BLKÖ:Prießnitz, Vincenz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Příhonský, Franz
Band: 23 (1872), ab Seite: 290. (Quelle)
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Prießnitz, Vincenz[BN 1] (Wasserheilkünstler, geb. zu Gräfenberg bei Freiwaldau in Oesterreichisch- Schlesien 4., nach Anderen am 5. October 1799, gest. ebenda 28. November 1851). Der Sohn eines von seinen Mitbürgern auf das Höchste geachteten schlesischen Bauers, erhielt er nur den, nach den damaligen Verhältnissen üblichen Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen auf der Stadtschule zu Freiwaldau. Der regelmäßige Besuch dieser Schule dauerte jedoch auch nicht lange, da er, erst sechs Jahre alt, seinen älteren Bruder, der die Wirthschaft übernehmen sollte, durch das Nervenfieber verlor, und er nun an dessen Stelle zu den landwirthschaftlichen Arbeiten umsomehr angehalten wurde. P. zeigte schon als Knabe ungewöhnliche Anlagen, besonders neben einem ausgezeichneten Gedächtnisse eine scharfe und seltene Beobachtungsgabe. Da er sich sehr viel in der freien Natur aufhielt, so konnte es seinem Auge nicht entgehen, welche Einwirkung der Witterungswechsel auf Pflanzen und Thiere hervorbrachte. Ebenso übersah er nicht, wie verwundete und verletzte Thiere die beschädigten Theile gern im Wasser zu baden pflegen. Ferner bemerkte er, daß beschädigte Haus- und Wirthschaftsthiere sich schnell erholten, wenn er kaltes Wasser in Anwendung brachte. Diese verschiedenen Beobachtungen und der Umstand, daß er sich selbst einen gequetschten Finger durch Anwendung des kalten Wassers heilte, brachten ihn dahin, auch Anderen bei einer ähnlichen Verwundung das kalte Wasser als Heilmittel anzugeben, und so wurde P. bereits mit seinem fünfzehnten Jahre ärztlicher Rathgeber seiner Umgebung. Besonders ein Ereigniß, das aber für P. bald einen tödtlichen Ausgang gehabt hätte, war es, welches seinen Glauben in die Heilkraft des kalten Wassers noch mehr bestärkte. Es trug [291] sich folgendermaßen zu: P. wurde von seinem durchgehenden Pferde vom Wagen gerissen, der mit Getreide beladene Wagen ging ihm über die Brust und brach ihm einige Rippen. Er wurde bewußtlos aufgefunden, nach Hause gebracht und der herbeigerufene Wundarzt gab wenig Hoffnung, denn, meinte dieser, wenn P. schon das Leben, was jedoch sehr fraglich, erhalte, so werde er doch fortwährend ein Krüppel bleiben. P. ließ nun die von dem Arzte verschriebenen Kräuter in Wein kochen, um sich die verordneten Umschläge zu machen. Jedoch statt Linderung seiner Schmerzen zu erhalten, wurden dieselben immer unerträglicher, so daß er sich endlich die Umschläge mit der größten Anstrengung vom Leibe riß, um das kalte Wasser, wie in so vielen Fällen, auch jetzt als Heilmittel in Anwendung zu bringen. Zuerst richtete er sich selbst die gebrochenen Rippen ein und machte sich hierauf aus nassen, ausgewundenen Tüchern kalte Umschläge, worauf die Schmerzen nachließen und er in einen ruhigen Schlaf verfiel. Nach zehn Tagen war P. so weit hergestellt, ohne auch nur das geringste Wundfieber gehabt zu haben, daß er seinen häuslichen Geschäften wieder nachgehen konnte. Durch diese seine eigene Heilung war P.’s Vertrauen in die Heilkräfte des kalten Wassers so fest und unerschütterlich geworden, daß er dasselbe bei allen Verletzungen, die ihm bekannt wurden, anwendete. Dabei war P. bei den Curen, die er unternahm, so vom Glücke begünstigt, daß ihm fast alle gelangen und er mit 19 Jahren bereits einen so ausgebreiteten Ruf besaß, daß er nach