BLKÖ:Piramowicz, Gregor

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 322. (Quelle)
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Piramowicz, Gregor (Schulmann, geb. zu Lemberg im Jahre 1735, gest. 29. December 1801). Seine Eltern, armenischer Abstammung, lebten als Kaufleute in Lemberg und schickten den Sohn in die damals blühenden Jesuitenschulen, in welchen der Knabe die trefflichsten Fortschritte machte und zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, aber auch solche Vorliebe für den Orden gewann, daß er ungeachtet aller Gegenvorstellungen seiner Eltern in denselben eintrat. Auf Zureden seiner Lehrer übernahm er die Erziehung dreier Grafen Potocki, des Cajetan, nachmaligen Domherrn von Gnesen, Paul’s, nachmaligen Propstes von Buczacz, und Johann’s, nachmaligen Starosten von Kaniowski. Mit seinen Zöglingen bereiste er Frankeich und später Italien. Die beiden ersteren begleitete er auch, nachdem sie sich für den geistlichen Stand entschieden hatten, nach Rom, wo sie zur Vollendung ihrer geistlichen Ausbildung in das Jesuiten-Collegium eintraten. Dort erweckte seine gründliche wissenschaftliche Bildung bald die Aufmerksamkeit seiner Ordensbrüder, worauf, um ihn an Rom zu fesseln, ihm das Lehramt der Moraltheologie am dortigen Collegium verliehen wurde. Während er seinem Lehrberufe oblag, bildete er sich selbst unablässig weiter, und eine nicht unwichtige, für sein Leben auch fernerhin einflußreiche Episode seines Römer Aufenthaltes bildet das Freundschaftsband, das er dort mit Ignaz Potocki, nachmaligem Marschall von Lithauen, knüpfte. Als er nach einigen Jahren dann in seine Heimat zurückkehrte, blieb er seinem lehramtlichen Berufe treu und trug im Lemberger Collegium die Philosophie vor, während er zugleich als Prediger an der Lemberger Kathedrale seine bildende und erziehende Wirksamkeit für weitere Kreise entfaltete. Aber nicht lange sollte er dort bleiben, der Abt von Wągrow, Adam Rzewuski, von seinen Aerzten zur Heilung seiner Leiden auf Reisen geschickt, wünschte, daß ihn P. auf denselben begleite. P. erfüllte diesen Wunsch Rzewuski’s und wurde sein Reisebegleiter. Diese Fahrt, obgleich von langer Dauer, brachte nicht nur dem leidenden Freunde keine Genesung, sondern die mit der Pflege des [323] Kranken verbundenen Strapazen erschütterten auch Piramowicz’s Gesundheit, der nun, selbst leidend, im Jahre 1772 in seine Heimat zurückkehrte, und zwar eben zu der Zeit, als die politischen Veränderungen sein eigenes Vaterland so empfindlich trafen und die Bulle des Papstes die Auflösung seines Ordens aussprach. P. war durch dieses Ereigniß in eine um so bedenklichere Lage versetzt, als das von seinen Eltern ihm hinterlassene Erbe schon sehr zusammengeschmolzen war. In diesem entscheidenden Augenblicke trat die in Rom mit Ignaz Potocki geschlossene Freundschaft in ihre Rechte. Potocki berief ihn zu sich nach Warschau und gab ihm auf seinen Gütern die Pfarre Kurow, wo er als Priester und Lehrer seiner Gemeinde durch mehrere Jahre eine segensvolle Wirksamkeit entfaltete. Als später zur Leitung des Unterrichtswesens eine Erziehungscommission eingesetzt wurde, erfolgte P.’s Berufung zu dieser Stelle in der Eigenschaft eines Secretärs derselben. Als solcher erstattete er dem Könige Bericht über den Stand des Unterrichtswesens im ganzen Lande, führte die Correspondenz in der Heimat und Fremde über alle diesen wichtigen Zweig des Staatswesens betreffenden Angelegenheiten, erläuterte die Verfügungen der Commission, führte ihre Anordnungen aus u. dgl. m. Zuletzt berief ihn die Commission in ihren Rath und übertrug ihm die Visitation der Schulen. Außerdem war er Secretär der Gesellschaft für Abfassung der Elementar-Schulbücher und entwickelte als solcher eine ungemein große und fruchtbringende Thätigkeit. So theilte P. seine Zeit zwischen den Pflichten seines Seelsorgeramtes und seines amtlichen Berufes in der Unterrichtscommission. Im Jahre 1793 begann er schon zu kränkeln, verrichtete aber nichtsdestoweniger seine Dienste wie bisher, bis ihm, da er schon vorgerückt in Jahren war, August Fürst Czartoryski die reiche Propstei von Międzyrzec