BLKÖ:Pforzheim, Philipp Karl Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 203. (Quelle)
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Pforzheim, Philipp Karl Freiherr von (k. k. Oberst und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Kohlbach im Herzogthume Luxemburg im Jahre 1742, gefallen im Sturme bei Aldenhoven 1. März 1793). Entstammt einer alten Luxemburgischen Familie. Aus besonderer Neigung für den Soldatenstand trat er, erst 14 Jahre alt, als Gemeiner bei dem Dragoner-Regimente St. Ignon ein und wurde, da er sich in mehreren Gefechten und Schlachten des siebenjährigen Krieges durch seine Bravour hervorgethan, in verhältnißmäßig kurzer Zeit Officier. Insbesondere zeichnete er sich bei Kollin aus, wo er in eine von dem Feinde auf das Hartnäckigste vertheidigte Batterie einritt und Wunder der Tapferkeit verrichtete, wie denn das ganze Regiment sich an diesem Tage so hervorthat, daß demselben, da es aus lauter jungen – noch bartlosen – Leuten bestand, als ein Vorrecht, welches heute noch aufrecht erhalten wird, eingeräumt wurde, vom Obersten abwärts bis zum Gemeinen keinen Schnurbart zu tragen. Als das Regiment nach Beendigung des siebenjährigen Krieges in die Niederlande zurückmarschirte, wurde P. als Oberlieutenant zu Savoyen-Dragoner übersetzt, in welchem Regimente er im Jahre 1771 zum Rittmeister avancirte. Da sich nun wenig Aussichten auf einen Krieg und somit auch keine zur Beförderung darboten, verließ P. mit Majors-Charakter den activen Dienst und kehrte zu seiner Familie nach Luxemburg zurück, bei welcher er bis zum Ausbruche der niederländischen Unruhen verblieb, worauf er sofort sich an die Spitze der kaiserlichen Partei stellte und gegen alle Versuche der Insurrection mit Muth und Entschiedenheit ankämpfte. Als zum Adel Luxemburgs gehörig, war P. auch Mitglied der Stände. Als die Rebellen an die Stände die Aufforderung erließen: sich der Insurrection anzuschließen, und die Stände sich versammelten, um über solch einen Antrag sich gar zu berathen (!), erhob sich P. in ihrer Mitte, zog seinen Säbel und gab die Erklärung ab: „Hier ist nichts zu deliberiren, wer den Mund gegen die Rechte unseres Souverains erhebt, dem spalte ich den Kopf“. So wurden die von den Insurgenten aufgesetzten Puncte in der Stände-Versammlung gar nicht [204] vorgelesen. Am 16. Jänner 1790 wurde P., der sich bei den herannahenden Kriegswirren zur Verfügung stellte, zum Oberstlieutenant im Regimente, in welchem er früher gedient, ernannt und that sich dasselbe unter seiner Führung gegen die Insurgenten so hervor, daß im Jahre 1791 Leopold II. dem Regimente eine große goldene Medaille mit Oehr und Band und seinem Bildniß verlieh. Die Medaille trägt die Aufschrift: A la fidelité et valeur signalée du Regiment de Latour Dragons reconnue par l’Empereur et Roy und ist mit derselben die Estandarte der zweiten Division geschmückt. Pforzheim selbst war schon im Juni 1790 zum Obersten und Commandanten des Regiments ernannt worden, und bewährte bei vielen Gelegenheiten seinen längst erprobten Muth. Bei Vanneche, am 29. März 1790, gelang es ihm, die unter dem Namen „Patrioten“ zusammengerotteten Rebellen in eine solche Position zu drängen, daß sie völlig abgeschnitten waren, worauf sie größtentheils von den Dragonern P.’s niedergehauen wurden. Am 24. Mai d. J. griff er mit seinen Dragonern die bei Tailland sehr vortheilhaft aufgestellte Armee der Insurgenten mit solchem Ungestüm an, daß die feindliche Cavallerie über den Haufen geworfen, die Infanterie in die Flucht gejagt und überdieß vier Geschütze erbeutet wurden. Am 22. September d. J. überfiel er bei Anseremme ein viertausend Mann starkes Rebellencorps und trieb es ganz auseinander. In der Schlacht bei Mons, wo die Oesterreicher einem stark überlegenen Feinde gegenüberstanden, führte P. einen Rückzug aus, welcher als Meisterstück seiner Art gepriesen wurde. Für seine ausgezeichneten Waffenthaten wurde P. in der 23. Promotion (vom 19. December 1790) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens decorirt. Noch einmal, und zwar zum letzten Male, sollte P. seinen fast sprichwörtlich gewordenen Heldenmuth erproben. Es war in der Schlacht bei Aldenhoven, am 1. März 1793, in welcher P. beordert wurde, eine feindliche Batterie zu nehmen, welche von den Franzosen mit dem Muthe der Verzweiflung vertheidigt wurde. P. vollführte den Auftrag mit glänzender Bravour, aber als er bereits Herr der Batterie war, fiel er, von einer Kartätsche getroffen, todt nieder. Prinz Coburg als Generalissimus ließ ihm eine ganz besondere Auszeichnung angedeihen, indem er seine Leiche, statt auf einem Todtenwagen, auf einer Kanone, als dem ihm im Ableben zunächst gebührenden Ehrenplatze nach Aachen führen ließ, wo seinem Leichenzuge die gesammte Generalität die letzte Ehre erwies.

Bornschein (Adolph), Oesterreichischer Cornelius Nepos (Wien 1812, 8°.) S. 203. – Kunitsch (Michael), Biographien merkwürdiger Männer der österreichischen Monarchie (Gratz 1805, Tanzer, 8°.) Bd. III, S. 117. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 319 u. 1734.