Mähren und Böhmen zu kranken Personen gerufen wurde. So lange P. arme Leute unentgeltlich curirte, wurde er als Wundermann gepriesen und in den Himmel erhoben. Als jedoch auch Fremde kamen, die bei dem jungen Naturarzte Hilfe suchten und nachdem sie diese gefunden, ihm auch Beweise ihrer Dankbarkeit überreichten, ließen Neid, Gehässigkeit und Mißgunst nicht lange auf sich warten. Besonders die Aerzte in Freiwaldau und Umgebung würdigten den jungen Mann ihrer besonderen, wenn auch nicht gerade freundschaftlichen Aufmerksamkeit, da sie fühlten, daß er sie in ihrem Erwerbe beeinträchtige, und waren bemüht, ihm im Vereine mit den Beamten alle nur erdenklichen Hindernisse in den Weg zu legen. Auch die Geistlichkeit fand es nicht unter ihrer Würde, selbst von der Kanzel herunter gegen P., den „schlechten Propheten“, wie sie ihn nannten, zu predigen, und zwar so lange, bis sich ihr Hauptschreier gezwungen sah, sogar Hilfe und Linderung seiner Schmerzen bei P. zu suchen; nachdem aber auch er sie gefunden, wurde er nun ein ebenso entschiedener Anhänger der Hydropathie, als er früher ein Gegner derselben gewesen. Derselbe Geistliche gab P. nun einige medicinische Bücher, welche dieser aufmerksam durchlas, jedoch mit der Bemerkung zurückstellte, er wolle keine anderen, er würde sonst nur verwirrt werden. Da die Anzahl der Kranken, welche nach Gräfenberg zu P. kam, stets größer wurde, so sah er sich im Jahre 1822 gezwungen, das alte hölzerne Haus, welches er bis dahin mit seinen Eltern bewohnt hatte, niederzureißen, es bedeutend vergrößert aus Stein wieder aufzubauen und außerdem noch ein zweites Stein- und mehrere Holzgebäude zu errichten. In seinem 26. Jahre traf ihn durch den Verlust seiner Mutter ein harter Schlag, da er in ihr den Ordnung haltenden Geist seiner Wirthschaft verlor. Jedoch dauerte diese Verlegenheit nicht lange, indem er [292] in der Tochter des Schulzen von Böhmischdorf, die er am 5. Februar 1828 heirathete, eine tüchtige und sorgsame Hausfrau erhielt, die vollständig geschaffen war, die Stelle seiner Mutter auszufüllen. Daß P. durch die verschiedensten Krankheiten, die er behandelte, in der Anwendung seines Mittels immer gewandter wurde, versteht sich wohl von selbst, auch wurde sowohl die Zahl derer, die nach Gräfenberg kamen, als auch die derjenigen, welche ihn zu sich holen ließen, immer bedeutender. P. hatte aber auch fernerhin viel von der Gemeinheit seiner Gegner zu leiden. Im J. 1829 wurde er wegen Curpfuscherei angeklagt und zu einem mehrtägigen Arreste, mit Fasten verschärft, verurtheilt. P. ergriff jedoch den Recurs gegen diese Verurtheilung, welcher auch zur Aufhebung des richterlichen Spruches führte. 1831 wurde ihm nachdem er schon seit 1829 jährliche Verzeichnisse der Curgäste hatte erscheinen lassen, die Bewilligung zur Errichtung einer Badeanstalt zu Theil. Jedoch sollte dieselbe bloß auf körperliche Reinigung und auf Aufnahme von Gästen aus der Umgebung beschränkt sein. Dieß aber war nicht leicht möglich, da Kranke, die Reisen unternommen, um zu P. zu gelangen, sich nicht ohne weiteres fortschaffen ließen. Neue Klagen der Aerzte und die Anfrage einer deutschen Regierung veranlaßte die österreichische Regierung, den Dr. Baron Türkheim nach Gräfenberg zu senden, um über P. und dessen Anstalt einen vorurtheilsfreien und unparteiischen Bericht zu erstatten. Türkheim, nachdem er sich von den Verhältnissen persönlich genaueste Kenntniß verschafft, sandte nun einen im höchsten Grade günstigen Bericht über P. und dessen