verlieh, auf welcher P. im Alter von 66 Jahren sein thätiges und fruchtbares Leben beschloß. P. war als Schriftsteller für die Jugend und den Unterricht mehrfach thätig und hat mehrere vortreffliche Lehr- und Unterrichtsbücher herausgegeben. Die Titel derselben sind: „Bajki Fedra“, d. i. Die Fabeln des Phädrus (Lemberg 1767), ein vortreffliches, für seinen Zögling Potocki zur Erlernung der lateinischen Sprache verfaßtes Lehrbuch; – „Dykcyonarz starożytności dla szkół narodowych“, d. i. Wörterbuch der Alterthümer für Volksschulen (Warschau 1779, 8°.; neu gedruckt zu Polock im Collegium der Gesellschaft Jesu im Jahre 1807), zum größten Theile eine Bearbeitung des Werkes: „Dictionnaire des Antiquités grecques et romaines“ von Nikolaus Furgault; – „Powinności nauczyciela mianowicie zaś w szkołach parafialnych“, d. i. Die Pflichten des Lehrers, vornehmlich desjenigen in den Pfarrschulen (Warschau 1787, 8°.); eine zweite umgearbeitete, von Joseph Lipiński besorgte Ausgabe erschien im Jahre 1817; – „Wymowa i poezya dla szkół narodowych“, d. i. Rede- und Dichtkunst für Volksschulen (Krakau 1792, 8°.) davon erschien der erste Theil vollständig im Drucke, der zweite, welcher die gerichtliche und geistliche Beredsamkeit, die Capitel von der Epistel, dem Dialog und der Geschichte enthalten sollte, war im Drucke nur bis zum 12. Bogen gediehen und ward nicht vollendet; diese Arbeit wird als sein Hauptwerk bezeichnet; – „Nauka obyczajowa dla ludu“, d. i. [324] Sittenlehre für das Volk (Warschau 1802, 8°.); – „Przemowa do wojska pod Gołębiem przy poświęceniu sztandarów miana 1701“, d. i. Anrede an das Heer ..., bei der Einweihung der Standarten im Jahre 1791 gehalten (Warschau, Gröll, 4°.). Außerdem erschienen in den Jahren 1779, 1781 und 1782 seine bei Gelegenheit des Zusammentritts der Gesellschaft zur Abfassung von Elementarbüchern und der Berichterstattung an den König über die Wirksamkeit dieser Gesellschaft gehaltenen Reden im Drucke. Ein Werk, in welchem er in populärer Weise alles, was das leibliche und geistige Wohl des Volks betrifft, zusammenfassen wollte, eine Art Volksdiätetik des Körpers und der Seele, hatte er schon weit vorwärts gebracht, als die politischen Veränderungen seines Vaterlandes seinen Blick auf anderes lenkten, in Folge dessen das Werk Fragment blieb und als Handschrift in den Besitz der Warschauer Gesellschaft der Wissenschaftsfreunde gelangte. Stanislaus Potocki würdigte die Verdienste dieses würdigen Priesters und um die Bildung seines Volkes verdienten Mannes in einer Rede, welche er im Jahre 1802 in einer Sitzung der vorgenannten Gesellschaft der Wissenschaftsfreunde gehalten.

Chodynicki (Ignacy), Dykcyonarz uczonych Polaków, d. i. Wörterbuch der gelehrten Polen (Lemberg 1833, Kuhn u. Millikowski, 8°.) Bd. II, S. 304. – Barącz (Sadok Xiądz Dominikan), Źywoty sławnych Ormian w Polsce, d. i. Biographien denkwürdiger Armenier in Polen (Lemberg 1856, Ossolinski’sche Druckerei, 8°) S. 254. – Wojcicki (K. Wl.), Historyja literatury polskiej w zarysach, d. i. Geschichte der polnischen Literatur in Umrissen (Warschau 1845, Sennewald, gr. 8°.) Bd. III, S. 301. – Dziennik polski, d. i. Polnisches Tageblatt (Lemberg, Fol.) 1870, Nr. 102 u. f., im Feuilleton: „Czwartki literackie Polskie w Paryżu. Jezuita Grzegorz Piramowicz i jego czasy“, d. i. Die Literarischen Donnerstags-Abende in Paris. Jesuit Gregor Piramowicz und seine Zeit. – Wielki kalendarz polski, d. i. Großer polnischer Kalender (Teschen, Prochaska, 8°.) 1867, S. 104: Anegdoty z życia Grzegorza Piramowicza, d. i. Anekdoten aus dem Leben des Piramowicz. – Bentkowski (Felix), Historya literatury polskiey, d. i. Geschichte der polnischen Literatur (Warschau und Wilna 1814, Zawadzki, 8°.) Bd. I, S. 692; Bd. II, S. 50, 62, 611. – Łukaszewicz (Lesław), Rys dziejów piśmiennictwa polskiego, d. i. Grundriß der Geschichte des polnischen Schriftthums (Krakau 1848, J. Cypcer, kl. 8°.) S. 132. – Rycharski (Lucyan Tomasz), Literatura polska w historyczno-krytycznym zarysie, d. i. Die polnische Literatur im historisch-kritischen Grundriß (Krakau 1868, Himmelblau, gr. 8°.) Bd. I, S. 43; Bd. II, S. 3, 52.