BLKÖ:Pratobevera Freiherr von Wiesborn, Adolph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pratobevera, Eduard
Band: 23 (1872), ab Seite: 207. (Quelle)
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Pratobevera Freiherr von Wiesborn, Adolph (Staatsmann, geb. zu Bielitz in Oesterreichisch-Schlesien 12. Juni 1806). Sohn des Karl Freiherrn von Pratobevera [siehe diesen S. 210], vollendete er die juridischen Studien an der Hochschule zu Wien und trat im Jahre 1828 als Concepts-Praktikant bei der k. k. Hof- und niederösterreichischen Kammerprocuratur in den Staatsdienst. Nachdem er am 24. Mai 1830 zum Doctor der Rechte promovirt worden und die Richteramtsprüfung mit sehr gutem Erfolge abgelegt hatte, wurde P. am 10. Jänner 1831 überzähliger, unbesoldeter Rathsprotokollist beim niederösterreichischen Landrechte. Am 27. August 1832 zur aushilfsweisen Dienstleistung in den Staatsrath berufen, erhielt er am 3. März 1833 die Stelle eines Staatsraths-Officialen. Schon am 30. August 1837, also nach kaum zehnjähriger Dienstleistung, wurde P. zum Rathe bei dem niederösterreichischen Landrechte befördert und in seinem Civil- und Criminal-Richteramtsdecrete der „sehr guten Fähigkeiten“ desselben Erwähnung gemacht. Durch Allerh. Entschließung vom 9. October 1838 als österreichischer Bevollmächtigter zur Bundes-Centralbehörde nach Frankfurt a. M. gesandt, führte P. bei dieser Behörde auch später, nachdem er am 10. November 1840 zum wirklichen Appellationsrathe ernannt worden, das Präsidium. Nach Vertagung der Bundes-Centralbehörde wurde P. am 28. September 1842 als jüngster Appellationsrath dem niederösterreichischen Appellationsgerichte wieder zugewiesen. Auch erhielt er während seiner Dienstleistung als Appellationsrath im August 1847 das Ehrenamt eines Secretärs der Curatel der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Wien, zur Seite des Erzherzogs Johann, von welchem Posten er aber bei Auflassung desselben, am 28. Mai 1848, enthoben wurde. Nach mehrmonatlicher Verwendung im Justizministerium am 28. August. 1848 zum Ministerialrathe mit der Dienstleistung in diesem Ministerium und mit dem Range und Charakter eines Rathes bei dem obersten Gerichtshofe befördert, wurde P. am 26. Jänner 1850 provisorischer Sectionschef und Leiter der legislativen Section im Ministerium der Justiz und nahm als solcher an der Abfassung der Justizgesetze von 1850 den bedeutendsten Antheil. Jedoch schon im folgenden Jahre nach dem Rücktritte Schmerling’s auf sein eigenes Ansuchen, da er zu dem Umsturze des im Jahre 1850 Geschaffenen nicht die Hand bieten wollte, seines Postens enthoben, wurde er als Rath bei dem obersten Gerichtshofe eingetheilt. Von dieser Zeit bis zu seiner im Jahre 1861 von dem städtischen Wahlbezirke Klosterneuburg, Tuln und Königstetten erfolgten Wahl in den niederösterreichischen Landtag war P.’s Thätigkeit eine rein richterliche. Der Landtag wählte P. [208] in das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes und mit Allerh. Handschreiben vom 6. Februar 1861 wurde P. unter Verleihung der geheimen Rathswürde zum Justizminister ernannt. Als Rath der Krone legte P. in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 2. Juli 1861 seine Ansichten in Betreff der von ihm beabsichtigten Justizreform in einer längeren Rede dar, in welcher er Hebung, Unabhängigkeit