Heilverfahren ein und sprach sich ganz entschieden gegen die Aufhebung des Bades aus. Der Erfolg dieses Berichtes war für P. sehr vortheilhaft, es wurde ihm nun gestattet, daß die Badeanstalt unter seiner Leitung fortbestehe, nur mußten die für die übrigen Bäder erlassenen gesetzlichen Vorschriften in Betreff der Straßenbeleuchtung u. s. w. beobachtet werden. Seit jener Zeit konnte er ungestört seine Praxis ausüben. Mit der Zahl der Curgäste wuchsen auch seine Einkünfte, und nach einigen Jahren sah sich P. im Stande, mehrere höchst kostspielige Bauten in Gräfenberg aufzuführen und das Bad mehr und mehr zu erweitern. Im Jahre 1829 erhob sich die Zahl der Curgäste nicht über 29; im Jahre 1834 betrug sie 255; 1838 bereits 728 und im folgenden Jahre, 1839, 1700, welche Ziffer in der Folge nicht wieder erreicht wurde, aber nur aus dem einen Grunde, da auch an anderen Orten Wasserheilanstalten errichtet wurden. Die übermäßige Anstrengung und rastlose Thätigkeit P.’s in Ausübung seiner ärztlichen Praxis zog ihm im Jahre 1847 einen Schlaganfall zu, nach welchem er sich nie wieder recht erholen konnte. Dazu kamen noch die Ereignisse der Jahre 1848 und 1849, welche in ihm einen höchst unangenehmen Eindruck hinterließen und ihn zum vollkommenen Schwarzseher machten. So kränkelte er bis zum November 1851, wo ihn ein plötzlicher Tod in seinem 53. Lebensjahre dahinraffte. Er starb an einer Entartung der Leber. Was nun die Thätigkeit P.’s als Naturforscher anbelangt, so ist sie eine wahrhaft bewunderungswürdige, wobei auch nicht vergessen werden darf, daß dieser Mann, welcher eine ganz neue Heilungsmethode entdeckt und dieselbe in der kürzesten Zeit durch die glänzendsten Resultate eingebürgert hatte, nie medicinische Studien [293] gemacht, ja nicht einmal eine ordentliche Schulbildung genossen, sondern nur durch sein eigenes Genie in den Stand gesetzt wurde, so Großartiges hervorzubringen. Erstaunliches leistete P. im Stellen der Diagnose. Zu dem, was Aerzte nach stundenlanger Berathung fanden, genügten ihm ein paar Augenblicke, und mit dem Erkennen der Krankheit stand auch die ganze Heilmethode, die er einschlagen mußte, vor seinem inneren Auge. In die nähere Beschreibung der Art und Weise seines Heilverfahrens einzugehen und die Krankheiten, unter denen sich auch die Cholera befand, die er behandelte, zu nennen, kann nicht Aufgabe dieses Werkes sein. Die großen Verdienste, die sich P. um die leidende Menschheit erworben durch Entdeckung der Hydropathie, durch die Gründung des Badeortes, in welchem sich Hunderte und Hunderte von Menschen einen anständigen Lebensunterhalt verdienten, ferner seine eigene, bei wachsendem Vermögen sich stets vergrößernde Wohlthätigkeit blieben von Seite der Regierung nicht unbeachtet. Im Jahre 1846 erhielt er von Kaiser Ferdinand die große goldene Civilmedaille am Bande, welche ihm der Kreishauptmann von Troppau auf feierliche Weise überreichte. Außerdem wurde er im Sommer 1850 zum Mitglieds des Ausschusses von Freiwaldau gewählt. Auch wurde ihm im Jahre 1845 von dem Präsidenten der englischen Enthaltsamkeits-Gesellschaft, Theobald Mathew, im Namen der Gesellschaft die Mäßigkeitsmedaille überschickt. P. war nur einmal verheirathet, und, wie schon erwähnt, mit Sophie, der Tochter des Schulzen zu Böhmischdorf, deren Mutter er von der Gicht geheilt hatte. Er hatte aus dieser Ehe sieben Kinder, nämlich sechs Töchter und einen Sohn, welch letzterer das jüngste Kind und jetzt den medicinischen Studien an der Wiener Hochschule obliegt.

