eine niedliche lichte Kirche. Nun ging er nach Chotowin in Böhmen, wo er auch eine sehr schöne Pfarrkirche aufführte. Durch diese Bauten wuchs sein Ruf so, daß sich die Aufträge von allen Seiten mehrten, und nun wurden unter seiner Leitung und Aufsicht mehr als neunzehn stattliche Kirchen in Ungarn und Böhmen erbaut. Cardinal Migazzi [Bd. XVIII, S. 244] wendete dem tüchtigen Mönch-Architekten seine Huld zu und berief ihn nach Waitzen in Ungarn, damit er dort nach dem Plane Canevari’s eine prächtige Kirche nach dem Modelle der St. Peterskirche in Rom im verjüngten Maßstabe, dann eine bischöfliche Residenz und noch mehrere andere Bauten von Grund aus neu aufführe, welche Aufgaben auch Oswald in befriedigendster Weise löste. In der That ist auch die Kathedralkirche Maria Himmelfahrt zu Waitzen in Ungarn eine der schönsten Kirchen dieses Landes. Das prächtige Portal ruht auf 12 Säulen, die beiden Thürme haben 126 Fuß Höhe, die Kirche selbst ist 32 Klafter lang und 14 breit. Oswald starb auch daselbst, erst 52 Jahre alt, eines plötzlichen Todes. Der Mönch aus Karlsbad, Oswald, dessen Nagler in seinem „Künstler-Lexikon“, Bd. X, S. 417, gedenkt, ist unser Pater Oswald, [125] Priester der frommen Schulen; wenn aber Nagler berichtet, daß er im Jahre 1781 die Kirche zu Hotowin erbaute, so irrt er sich in der Jahrzahl, denn Oswald starb in eben diesem Jahre, als er in Waitzen, mit den erzbischöflichen Bauten beschäftigt, weilte.

Schaller (Jaroslaus), Kurze Lebensbeschreibungen jener verstorbenen gelehrten Männer aus dem Orden der frommen Schulen, die sich durch ihr Talent u. s. w. ausgezeichnet haben (Prag 1799, Geržábek, 8°.) S. 144. – Horányi (Alexius), Scriptores Scholarum Piarum, Ungaria, tom. II, p. 427 et 428. –