und Unabsetzbarkeit des Richterstandes; Einführung eines öffentlichen und mündlichen Civilverfahrens; Trennung der Justiz von der Verwaltung und Einführung der Geschwornengerichte in Aussicht stellte. Leider zwang ein Augenübel, welches sich P. in Folge seiner angestrengten Thätigkeit zugezogen hatte, denselben zuerst um Urlaub und endlich sogar um Enthebung von seinem Ministerposten anzusuchen, welche ihm auch unter Verleihung des Großkreuzes des k. k. Franz Joseph-Ordens mit Allerh. Handschreiben vom 18. December 1862 gewährt wurde. Im April 1864 durch eine von Dr. Arlt glücklich vollzogene Operation von seinem Augenleiden geheilt, nahm P. seinen Sitz als Landtags- und Reichsraths-Abgeordneter wieder ein, wo er an der Spitze der liberalen verfassungstreuen Partei gegen die Sistirung thätig war. 1867 zum Landmarschall von Niederösterreich ernannt, wurde P., nachdem er im August 1869 sein Mandat im Abgeordnetenhause niedergelegt, am 10. December 1869 als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus des österreichischen Reichsrathes berufen. 1870 trat P. auch von seinem Posten als Landmarschall von Niederösterreich zurück. Ungeachtet seiner angestrengten amtlichen und staatsmännischen Thätigkeit fand P. Zeit, seine Arbeitskraft auch einigen humanen Vereinen zu widmen und sich mit literarischen Arbeiten zu beschäftigen. So verdankt ihm „der Schutzverein zur Rettung verwahrloster Kinder“ in dessen Directorium P. seit 1846 ist, seine festere Begründung und fanden seine Ansprachen und öffentlichen Rechenschaftsberichte so warmen Anklang, daß er, durch den Wohlthätigkeitssinn Wiens unterstützt, zwei Häuser für Mädchen und Knaben errichten konnte. Von seinen schriftstellerischen Arbeiten sind außer einzelnen Aufsätzen in juridischen Zeitschriften zwei kleinere Werke zu bemerken: „Einige Worte über die Gefängnissfrage“ (Wien 1848, Ghelen’sche Erben, 8°.) und der Nekrolog auf seinen Vater: „Zur Erinnerung an Karl Joseph Freiherrn von Pratobevera-Wiesborn“ (Wien 1854, k. k. Hof- und Staatsdruckerei, 8°.), vorher schon in der österreichischen Gerichts-Zeitung 1854, Nr. 29 und 30, abgedruckt. Auch bezeichnet man P. als den Verfasser der „Silhouetten aus dem österreichischen Reichstage“ (Leipzig 1862, Otto Wigand, kl. 8°.), einer Folge von politischen Xenien, witzig, fein in der Satyre, elegant im Ausdrucke, und ferner eines Gedichtes, betitelt: „An Franz Joseph“, das im Jahre 1865 im Auslande gedruckt, jedoch nicht im Handel erschienen ist und das eine poetische Darstellung der politischen Zustände Oesterreichs und was dem Staate noth thue, enthält. Noch sei hier einer künstlerischen Fertigkeit P.’s gedacht; er ist nämlich ein geschickter Modelleur, wie dieß einige, im Besitze von Verwandten und Freunden befindliche Stücke darthun; so z. B. mehrere Gestalten, Pinzgauer vorstellend, in Miniaturdimensionen, die Büsten seiner Tochter und des Dichters der „Agnes Sorel“, Grutsch, ein kleiner Genius mit einem Obstkorbe, ein Reitpeitschengriff u. s. w. Außer dem bereits erwähnten Großkreuze [209] des Franz Joseph-Ordens hat Freiherr von P. österreichischer Seits noch den Leopold-Orden und nach seinem Abgange von Frankfurt a. M., 1842 und 1843, von Preussen den rothen Adler-Orden 3. Classe und von Hessen-Darmstadt das Commandeurkreuz des hessischen Verdienst-Ordens erhalten.