Biographische Quellen. Selinger (Dr. J. E. M.), Vincenz Prießnitz. Eine Lebensbeschreibung. Mit Porträt und Facsimile (Wien 1852, C. Gerold. 8°.) [S. 201–205 eine reiche Literatur der Prießnitz’schen Wasserheilmethoden. – Ruppricht (Siegfried), Ehrenrettung des V. Prießnitz (Breslau 1840). – Oertl, V. Prießnitz oder Aufruf zur Errichtung von Wasserheilanstalten (Leipzig 1824). – Lesefrüchte, herausgegeben von Pappe (Hamburg, 8°.) 1852, III. Bd. 4. Stück, S. 54; 5. Stück, S. 69; 7. Stück, S. 101: „Vincenz Prießnitz“. – Illustrirte Zeitung (Leipzig, J. J. Weber), 4. Bd. 1845, S. 261: „Gräfenberg“ [mit P.’s Porträt, der Ansicht von Gräfenberg, der verschiedenen Badeanstalten und der Prießnitzquelle], 18. Bd. (1852), S. 71: „Vincenz Prießnitz“, mit Bildniß im Holzschnitt; 22. Bd. (1854), S. 180: „Prießnitz Grabmal auf dem Gräfenberge“. – Blätter für literarische Unterhaltung 1840, Nr. 100–103: „Der Bauer Prießnitz und die Wasserheilanstalten“, von Karl Hohnbaum. – Der Bote von der Eger und Biela. Herausgegeben von Peter Ritter von Schönfeld, 4. Jahrg. (1851), Nr. 63–66: „V. Prießnitz und der Gräfenberg“, von Fr. Wilhelm von Sibenhuener. – Oesterreichischer Zuschauer, herausgegeben von J. S. Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1841, Nr. 77: „V. Prießnitz. Eine Skizze aus Gräfenberg“, von Dr. E. M. Selinger. – Oesterreichische illustrirte Zeitung 1851, Nr. 25, S. 196: „Vincenz Prießnitz, mit Porträt“. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. Fr. Voigt, 8°.) XXIX. Bd.. S. 896. – Erinnerungen (Prager Unterhaltungsblatt). 1840, S. 373: „V. Prießnitz, erster Gründer der Wasserheilkunde“. Mit dessen Porträt und der Abbildung von Gräfenberg [daselbst ist der 30. September 1801 als P.’s Geburtsdatum angegeben]. – Neuigkeiten (Brünner Blatt) 1856, Nr. 328: „Historischer Erinnerungskalender“ [gibt den 5. October 1799 als Geburtsdatum an]. – Illustrirtes Familienbuch des österreichischen Lloyd, Bd. V, 1855, S. 288 [im Texte]. – Brünner Anzeiger 1855, Nr. 189: „Das Prießnitz-Grabmal auf dem Gräfenberge“ 1855, [294] Nr. 189. – Le Voleur (Pariser Blatt, 4°.) 1852, p. 6 et seq.: „V. Priessnitz“, par Guettet D. M. P.Denkmale. 1) Auf dem Fußwege von Freiwaldau nach Gräfenberg wurde P. von den im Jahre 1839 in Gräfenberg geheilten Ungarn ein Denkmal errichtet. Auf einem Granitsockel erhebt sich ein 15 Centner schwerer Löwe von Gußeisen, ein Meisterwerk Schwanthaler’s. Am Piedestal befindet sich in deutscher und ungarischer Sprache folgende Inschrift:

„Den mit dem Wilde gemeinsamen Trank
begann zu verachten
Frevelnd der Mensch und ihm ward Krankheit
und Siechthum dafür;
Prießnitz gab dem Wasser zurück die verlorene
Herrschaft
Und in verjüngter Kraft hebt sich der Menschen
Geschlecht.“ –

2) Auf dem Wege zu den Douchen steht über einer klaren Gebirgsquelle ein marmornes Denkmal mit der Inschrift in goldenen Lettern. – „Dem unsterblichen Prießnitz die dankbaren Preußen“. – 3) Auf dem Wege zwischen Freiwaldau und Gräfenberg ließ ein Franzose zur dankbaren Erinnerung an P. eine große Granit-Pyramide mit der Inschrift: „Au genie de l’eau froide“ aufstellen. – 4) Das Modell zu einem höchst originellen Denkmal P.’s entwarf Fernkorn. Leider gelangte es nicht zur Ausführung. Dasselbe stellte eine Grotte dar, in welcher eine Nymphe