BLKÖ:Primisser, Cassian

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Primisser, Alois
Band: 23 (1872), ab Seite: 302. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
GND-Eintrag: 141527013, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Primisser, Cassian|23|302|}}

Primisser, Cassian (gelehrter Cisterciensermönch, geb. zu Prad in Tirol 14. April 1735, gest. im Kloster Stams 19. December 1771). Der Onkel des Vorigen und Bruder des Folgenden, war P. der Sohn armer, reich mit Kindern gesegneter Bauersleute. Da er frühzeitig schon bedeutende Anlagen zeigte, so besuchte er das Gymnasium zu Meran, wo er von wohlthätigen Bürgersleuten unterstützt wurde. Durch seinen Fleiß und regen Eifer zog er die Aufmerksamkeit des Abtes von Stams auf sich, welcher ihm den Lebensunterhalt anwies. Von Meran ging P. nach Innsbruck an die Universität, wo er durch seine Thätigkeit und sein strengsittliches Betragen empfohlen, in kurzer Zeit einer der gesuchtesten Lehrer und Correpetitoren wurde, so daß er bald, da er ein höchst mäßiger Mensch war, ein ganz anständiges Auskommen hatte. Am 21. September 1755 trat er, durch die Fürbitte des Grafen Enzenberg unterstützt, in das Cisterzienserkloster Stams, wo er seinen Taufnamen Karl mit Cassian vertauschte. Daselbst wurde er am 21. October 1759 zum Priester geweiht und starb an einem Brustleiden, das er sich durch seine aufreibende Thätigkeit zugezogen, im 36. Lebensjahre. Schon als Knabe zeigte P. einen rastlosen Fleiß und Eifer. So machte er sich schon damals zum Gesetze, nie etwas zu lesen, ohne sich die besten Stellen auszuziehen, in diesen Noten aber auch die größte Ordnung zu halten, um sie bei geeigneter Gelegenheit zu gebrauchen. Schon während des Gymnasiums machte er den Entwurf zu einer deutschen Sprachlehre nach Gottsched’s Ideen, und trieb mit besonderer Vorliebe das Studium der Geschichte und Geographie, besonders der seines Vaterlandes Tirol, von dem er auch den Grund zu einer Karte entwarf, die den Beifall De Luca’s erhielt. Während er an der Universität in Innsbruck studirte, schrieb er zum eigenen, wie zum Gebrauche seiner Schüler einen Auszug aus P. Weitenauer’s Abhandlung: „De difficillimo genere epistolarum“; ferner zwei philosophische Ausarbeitungen, in deren ersterer, welche Naturkunde, Metaphysik und Ethik in, sich faßt, in 230 Paragraphen die Lehren derart zusammengestellt sind, daß sie eine streng logisch gegliederte Kette bilden; die zweite betitelt sich: „Physicae universalis et particularis compendium collectum tum ex praelectionibus academicis P. Caroli Lachmayr, tum ex aliis auctoribus“, welche Kosmographisches, Geographisches und Topographisches mit besonderer Hinsicht auf die Tiroler Provinz und das Vintschgau enthält. Unter v. Weitenauer’s Anleitung vollendete er seine zu Meran begonnene Karte und bereiste zu diesem Zwecke das Vintschgau, Botzen, Brixen und das Wippthal, um allenfalls aufgefundene Fehler zu verbessern. Die Karte führte er selbst mit der Feder aus und sie umfaßt auf zwei Bogen bis 10 Districte, in welche Tirol damals eingetheilt war. Sie erschien unter dem Titel: „Principalis Comitatus Tyrolis. Gefürstete Grafschaft Tirol, eingetheilt und. gezeichnet von Venon Brader, 1754“. Dieselbe befindet sich jetzt in der k. k. Universitäts-Bibliothek zu Innsbruck. Nach seinem im [303] Jahre 1755 erfolgten Eintritte in das Kloster Stams beschäftigte er sich während des Probejahres mit der Uebersetzung der Psalmen und der „Annales Cisterzienses des Spaniers Angelus Manrique von der Stiftung des Ordens bis zur Gründung des Klosters Stams 1093–1272“, und fügte dieser Arbeit eine genealogisch-chronologische Karte aller nach und nach entstandenen Klöster dieses Ordens bei. Noch als Frater fing er die Bibliothek des Klosters wie des Conventes zu ordnen an und machte zu derselben den Katalog. Ungeachtet dessen, daß er auch den Neuprofessen über Philosophie vorzutragen hatte, fand P. in seiner rastlosen und unermüdeten Thätigkeit Zeit, eine genealogische Tabelle des Stammbaumes des Grafen Mainhard II. und seiner Gemalin Elisabeth von Bayern in auf- und absteigender Linie – vom IV. bis in’s XVIII. Jahrhundert, von dem Ostgothen Könige Theodorich bis zur Kaiserin Maria Theresia – zu entwerfen und auszuführen. Nebenbei nahm er auch auf die Herrscher über Tirol und die fürstlichen Wohlthäter seines Klosters Bedacht, so daß diese Tabelle die Eigenschaften einer Geschlechtstafel, einer Vaterlands- und Ordensgeschichte, wie auch einer Stiftschronik in sich schließt. Der Abt Roger betraute nun den unermüdlichen Cassian 1762 mit der Aufsicht über Archiv und Kanzlei. P. hatte da eine unendliche schwierige Arbeit vor sich, denn er sollte ja in ein vollständiges Chaos Ordnung bringen. Bei dem Einfalle der feindlichen Schaaren unter Moriz von Sachsen, 1752, begnügten sich dieselben nicht, die Kostbarkeiten des Klosters zu rauben, sie zerstörten und vernichteten auch eine große Anzahl Urkunden oder brachten dieselben in die heilloseste Unordnung. Im Jahre 1765 hatte P. die Ordnung wieder hergestellt, die Urkunden in 12 Büchern eingetragen, das Materiale nach Inhalt und Zeitfolge geordnet und zu den Annalen des Stiftes, welche zu schreiben er sich vorgenommen, zusammengestellt. Im Jahre 1766 begann P. mit der Abfassung der Annalen und hatte sie 1771 in drei Theilen bis zum Anfange des XVIII. Jahrhunderts vollendet, als ihn in diesem Jahre der Tod ereilte. Der erste Theil enthalt in 30 Capiteln die Geschichte der Gründung von Stams, der Aebte in chronologischer Ordnung nebst den wichtigsten Ereignissen im Lande. Der II. Theil die dazu gehörigen Urkunden, mehr als 500 an der Zahl, nebst vielen genealogischen Tabellen. Der III. Theil endlich, ebenfalls in 50 Capiteln, enthalt auch Indices und Register verschiedener Art. Außer diesen Arbeiten, welche für Stams von großer Wichtigkeit sind, zeichnete P. noch zwei Karten, und zwar die eine mit dem Titel: „Vallis Venusta (Vintschgau) divisa in Dynastias Gloriomalsiensem, Schlanderniensem et Castellobellensem et Montaniensem“ und die zweite: „Dalmatia Austriaca divisa in Istriam et Morlachiam Austriacam“. Auch beschäftigte er sich viel mit Poesie und war dem Kloster durch seine ausgebreiteten mathematischen und geometrischen Kenntnisse bei Grenzstreitigkeiten, über Jagdbarkeiten u. dgl. m. von großem Nutzen. Von P.’s vielen Schriften erschien nur der bereits erwähnte Auszug aus Weitenauer’s Abhandlung: „De dificillimo genere epistolarum“, und zwar in Augsburg und Freiburg 1756, und „Rythmus in laudem Venerabilis Patris Joannis Campidonensis Sacerdotis et Monachi Ordinis Cisterciensis et Monasterii Stamsensis, animadversionibus [304] historicis explicatus“ (Innsbruck 1766, Wagner, 4°.) im Drucke. Außerdem bewahrt das Kloster Stams folgende Werke P.’s in Handschriften: „Annales Stamsenses. VI tomis usque ad ann. 1703“, – „Additiones. IX tomi, nebst Register darüber“; – „Diarium 1704–1766. II tomi“; – „Notitia Stamsii compendiaria. I Fascic.“; – „Scripta, philosophica“; – „Theologia dogmatica, specialis, moralis. 246 Theses“; – „Scripturistica veteris et novi Testamenti“; – „Alphabetum universale ex variis Sententiis selectum“; – „Psalmi Davidici per textus ex S. Bernardo explicati“; – „Eruditio historica de Virtutibus et Vitiis ect.“[WS 1]; – „Quodlibet et Miscellanea“; – „Notata varia“; – „Eloquentiae compendium“; – „Compendium et notata grammaticalia in linguam latinam, graecam et rhaeticam“; – „Pia scripta in usum privatum“; – „Fürstliche Grabstätte in Stams“; – „Das Hauptschloß Tirol“; – „Itinerarium ad Athesin, 1765“; – „Poetische Versuche“; – „Inscriptiones Abbatum usque ad Abbatem Vigilium“; – „Tabelle der Jahrtage des Cisterzienserordens. Geschlechtsordnung der Begrabenen in der Gruft, Kärtchen u. s. w.“; – „Stammbaum der Cisterzienserklöster“; – „Praenotata in III. partem Annalium“; – „Briefe an ihn und von ihm von Cassian Roschmann, Philipp Puel, Franz Propst von Pollingen“; – „Tirolis topographica cum notis de familiis nobilibus“; – „Der Stammbaum des Stifters und der Stifterin, bis auf die Kaiserin Maria Theresia“, auf Rahmen aufgespannt.

Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereines in Wien (1861), V. Band, S. 180 u. s. f. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, Beck, 8°.) Bd. IV, S. 293. – Staffler (Joh. Jac.), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, 8°.) Bd. I, S. 169, 315.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ect.