Son Excellence le ministre de justice Adolphe Seigneur de Pratobévéra (Fol.), p. 347–350, der Extraits de l’histoire des maisons princieres et des autres principales maisons en Europe suivie d’articles sur les hommes d’état, les hommes de guerre et les hommes de science ainsi que sur les fondateurs et les bienfaiteurs des institutions utiles ... Par une société de gens de lettres et differentes nations (A Genève s. a. à la direction de l’histoire des anciennes maisons en Europe, Fol.). – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1861, Beilage Nr. 64, S. 1042: „Der österreichische Justizminister Freiherr von Pratobevera“. – Stenographische Protokolle der Sitzungen des österreichischen Abgeordnetenhauses (Wien, Staatsdruckerei, 4°.) 1861, 19. Sitzung, S. 408 u. f. [worin P. seine Intentionen als Justizminister in einer oft von Beifall begleiteten Rede dem Hause darlegt]. – Hahn (Sigmund), Reichsrath-Almanach für die Session 1867 (Prag 1867, H. Carl J. Satow, 8°.) S 136. – Hajnal. Arczképekkel és életrajzokkal díszitett Album. Tulajdonos szerkesztő és kiadó: Sarkady István, etc., d. i. Die Heimat. Bilder- und Biographien-Album, herausgegeben von Stephan Sarkady (Wien 1867, Leop. Sommer, 4°.). – Presse (Wiener polit. Blatt, Fol.) 1861, Nr. 36, im Abendblatte; 1862, Nr. 90, Nr. 176, in der „Kleinen Chronik“; 1864, Nr. 335 [seine Rede in der Adreßdebatte, worauf der Rücktritt des Ministers Schmerling folgte]. – Neue freie Presse 1864, Nr. 95, Correspondenz aus Wien ddo. 3. December 1864. – dieselbe 1876, Nr. 2672: „Freiherr von Pratobevera“. – Wiener Zeitung 1869, Nr. 219: Schreiben, mit welchem P. die Niederlegung seines Mandates als Mitglied des Abgeordnetenhauses anzeigt. – Das Vaterland (Wiener polit. Blatt) 1861, Nr. 31. – Pilsner Bote. Wochenblatt u. s. w. 1861, Nr. 15: „Freiherr von Pratobevera“. – Bohemia (Prager polit. und belletrist. Blatt) 1862, Nr. 97, S. 959. – Silhouetten aus dem österreichischen Reichsrath (Leipzig 1862, Otto Wigand, kl. 8°.) S. 4 [die Silhouette lautet: „Schmerling’s ehrlichster Freund und treuer Gesinnungsgenosse | Der im ersten Kampf tapfer zur Seite ihm stand | Heißeren Blutes jedoch, darum auch tiefer erreget | Wurde beim zweiten Sturm er in dem Anlauf gehemmt | Denn das leuchtende Ziel ward ihm von oben verrücket | Und von unten befleckt, also geblendet der Blick. |“ – Photogramme aus dem niederösterreichischen Landtage von Joannes Nepomucenus Nonultra-Montanus (Wien 1864, F. Manz u. Comp.) S. 4 [das auf Pratobevera gerichtete Photogramm lautet: „Wiesborn“ bist du zubenannt, | Deutend Frühlingssegen; | Doch der Frühling ist verbannt, | Seit du dich mußt pflegen. |“ – Carte blanche (Leipzig 1862, Friedrich Volkner, 12°.) S. 9, Nr. 5, S. 12, Nr. 8. [Verfasser der Photogramme ist, wie aus dem Pseudonym ersichtlich: Dr. Joh. Nep. Berger, der nachmalige Minister ohne Portefeuille (gest 1870); als Verfasser der „Carte blanche“ wird Dr. Alexander Schindler, unter dem Dichternamen Julius von der Traun bekannt, bezeichnet.] – Porträte. Unterschrift: Báró Pratobevera Adolf, Alsó-Ausztria Landmarschallja; val. belső titkos Tanácsos. Marastoni Jos. (lith.), 1868 (4°.), auch in Sarkady’s „Hajnal“ [ein ziemlich wohlgetroffenes Bildniß].