den heilsamen Trank spendet, während hinter ihrem Rücken Gnomen und Zwerge Medicinfläschchen, Töpfe und Tigel aller Art an den Felsenwänden zerschmettern. – Grabdenkmal. Prießnitz’ Grabdenkmal – aus einer kleinen gothischen Capelle bestehend – befindet sich auf dem Gräfenberge und eine Abbildung desselben brachte die „Leipziger Illustrirte Zeitung“ im 22. Bande (1854), S. 180. – Medaille. Ein Engländer ließ im Jahre 1843 eine silberne Gedächtnißmünze auf P. prägen. Dieselbe enthält die Inschrift: „Geschenk für V. Prießnitz, dem die Menschheit für Förderung der Mäßigkeit und Gesundheit verpflichtet ist. Von James Ellis. London 1843“. Da ich[ die Medaille nicht selbst gesehen, gebe ich die vorstehende Beschreibung, kann jedoch nicht bestimmen, ob die Inschrift deutsch oder englisch ist. – Porträte. 1) Ohne Angabe des Lithographen (Wien, Höfelich, Fol.); – 2) ebenso (Wien, gr. Fol.); – 3) Gez. u. lith. von Göbel (Wien, Paterno, Fol.) in ganzer Figur; – 4) Ohne Angabe des Zeichners mit Facsimile, nebst Abbildung des P. von den Ungarn errichteten Denkmals (Berlin, Industr. Compt.); – 5) Gez. u. lith. von Meyer (Berlin, Sachse u. Comp., Fol.); – 6) Gräfin H. von Rechberg p. ad viv. H. Dragendorff lith. (Fol.), Hüftbild. – Außerdem zahlreiche Holzschnitte, unter denen jener in der „Leipziger Illustrirten Zeitung“, Bd. XVIII (1852), S. 71, alle vorhandenen Porträts an Aehnlichkeit übertrifft, abgesehen, daß er als Holzschnitt ein kleines Meisterstück ist.
Zur Charakteristik Prießnitz des Menschen und Naturarztes. Als interessanter Beitrag zu der Charakteristik P.’s als Arzt und als Mensch möge eine Stelle aus dem Berichte des Freiherrn von Türkheim, welchen, wie in der vorstehenden Lebensskizze bemerkt worden, die k. k. Regierung nach Gräfenberg gesandt, um den Stand der Dinge dort zu untersuchen und den er an die vereinigte Hofkanzlei einsandte, Platz finden. Baron Türkheim, diese: ausgezeichnete Arzt, höchst gebildete, einsichtsvolle und vorurtheilsfreie Mann äußerte sich über P. folgendermaßen: „Prießnitz ist kein gewöhnlicher Mensch, das müssen ihm selbst seine Feinde zugestehen. Er ist kein Charlatan, sondern von dem reinsten Eifer beseelt, zu helfen, wo er nur kann, und auch mit vorzüglichen Eigenschaften hiezu begabt. Die Zahl derjenigen, die P. einen Charlatan und eigennützig nennen, ist die kleinste. Es sind die Aerzte und Wundärzte aus der Umgegend, die ihn aus Brotneid anfeinden und gegen ihn Beschwerde führen. Anspruchslos, niemals prahlend, immer bereitwillig, seinen Kranken Beistand zu leisten, unermüdet, bei Tag und Nacht gefällig, streng und consequent in seinen Handlungen, hat mir P. Eigenschaften dargeboten, die keineswegs den Attributen der Charlatanerie beigezählt werden können. Ungeachtet des sorgfältigsten Nachforschens konnte ich doch kein einziges Factum ausfindig machen, durch welches eigennützige Beweggründe bei ihm nachgewiesen werden könnten. Mag seine Anstalt an Mängeln leiden, mag er viele oder wenige geheilt haben; mögen die Krankheiten der Entlassenen nach längeren oder kürzeren Zwischenräumen wiederkehren; immer bleibt seine Curmethode in ihren Details eine neue, beachtenswerthe Erscheinung im Gebiete der heilenden Kunst. Diese neue Erscheinung und dieser nicht alltägliche Mensch verdienen daher allerdings die volle Aufmerksamkeit der Staatsverwaltung, [295] aber jeder gewaltsame Eingriff würde hier am Unrechten Platze sein.