BLKÖ:Příhonský, Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Přikryl, Karl
Band: 23 (1872), ab Seite: 295. (Quelle)
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Příhonský [sprich; Pschihonsky] Franz (gelehrter Theolog, geb. zu Prag 6. October 1788, gest. zu Bauzen 12. Jänner 1859). Sohn bürgerlicher Eltern, besuchte er das Gymnasium auf der Prager Kleinseite, begann nach Beendigung derselben die philosophischen Studien und befreundete sich um diese Zeit mit dem damaligen Professor der Theologie Bolzano [Bd. II, S. 35]. Im Elternhause religiös erzogen und seinem eigenen Drange folgend, wählte er das Studium der Theologie, ohne jedoch seine Lieblingswissenschaften, Literatur und Philosophie, zu vernachlässigen. 1807 trat er in das erzbischöfliche Seminar und erhielt im Jahre 1811 die Priesterweihe. Nun trat er in die Seelsorge und kam zuerst als Caplan nach Slap im Breslauer Vicariate; dort verweilte er sieben Jahre – ein Jahr als Administrator –- und erwarb sich die Liebe und Achtung der Bevölkerung und für seine Verdienste um das Schulwesen die Anerkennung des Consistoriums; überdieß setzte er ununterbrochen seine wissenschaftlichen Studien fort und blieb in beständiger Verbindung mit Bolzano. 1818 bewarb er sich um die Stelle des Adjuncten der theoretischen und praktischen Philosophie, welche er bis 1822 [296] versah; im Jahre 1819 wurde er überdieß Supplent der Aesthetik, der Geschichte der schönen Literatur und der Geschichte der Philosophie, welche Wissenschaften er durch volle vier Jahre vortrug. Nachdem die Lehrkanzel der Aesthetik definitiv besetzt worden war, ernannte ihn der Erzbischof von Prag zum geistlichen Administrator und Beichtvater der Karmeliter auf dem Hradschin. Nach abgelegten strengen Prüfungen erlangte er am 1. Juni 1824 die philosophische Doctorwürde. Noch im September desselben Jahres legte er seine Administratorsstelle nieder und folgte einem Rufe des Bischofs und Decans des Bauzner Capitels zur Uebernahme der Direction des Lausitz-Serbischen Seminars in Prag. Daselbst erwarb er sich große Verdienste um die Heranbildung der Geistlichkeit für die Lausitz und für Sachsen. Für seine Verdienste um das Seminar wurde er im Jahre 1834 Ehren-Canonicus des Bauzner Capitels und im Jahre 1839 residirender Canonicus von Bauzen. Im Jahre 1843 erfolgte seine Ernennung zum Capitular und Scholasticus, 1854 zum Cantor und 1857 zum Senior des Capitels. Ueberdieß versah er vom Jahre 1827 an während seines ganzen Aufenthaltes in Prag die Vorstandsstelle der Blindenanstalt und trug durch mehrere Jahre im katholischen Seminar und den Gymnasiasten der serbischen Nation die čechische Sprache vor. Die letzten Jahre war P. immer leidend und suchte in Bädern Hilfe für seine Kränklichkeit, welcher er endlich zu Bauzen im Alter von 71 Jahren erlag. Die anstrengende Beschäftigung in seinem Berufe ließ ihm nur wenig Zeit zu wissenschaftlichen Arbeiten; im Drucke sind von ihm folgende Werke erschienen: „Neuer Antikant, oder Prüfung der Kritik der reinen Vernunft“ (Bauzen 1850); – „Bolzano’s kurze Lebensbeschreibung“ (Weimar 1850); – „Statuten des Collegiat-Stiftes St. Petri zu Budissin in ihrer Entstehung und Fortbildung“ (Budissin 1858). Außerdem gab er mehrere Schriften von Bolzano heraus, und zwar: „Kurzgefasstes Lehrbuch der katholisch-christlichen Religion als der wahren göttlichen Offenbarung“ (Bauzen 1849); – „Paradoxien des Unendlichen“ (Leipzig 1851); – „Drei philosophische Abhandlungen und vier akademische Reden“ (Leipzig 1851), in dieser Schrift gibt P. eine ausführliche Darstellung der literarischen Arbeiten Bolzano’s und seiner Freunde unter dem Titel: Bolzano-Literatur; – „Atomen-Lehre des seligen Bolzano (Bauzen 1857). P., der schon bei Lebzeiten sehr wohlthätig war, hinterließ sein kleines Baarvermögen den Kranken, seine Bibliothek zum Theile dem Capitel und katholischen Seminar von Bauzen, zum Theile dem Lausitz-Serbischen Seminar zu Prag. P. ist im Schiff der Kirche zum heil. Nikolaus begraben, wo ihm sein früherer Schüler und der jetzige Titularbischof und Dechant von Bauzen ein steinernes Grabdenkmal setzen ließ; ein dauerndes Denkmal aber errichteten ihm einige seiner Zöglinge zu Ehren seines sechszigsten Geburtstages, indem sie am 6. October 1848 einen Verein für solche Knaben begründeten, deren Wohnort weit von der Schule gelegen ist; diese Stiftung, für welche einzelne der Gründer sofort einen größeren Capitalsbetrag erlegten, Andere wieder sich zur Leistung jährlicher fester Beiträge anheischig machten, besteht noch zur Zeit unter dem Titel: Dr. Přihonsky’sche Kommunikandenanstalt.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladislaus Rieger [297] (Prag 1859, I. L. Kober,, Lex. 8°.) Bd. VI, S. 944.