BLKÖ:Pallavicini, Karl Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 234. (Quelle)
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Pallavicini, Karl Graf (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Genua, nicht, wie Hirtenfeld angibt, im Jahre 1742, sondern am 24. Jänner 1756, gest. zu Temesvár 3. März 1789). Graf Karl war ein Sohn aus des Grafen Johann Lucas P. [s. d. S. 229] zweiter Ehe mit Maria Katharina Fava di Ferro, verwitweten Marchese Conradini, mit welcher sich Graf Johann Lucas erst im August 1753 vermält hatte. Herr von Stramberg, der bekannte rheinische Antiquarius, erzählt uns, wie der erst zwölfjährige Graf Kammerherr geworden. Er hatte eine vortreffliche Erziehung erhalten und erregte auf einem Hofballe in Wien, im Jahre 1768, durch seine Tanzkunst solches Aufsehen, daß die Kaiserin veranlaßt wurde, einer Erzherzogin zu sagen, daß sie diesen jungen Cavalier von zwölf Jahren zum Tänzer wählen solle. Nach dem Brauche des Wiener Hofes können nur Kammerherrn solcher Gnade theilhaftig werden, und der junge Pallavicini wurde nach dem Tanze von seinen Freunden als k. k. Kammerherr begrüßt. Das ließ er sich nicht vergeblich sagen und ging zur Kaiserin, welcher er für die genossene Gnade, wie auch Ernennung zum Kammerherren den allerunterthänigsten Dank abstattete. Diese unerwartete Nutzanwendung wurde auch von der Kaiserin nicht ungnädig aufgenommen, und die Verdienste des Vaters zu belohnen, machte sie den Sohn zum Kammerherrn. Im Alter von 20 Jahren erhielt Graf Karl eine Hauptmannstelle im 15. Infanterie-Regimente, dessen Inhaber sein Vater war. In demselben rückte er bis zum Jahre 1773 zum Obersten vor. Bei der Erstürmung und Eroberung von Habelschwert, am 18. Jänner 1779, erkämpfte sich der Graf das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Er führte nämlich die zweite Sturmcolonne, welche aus einem Bataillon seines Regiments und einer Division Croaten und zwei Schwadronen Huszaren bestand. Mit eigener Hand öffnete er das Glatzische Thor, warf die Hauptwache über den Haufen, erbeutete 10 Fahnen, 2 Kanonen und machte 22 Officiere und 533 Mann zu Gefangenen. Er wurde mit den Siegestrophäen nach Wien geschickt, wo er am 28. d. M. eintraf, worauf ihn Kaiser Joseph zum General-Major beförderte, den Officieren des Regiments sprach der Kaiser, als er im October 1781 die Cantonirungen desselben besuchte, für den Tag von Habelschwert seinen Dank aus und die Mannschaft beschenkte er mit 300 Ducaten. Im Jahre 1787 wurde Graf Karl Inhaber des 8. Infanterie-Regiments und commandirte im Türkenkriege eine Brigade im Corps des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Wartensleben. In einem Gefechte bei Armenisch im Banate, in der Nacht vom 13./14. September 1788, wurde der Graf schwer verwundet und mußte zur Heilung nach Temesvár gebracht werden, wo er nach mehrmonatlichem Leiden seiner Wunde erlag. Der Graf zählte erst 33 Jahre. Auch sein Name fehlt in der „Uebersicht der k. k. Generale und Oberste, welche vor dem Feinde geblieben oder in Folge der Verwundung vor demselben gestorben sind“, welche Hirtenfeld’s „Oesterreichischer „Militär-Kalender für das [235] Jahr 1852“), S. 141–153, mittheilt. Graf Karl war mit Leopoldine gebornen Gräfin Zichy von Vasonykeö (geb. 14. October 1758, gest. 28. Juni 1846) vermält. aus welcher Ehe ein Sohn, Marquis Eduard (geb. 9. März 1787, gest. 20. April 1839), stammt, der sich im Jahre 1806 mit Josephine gebornen Gräfin Hardegg-Glatz (geb. 2. Mai 1784, gest. 23. December 1850) vermälte. Graf Eduard und Gräfin Josephine, geb. Gräfin Hardegg-Glatz sind demnach die Häupter der österreichischen Linien.

Hirtenfeld (J.), Der Militar-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 217 u. 1731. –