“ Ferner über die Frage, ob die Curanstalt zu belassen oder aufzuheben sei, schreibt Freiherr von T.: „Die Commission hat sich einstimmig gegen die Aufhebung der Curanstalt des P. erklärt, da sich dieselbe in vielen Beziehungen als heilsam bewiesen habe, schädliche Folgen nicht nachgewiesen seien, die wenigen Todesfälle bei dem Umstande, daß auch an anderen, unter ärztlicher Leitung stehenden Curanstalten dasselbe stattfinde, keinen hinreichenden Grund zu einer solchen Maßregel darbieten, der stets zunehmende Ruf derselben im In- und Auslande und die öffentliche Meinung wegen des durch ihre Auflassung zu besorgenden üblen Eindruckes im Publicum volle Beachtung verdiene und überhaupt Verbote von Heilmethoden theils schwer zu handhaben seien, theils auch die Möglichkeit ihrer Umgehung nur demoralisirend auf die Staatsbürger einwirken. Ich theile vollkommen die Ansicht der Commission und schließe mich ganz den von ihr gegen die Aufhebung der Gräfenberger Anstalt geltend gemachten Gründen an.“
Heilerfolge der Prießnitz’schen Methode. Einen anderen, nicht minder interessanten Beitrag zu P.’s Heilverfahren und über die unglaublichen Resultate desselben gibt Dr. Selinger in dem unter den Quellen über P. angeführten Werke mit folgenden Worten: „Tausende und Tausende, die einst in Gräfenberg Stärkung, Heilung oder Rettung gefunden, loben unter allen Himmelsstrichen das Werk des Meisters. Auch die Register des Todtengräbers zu Freiwaldau im österreichischen Schlesien loben es in beredter Ziffernsprache. Der Mann heißt Johann Franke und seine Register melden jedem, der Kunde erhalten will, die Anzahl der Todten, die er jährlich zur Erde bestattet. Dieselben Register melden nun auch, daß in 21jähriger Ausübung seines düsteren Berufes bis zum Tode Prießnitz’s Johann Franke mit Einschluß einiger alläopathisch[WS 1] behandelten Diener nicht mehr als fünf und vierzig Personen begraben habe, die in Freiwaldau und Gräfenberg mit kaltem Wasser behandelt worden waren. Da von 36–40.000 Kranken, die unter der Behandlung des berühmten Arztes jener Gegend gestanden, auf die letzten 21 Jahre nach Ausweis der Curlisten 24–25.000 entfallen, so ist ersichtlich, daß unter 1000 Kranken nicht einmal zwei ihr Leben verloren haben. Unter 1000 Kranken, die man zum großen Theile als unheilbar aufgegeben, sind dem Wasserarzte P. nicht zwei gestorben. Wo in der weiten Welt lebt der Doctor der rationellen Heilkunde, der solche Ergebnisse einer ähnlichen märchenhaften Berufsthätigkeit nachzuweisen vermag? Und doch sind so Viele geneigt, den verblichenen Wundermann mit Geringschätzung zu nennen, weil er keine lederne Urkunde in der Tasche trug, die ihn mit großen Buchstaben auf untrügliche Weise zum Doctor gemacht hätte. Edler P.! Sollten die Lebenden deine rettenden Thaten und deinen Namen vergessen wollen – Todtenregister sorgen für deine Unsterblichkeit.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Prießnitz, Vincenz [Bd. XXIII, S. 290–295].
    d’Elvert, Notizenblatt u. s. w., wie bei Jaschke, 1872, Nr. 3, S. 19: „Zur mähr, schlesischen Biographie“. [Bd. 28, S. 369.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: alläopatisch.